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Von Menschen produzierte Masse übersteigt 2020 erstmals Biomasse | BR24

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Mehr von Menschen gemachte Welt als Natur - nach Erkenntnissen israelischer Forscher ist das nicht nur der Trend, sondern seit 2020 Tatsache.

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    Von Menschen produzierte Masse übersteigt 2020 erstmals Biomasse

    Die Masse weltweit von Menschen hergestellter und gebauter Dinge könnte einer Schätzung zufolge in diesem Jahr erstmals die Masse aller Lebewesen der Erde übertreffen. Damit könnte 2020 einen Wendepunkt darstellen, heißt es in einer neuen Studie.

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    Von
    • Sylvaine von Liebe

    Tiere, Pflanzen, Bakterien, Pilze - die Masse an Leben auf der Erde scheint schier grenzenlos. Und doch wird sie wohl schon bald übertrumpft werden, nämlich von all den Dingen, die der Mensch baut und produziert. Dies ist zumindest die Einschätzung israelischer Wissenschaftler, deren Studie jetzt im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurde.

    Biomasse vs. produzierte Masse - die Entwicklung

    Für ihre wissenschaftliche Arbeit haben die Forscher um Ron Milo vom Weizmann Institute of Science im israelischen Rehovot die globalen Veränderungen der Biomasse und der von Menschen produzierten Masse von 1900 bis zur Gegenwart untersucht. Dabei konnten sie feststellen, dass sich die Masse der von Menschenhand hergestellten Objekte innerhalb der vergangenen 100 Jahre alle 20 Jahre verdoppelt hat.

    "Diese Ergebnisse veranschaulichen den wachsenden Einfluss der Menschen auf die Erde", heißt es in der Studie. Seit der ersten landwirtschaftlichen Revolution hätten Menschen die pflanzliche Biomasse von rund zwei Teratonnen - das sind zwei Billionen Tonnen - auf gegenwärtig rund eine Teratonne reduziert.

    Warum der Mensch so viel Masse produziert - die Folgen

    Die Gründe, die zu dieser "Verschiebung des Gleichgewichts zwischen der lebenden und der von Menschen geschaffenen Masse" geführt habe, so die Wissenschaftler, seien auf der einen Seite die landwirtschaftliche Nutzung von Böden und die Entwaldung. Sie führten zu einer Schrumpfung der Biomasse, also zu einem Verlust von "allem was lebt", dazu gehörten auch Pilze und Bakterien. Demgegenüber wachse die von Menschen geschaffene "anthropogene Masse" wie zum Beispiel Plastik, Gebäude, Straßen und Maschinen immer schneller an. Gegenwärtig werde sie in einem Umfang von mehr als 30 Gigatonnen, also 30 Milliarden Tonnen, im Jahr produziert. Umgerechnet bedeutet das: Für jeden Menschen auf der Welt werden in einer Woche Objekte geschaffen, die etwa seinem Körpergewicht entsprechen.

    Forscher mahnen zu mehr Verantwortung

    Wenn der gegenwärtige Trend sich so fortsetze, werde die Masse der von Menschen hergestellten Objekte im Jahre 2040 rund zwei bis drei Teratonnen betragen, mahnen die Wissenschaftler.

    "Diese Studie zeigt, wie viel größer als unsere eigentliche 'Schuhgröße' unser globaler Fußabdruck ist. Wir hoffen, dass wir als Spezies Verantwortung übernehmen können, wenn wir diese ziemlich schockierenden Zahlen vor Augen haben." Ron Milo, Umweltforscher am Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel

    Die israelischen Forscher betonen in ihrer Arbeit allerdings, dass es sehr schwer sei, den Wendepunkt zeitlich genau festzulegen, ab dem es mehr vom Menschen produzierte Masse als Biomasse gebe. Bei ihren Schätzungen war für sie außerdem nur das Trockengewicht der einzelnen untersuchten Massen relevant, deren Wasseranteil berücksichtigten sie nicht.

    Bestätigung einer "Technosphäre"-Studie von 2016

    Dass die Anzahl der vom Menschen produzierten Gegenstände - vom Bleistift bis zum Atomkraftwerk - die Anzahl aller Lebewesen auf der Erde übersteigt, hatten bereits Wissenschaftler in einer 2016 veröffentlichten Studie dargelegt. Das Forscherteam um Jan Zalasiewicz von der Universität Leicester schätzte schon damals die "Artenzahl" der sogenannten Technosphäre auf mehr als eine Milliarde ein - das ist mehr als heute Organismenarten auf der Erde leben.

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