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ESA-Satellit Aeolus soll Wettervorhersagen verbessern | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Optimierte Wettervorhersagen - Wie kann man die Prognosen verbessern?

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ESA-Satellit Aeolus soll Wettervorhersagen verbessern

Sieben-Tage-Wettervorhersagen haben in Europa eine Trefferquote von 80 Prozent. Würde man den Einfluss des Windes stärker einbeziehen, wären die Prognosen noch besser. Genau das ist das Ziel von Aeolus - ein ESA-Satellit zur globalen Windmessung.

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Der Blick nach oben zeigt: Wolken sind ständig in Bewegung. Dunkle Schlechtwetterfronten bewegen sich auf uns zu oder weg. Dahinter steckt der Wind mit seiner enormen Kraft. Er beeinflusst das Wettergeschehen, spielt aber bisher bei den Wettervorhersagen keine große Rolle.

Der Wind beeinflusst das Wettergeschehen

Bis jetzt stammen Winddaten meist von Wetterballons oder Verkehrsflugzeugen. Sie kommen also nur von dort, wo Wetterdienste arbeiten oder wo es Flughäfen gibt. Das Windgeschehen über dünn besiedelten Gebieten, Polarregionen oder über den Weltmeeren wird bislang kaum beobachtet, hat aber Einfluss auf das globale Wettergeschehen.

Der ESA-Windsatellit Aeolus soll genaue Daten zum Wind liefern

Der Windsatellit Aeolus der ESA soll die Datenlücke schließen. Er befindet sich noch in der Testphase, soll Meteorologen aber bald mit genauen Daten zu den Windverhältnissen auf der Erde unterstützen. Aeolus beobachtet die Atmosphäre aus rund 320 Kilometern Höhe überall auf der Welt.

"Wenn man sich auf der Weltkarte anschaut, wo Wind überall gemessen wird, sei es vom Ballon aus, von Schiffen oder von Flugzeugen, dann sind das nur sehr wenige Gebiete. Einen Satelliten im All zu haben, der Winde auf der ganzen Welt misst, ist schon ein großer Fortschritt." Juan Pineiro, Physiker am Europäischen Satelliten-Kontrollzentrum in Darmstadt

Der Windsatellit arbeitet mit Laserlicht im ultravioletten Bereich

Technisch ist der Windsatellit mit einer besonderen Radar-Technik ausgestattet. Sie sendet aber keine Radiowellen aus, sondern Laserpulse im ultravioletten Bereich, die das menschliche Auge nicht sehen kann. Das Laserlicht wird von kleinen Teilchen, die sich in der Atmosphäre befinden, gestreut und wieder zum Satelliten zurück geworfen. Aus Frequenz und Wellenlänge des Laserlichts lässt sich dann die Windgeschwindigkeit in der Atmosphäre bestimmen.

© picture alliance / Photoshot

Satellit Aeolus soll Wettervorhersagen deutlich verbessern.

Geräte mit Lasertechnik, auch Lidar gennannt, gibt es bisher nur am Boden mit geringer Reichweite, um beispielsweise im Umfeld von Windkraftanalgen Messungen durchzuführen. Der Satellit Aeolus kann jetzt die Windgeschwindigkeiten in verschiedenen Höhenschichten in der gesamten Atmosphäre bestimmen.

"Man kann zum Beispiel auch Starkwinde in der Atmosphäre messen. Das sind die sogenannten Jetstreams, die in acht bis zwölf Kilometer Höhe auftreten. Das ist sehr wichtig, um die Wettervorhersage zu verbessern." Oliver Reitebuch vom Institut für Physik der Atmosphäre am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Die Winddaten sollen in größere Prognoseprogramme einfließen

Die Daten, die der Windsatellit erhebt, sind frei verfügbar und prinzipiell für jeden zu empfangen. Dabei handelt es sich um Rohdaten. Eine Wettervorhersage entwickelt sich daraus, wenn die Angaben des Wind-Satelliten in entsprechende Computermodelle einfließen. Dafür müssen Experten die Aussagekraft der neuen Winddaten zuerst genau prüfen.

"Im ersten Schritt wollen wir die Daten kennenlernen. Um ihre Qualität zu beurteilen, vergleichen wir die neuen Messungen mit unseren Analysen und mit anderen Beobachtungen, die wir haben. Im zweiten Schritt müssen wir das neue System mit unserem Computermodell in Einklang bringen." Alexander Cress, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst

Schon jetzt ist klar, dass die Daten des neuen Satelliten den Qualitätsansprüchen der Experten genügen und sich daraus genauere Wetterprognosen ergeben werden.

Auch weit entfernte Winde beeinflussen das Wetter in Deutschland

Windmessungen aus weit entfernten Gebieten sind auch für Deutschland wichtig, weil sich ein tropischer Sturm nicht unbedingt nach Amerika oder in die Karibik fortsetzt, sondern vorher abdreht und Europa erreicht. Auch ein Polartief kann Deutschland betreffen. Vor allem mittelfristige Wettervorhersagen sollen schon bald von Aeolus - benannt nach dem griechischen Gott der Winde - profitieren.