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Sportschießen Umstrittener Konzentrationssport mit Olympia-Faktor

Der Schießsport ist bei den Sommerspielen in den Fokus gerückt. Aber was müssen erfolgreiche Athleten können? Die bayerischen Olympia-Schützinnen Selina Gschwandtner und Barbara Engleder geben Einblicke.

Stand: 19.11.2016

Selina Gschwandtner | Bild: picture-alliance/dpa

Die deutschen Sportschützen haben bei den Olympischen Spielen mit drei Gold- und einer Silbermedaille positiv auf sich aufmerksam gemacht. Spannende Wettbewerbe und sympathische Erfolgsträger – der Sport hat dabei auch sein traditionelles, teils schlechtes Image verloren. Aber wie trainiert so ein Sportschütze? Worauf kommt es an? Und sind wirklich alle Vorurteile abgelegt?

Mentaler Faktor entscheidend

Selina Gschwandtner von der HSG München trainiert fast täglich mit dem Luft- und Sportgewehr. Sie ist Studentin und professionelle Schützin - vom Schießsport allein lebt kaum ein Athlet. Gschwandtner war in diesem Sommer bei den Olympischen Spielen, ist Europameisterin und Weltcup-Siegerin. Ihr Erfolgsrezept: "Hartes Training, viel Training, viel Disziplin beim Training und auch mal fahren, wenn man viel lieber auf der Couch bleiben würde." Besonders wichtig ist der mentale Faktor.

"In schwierigen Situation ist die mentale Komponente das A und O und macht 90 Prozent des Ganzen aus."

Selina Gschwandtner

Präzisionssport Schießen

Denn Schießen ist Präzisionssport. Hier entscheidet tatsächlich der sprichwörtliche Millimeter über Sieg und Niederlage. Was macht ein Schütze also, um sich auf Kommando zu konzentrieren? Trainer Theo Gschwandtner nennt zwei ganz grundlegende Dinge:

"Da helfen erstens Atemtechniken, wie lange atme ich ein und aus, das hat etwas von Meditation. Und das zweite ist Kopf-Kino, da stelle ich mir einen idealen Schussablauf oder eine Komponente des Ablaufs vor und gehe damit in die nächste Wettkampfetappe."

Theo Gschwandtner

Genaue Regeln

Der sogenannte Flow ist beim Sportschießen der Idealzustand, totaler Tunnel. So wie Barbara Engleder bei ihrem Olympia-Sieg. Die sympathische Niederbayerin hat dem Image des Schießsports geholfen, mit Charme und ihrer authentischen Art. Aber trotzdem gibt es nach wie vor kritische Stimmen. Genaue Regeln sollen dem entgegenwirken:

"Wir haben eine Waffenbesitzkarte, gerade bei den kleinkalibrigen Waffen ist das wichtig, die haben wir auch immer dabei. Und es gibt auch Zollformulare, das ist alles offiziell und legal. Es würde auch kein Sportschütze auf etwas Schießen, was keine Scheibe ist."

Barbara Engleder

Stadt und Land

Der Stadt-Land-Unterschied ist beim Sportschießen ganz deutlich. Fast jedes bayerische Dorf hat seinen Schützenverein, in den großen Städten dagegen fehlt der Nachwuchs. Vorwürfe, wie sie nach Amokläufen oder Unglücken mit Schusswaffen aufkommen, kann der im Verein engagierte Trainer Gschwandtner nicht verstehen: "Man fördert das nicht, sondern man wird zu viel mehr Sorgfalt erzogen, was man mit so einer Waffe machen kann, nämlich präzise Bewegungsabläufe ausführen."

Gschwandtner und Engleder gehen weder auf die Jagd, noch ballern sie an der Bude um den Hauptpreis. Für sie ist Schießen gleich Sport. Und wer die Zehn trifft, geht am Ende glücklich nach Hause.


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