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Coronavirus: die wichtigsten Fragen und Antworten | BR24

© dpa-Bildfunk/ Sven Hoppe

Ein Mann in Schutzausrüstung demonstriert die Versorgung eines Patienten auf einer Sonderisolierstation in einem Münchner Klinikum.

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Coronavirus: die wichtigsten Fragen und Antworten

Coronavirus in Bayern - das schürt Ängste und wirft viele Fragen auf: Wie gefährlich ist das Virus? Kann man sich schützen? Was sind die Symptome? Wird es auch über Pakete aus China übertragen? Was Sie jetzt wissen sollten.

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Während in Bayern fast alle Corona-Patienten aus den Krankenhäusern entlassen wurden, steigt die Zahl der Infizierten in Italien an. Die italienische Regierung hat Konsequenzen gezogen und Orte in Norditalien, sowie Venedig zur Sperrzone erklärt. Was Sie dazu jetzt zum Coronavirus wissen sollten - hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

BR24-Live vom 28. Januar 2020: Das Coronavirus hat Bayern erreicht.

Viele Menschen haben Angst vor dem Coronavirus. Viele Einschätzungen durch Experten und Wissenschaftler sind nur vorläufig, da sich die Informationen zu dem neuartigen Virus, an dem mit Hochdruck geforscht wird, laufend ändern. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus:

Wie wird das neuartige Coronavirus übertragen?

Das neue Coronavirus (SARS-CoV-2, das vormals die Bezeichnung 2019-nCoV hatte) ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Ursprünglich war das Virus vom Tier auf den Menschen übergegangen: Als Ausgangspunkt gilt ein Tiermarkt in Wuhan, auf dem Wildtiere wie Fledermäuse und Schlangen verkauft und verspeist werden.

Eine Analyse des Erbguts des Virus bestätigte im Februar 2020 diesen Verdacht, denn es stimmt zu 98 Prozent mit einem Coronavirus überein, das Fledermäuse befällt.

Übertragung durch Tröpfcheninfektion

Das Virus kann via Tröpfcheninfektion - zum Beispiel durch Husten - bei direktem Kontakt mit Infizierten verbreitet werden. Sitzt das Virus in den oberen Atemwegen, ist eine Ansteckung wahrscheinlicher und geht wesentlich schneller, als wenn es in den unteren Lungenbereichen sitzt. Dann ist das Ansteckungspotenzial geringer, da der Weg von Lunge zu Lunge weiter ist als etwa von Nase zu Nase, meint der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM) im Januar.

Die neuartigen Coroanviren wurden in manchen Patienten auch im Stuhl nachgewiesen, doch ob es sich auch so verbreiten kann, ist nicht geklärt, so das Robert-Koch-Institut.

Wie ansteckend ist das Coronavirus?

Im Januar glaubte man noch, dass das Coronavirus wenig ansteckend sei. Inzwischen gehen Wissenschaftler davon aus, dass das Virus leichter übertragen werden kann als am Anfang angenommen. Sie versuchen herauszubekommen, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Die Vermutungen gehen im Moment noch weit auseinander - die Quote liegt zwischen 1,5 und 5 Menschen. Prof. Lars Schade, Vizepräsident und Leiter des Zentrums für Biologische Gefahren und spezielle Pathogene vom Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt die Ansteckungsrate ungefähr so hoch ein wie bei SARS.

Ist eine Ansteckung ohne Symptome möglich?

Es wurde darüber berichtet, dass auch Infizierte das Virus übertragen haben, die keine Erkrankungssymptome gezeigt haben. Das ist ein wichtiger Faktor dafür, wie leicht sich so eine Krankheit verbreiten kann.

Die Nationale Gesundheitskommission in China zum Beispiel hatte Ende Januar mitgeteilt, dass eine Ansteckung mit dem Coronavirus auch möglich sei, wenn der Träger des Virus noch keine Symptome zeige, also noch während der Inkubationszeit. Denn die Chinesin, die am 20. und 21. Januar in Bayern vier Personen angesteckt hat, war angeblich symptomfrei. Anfang Februar mussten deutsche Forscher allerdings einräumen, dass sie gar nicht persönlich mit der Geschäftsfrau aus Shanghai gesprochen hatten. Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nahmen Kontakt mit der Patientin auf, als diese wieder zuhause war. Sie zeigte wohl schon in Deutschland grippeähnliche Symptome und nicht, wie zunächst beschrieben, erst auf dem Rückflug in ihre Heimat. Die Wissenschaftler, dazu gehören u.a. Michael Hoelscher vom Medizinischen Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Virologe Christian Drosten vom Universitätsklinikum der Charité in Berlin, hatten wohl in ihrem Artikel am 30. Januar im New England Journal of Medicine (NEJM) möglichst schnell mit der Veröffentlichung sein wollen.

Allerdings bedeutet die Tatsache, dass das Papier Schwächen aufweist, nicht, dass keine Übertragung von asymptomatischen Personen erfolgen kann. Das bestätigt auch Anthony Fauci, Direktor des US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIH). Diese Art der Übertragung spielt aber wohl nur eine untergeordnete Rolle. Das Fatale daran: Patienten, die nur leichte Erkrankungssymptome zeigen, bleiben in der Regel auch nicht zu Hause, meint der Virologe Drosten. Das könne zur Verbreitung des Virus beitragen.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit, die Zeit von der Ansteckung bis sich die ersten Symptome zeigen, dauert bis zu 14 Tage - so der momentane Wissensstand. Wie lange man krank ist, wissen die Experten noch nicht. Deshalb schauen sie den Verlauf der aktuellen Fälle derzeit sehr genau an.

© Bayerischer Rundfunk

Infizierte Personen können das Coronavirus auch dann weitergeben, wenn sie nur leichte Symptome haben. Hinweise aus China lassen das jedenfalls vermuten.

Sollte ich jetzt auf irgendeine Weise mein Verhalten ändern?

Nein, man sollte sich nicht anders verhalten als sonst auch. Wir ändern unser Verhalten ja auch nicht drastisch, weil gerade eine Grippewelle herrscht. Zwar kann man sich gegen Grippe impfen lassen und gegen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nicht, aber im Moment haben wir erst wenige Fälle hierzulande. Eine aufmerksame Gelassenheit sei der richtige Weg, wie Bundesgesundheitsminister Spahn im Januar sagte.

Werden Viren über Pakete oder Briefe übertragen?

Hier muss man sich keine Sorgen machen: Ein Virus kann auf unbelebten Flächen nicht lange leben, es benötigt die Mundschleimhaut seines Trägers oder eines Empfängers. Daher ist eine Infektion nur durch direkten Kontakt oder Tröpfchen, durch Anhusten oder Anniesen möglich.

Eine der wichtigsten Hygienevorschriften ist also die, die auch bei Erkältungen, grippalen Infekten und der echten Influenza gilt: in den Ärmel husten oder niesen. Verzichten Sie darauf, andere Menschen mit Handschlag zu begrüßen. In Zeiten von Grippe- und Erkältungswellen hat jeder Verständnis für diese Vorsichtsmaßnahme.

Viren, die auf Papier oder Paketen landen und mehre Tage mit der Post unterwegs sind, sterben ab. Eine Infektion über den Postweg ist daher so unwahrscheinlich, das sie derzeit wohl auszuschließen ist.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

80 Prozent aller Infektionskrankheiten werden über die Hände verbreitet. Das wird ihnen häufig auch leicht gemacht. Denn wir fassen uns im Schnitt - häufig mit ungewaschenen Händen - alle vier Minuten ins Gesicht. Da hilft nur: Hände gründlich - und öfter - waschen. Und zwar mindestens 20 Sekunden lang - eine Eselsbrücke ist, zweimal im Kopf "Happy Birthday" zu singen.

Außerdem sollte man den direkten Kontakt zu erkrankten Personen sowie Menschenmengen nach Möglichkeit meiden und sich nicht anhusten lassen. Lässt sich ein Kontakt nicht vermeiden, sind Hygienemaßnahmen doppelt wichtig, auch intensives Raumlüften ist sinnvoll. Das schützt auch vor allen anderen Infektionen wie Erkältungen oder der Grippe. Sich damit anzustecken, ist deutlich wahrscheinlicher. Wer große Sorge vor einer Ansteckung hat, sollte - wenn es möglich ist - auch öffentliche Verkehrsmittel meiden.

Soll man einen Mundschutz gegen das Coronavirus tragen?

Kaum wurden die ersten Corona-Fälle in Europa bekannt, gab es bereits erste Meldungen, dass die Nachfrage nach Atemschutzmasken steige. Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg, hält das Tragen eines Mundschutzes "im Augenblick für vollkommen unsinnig". Diese Gesichtsmasken seien nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht. Es mache aber durchaus Sinn, als Grippekranker eine Maske zum Schutz anderer Menschen zu tragen. "Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit", sagte Salzberger.

Wer sich trotzdem einen Mund-Nasen-Schutz (MNS) zulegen möchte, sollte darauf achten, nicht nur eine einlagige Papiermaske zu tragen, sondern mindestens eine FFP2-Maske (face filtering piece) zu kaufen. Was heißt das genau? Zur Vermeidung einer Tröpfcheninfektion wird ein Mund-Nasen-Schutz je nach Filterdurchlass in drei Klassen unterteilt: FFP1, FFP2 und FFP3. Wobei FFP3 am besten schützt. Die Masken der FFP-Schutzklassen können Partikel bis zu einer Größe von 0,6 Mikrometer auffangen, was einen Schutz gegen Bakterien bietet. Viren dagegen sind deutlich kleiner.

Wer ist durch das Coronavirus gefährdet?

Infektionen mit dem Coronavirus verlaufen sehr unterschiedlich - das hängt stark vom Alter und dem Allgemeinzustand des Patienten ab. Bei vielen nimmt eine Infektion einen eher harmlosen Verlauf, andere erkranken schwer daran oder sterben sogar. Es kommt ganz darauf an, wie fit, wie gesund der Patient vor der Ansteckung war und welches Alter er hat.

Kinder sind kaum betroffen und auch Schwangere stellen keine besondere Risikogruppe dar. "Wir wissen auch: Die besondere Risikogruppe sind ältere Menschen - und es gibt eine Betonung auf das männliche Geschlecht", so Prof. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. Gefährdet sind also vor allem alte Menschen oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Welche Symptome verursacht das Coronavirus?

Die Beschwerden können ganz unterschiedlich aussehen. Manche zeigen nur die Symptome einer harmlosen Erkältung, andere zeigen die klassischen Symptome einer viralen Lungenentzündung. Mittlerweile gibt es aber verlässliche Tests, mit denen eine Infektion durch das Coronavirus diagnostiziert werden kann. Zu den Symptomen gehören: Fieber, Husten, Atemnot, Muskelschmerzen und Müdigkeit - mitunter auch Auswurf, Kopfschmerzen und Durchfall. In schweren Fällen kommt eine Lungenentzündung dazu.

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Wie gefährlich das Coronavirus in Bezug auf die Sterblichkeitsrate ist, ist bisher unbekannt. Wie viel Prozent der Erkrankten sterben, lässt sich nicht sagen, denn viele Patienten bleiben symptomarm, sodass sie gar nicht erfasst werden und nicht ins Krankenhaus gehen.

Das neue Coronavirus ähnelt ja dem SARS und dem MERS-Virus, alle sind Coronaviren. Allerdings ist das neue Coronavirus besser an den Menschen angepasst und dadurch rund 10 bis 20-mal ansteckender. Es ist möglich, dass sich das Virus deswegen auch schneller von Mensch zu Mensch überträgt als seine Verwandten.

Die saisonale Grippe ist die größere Gefahr

Insgesamt gibt es in Deutschland bisher immer noch weniger als 20 Fälle (Stand: 25.2.2020). "Wir müssen uns vor der Erkrankung durch eine Corona-Infektion selbst nicht großartig fürchten - die gewöhnliche Grippe ist für nicht Geimpfte nach wie vor mindestens genauso gefährlich und viel weiter verbreitet", meint der Tropenmediziner Professor August Stich aus Würzburg am 26.2.2020.

In Deutschland sterben jährlich bis zu 20.000 Menschen an Influenza. Das sei bisher weder bei SARS noch bei anderen Coronaviren-Ausbrüchen in Deutschland der Fall gewesen. Die Infektion mit dem saisonalen Grippevirus und die mit dem neuen Coronavirus kann sehr ähnliche Symptome hervorrufen, doch die Viren gehören zu ganz unterschiedlichen Virusfamilien.

Sollte man jetzt mit Grippesymptomen zum Arzt?

Stand heute sollte man sich als Erstes fragen: Hatte ich näheren Kontakt zu jemandem, der in einem Risikogebiet, zum Beispiel in China, gewesen ist? Wenn nicht, dann muss man sich eigentlich keine Sorgen machen wegen einer möglichen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus, dann hat man sich wahrscheinlich eine Erkältung, einen grippalen Infekt oder eine echte Grippe eingehandelt. Aber zum Arzt zu gehen ist natürlich auch bei diesen Erkrankungen meist sinnvoll.

Wenn man aber einen begründeten Verdacht hat, am neuen Coronavirus erkrankt zu sein, sollte man auf keinen Fall einfach so zu seinem Hausarzt oder in die Klinik gehen. Wichtig ist, vorher anzurufen und einen Termin auszumachen - damit man im schlimmsten Fall nicht das ganze Wartezimmer ansteckt.

Gibt es eine Impfung oder Medikamente?

Nein – derzeit gibt es kein Medikament und keine Impfung gegen das Coronavirus. Ärztinnen und Ärzte testen aber bei manchen, schwer betroffenen Patienten Medikamente, die ähnliche Viren bekämpfen können, zum Beispiel gegen SARS.

Zumindest die Symptome können mit bisher gängigen Medikamenten gelindert werden. Darüber hinaus ist Bettruhe, viel Flüssigkeit und unter Umständen eine Unterstützung der Atmung sinnvoll.

Wie kann eine Verbreitung reduziert werden?

Wichtig ist, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und Infektionsketten zu unterbrechen. Dazu wird versucht, alle Kontaktpersonen eines Infizierten zu ermitteln, zu untersuchen und zu isolieren.

© BR

In Bayern gibt es den ersten Corona-Virus-Fall - und damit den ersten in ganz Deutschland. Die bayerischen Behörden bestätigten, dass sich ein 33-jähriger Mann aus dem Landkreis Landsberg am Lech bei einer Kollegin aus China angesteckt hatte.

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