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Welche Corona-Impfstoffe gibt es und wie funktionieren sie? | BR24

© Bayerischer Rundfunk / radioWelt

Ingmar Hoerr ist Mitbegründer des Tübinger Biotechnologie-Unternehmens CureVac. Er gilt als Pionier der Forschung an mRNA-Impfstoffen, die nun auch gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen.

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Welche Corona-Impfstoffe gibt es und wie funktionieren sie?

Die Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca werden bereits in der EU verimpft. Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson wird derweil geprüft. Wir geben einen Überblick über die Impfstoff-Kandidaten und erklären, wie sie wirken.

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Von
  • Ortrun Huber

Die Impfstoff-Forschung gegen Covid-19 läuft weltweit auf Hochtouren. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO werden aktuell mehrere Dutzend mögliche Impfstoffe bereits am Menschen getestet, weit mehr als 150 Kandidaten sind in der vorklinischen Entwicklung. Drei Pharmaunternehmen liegen derzeit bei der Impfstoffentwicklung vorne: das deutsch-US-amerikanische Gespann Biontech/Pfizer, der US-Konzern Moderna sowie ein britisches Duo, bestehend aus dem britisch-schwedischen Konzern AstraZeneca und der Universität Oxford. Als nächster Corona-Impfstoff steht der von Johnson & Johnson vor der EU-Zulassung.

Biontech/Pfizer: GB, USA und EU lassen Impfstoff zu

Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel hatte dem Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und seinem US-Partners Pfizer eine Notfallzulassung für deren Corona-Impfstoff erteilt. Es war die erste Zulassung für BNT162b2 weltweit. Am 8. Dezember 2020 haben die Massenimpfungen mit dem Corona-Impfstoff in Großbritannien begonnen. Als erste wurde die 90-jährige Britin Margaret Keenan geimpft. In den USA und Kanada wurde der Impfstoff ebenfalls per Notverordnung zugelassen und wird inzwischen verimpft. Die regulären Zulassungsanträge von Biontech/Pfizer wurden inzwischen von der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA genehmigt. Seit 27. Dezember 2020 wird das Vakzin in Deutschland verimpft. Laut einer aktuellen Studie von Pfizer und der Universität Texas wirkt der Impfstoff auch gegen die ansteckenderen Virus-Varianten aus Großbritannien und Südafrika.

Moderna: Impfschutz ein Jahr lang

Am 7. Januar 2021 hat die Europäische Kommission den Moderna-Impfstoff für die EU zugelassen. In den USA ist der Impfstoff auch schon zugelassen, ebenso im Vereinigten Königreich. Der Moderna-Impfstoff ist wie das Biontech-Vakzin ein mRNA-Impfstoff. Die ersten 60.000 Dosen des Impfstoffs wurden geliefert und wurden am 12. Januar an die Bundesländer verteilt.

Der Covid-Impfstoff des US-Herstellers Moderna soll nach Angaben des Unternehmens mindestens ein Jahr lang wirken. Anders als der Wirkstoff des deutschen Unternehmens Biontech muss der von Moderna nicht so stark gekühlt werden. Statt minus 70 Grad reichen minus 20. Für einen vollumfänglichen Impfschutz sind wie beim Biontech-Vakzin Comirnaty für jeden Impfling zwei Dosen nötig - im Abstand von drei (Biontech) bis vier Wochen (Moderna). Auch der Impfstoff von AstraZeneca erfordert zwei Wirkstoffgaben - im Abstand von mindestens vier Wochen.

Bei beiden Impfungen sollte stets dasselbe Präparat zum Einsatz kommen: "Eine begonnene Impfserie muss mit dem gleichen Impfstoff abgeschlossen werden, auch wenn zwischenzeitlich weitere Impfstoffe zugelassen worden sind", heißt es beim Robert Koch-Institut (RKI). Bei einem Wechsel des Präparats könne die volle Wirksamkeit derzeit nicht gewährleistet werden, teilte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mit. Es gebe noch keine entsprechenden Untersuchungen.

Astrazeneca: Zulassung des Impfstoffs in der EU erhalten

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wurde als dritter Impfstoff in der EU zugelassen. Der britische Konzern musste allerdings in der Vergangenheit Ungereimtheiten bei seiner Wirksamkeitsstudie aufgrund einer Dosierungsspanne einräumen. Der nach Ansicht von Experten eigentlich vielversprechende Impfstoff von Astrazeneca wurde in einer neuen Studie nochmals an mehr und auch älteren Probanden (zum Teil mit Vorerkrankungen) getestet.

Am 30. Dezember 2020 hat Großbritannien als erstes Land weltweit für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca eine Notfallzulassung genehmigt. Ende Januar 2021 hat der britisch-schwedische Arzneimittelkonzern die Zulassung seines Corona-Impfstoffs auch in der EU erhalten.

Johnson & Johnson: EU-Zulassung wird geprüft

Ende Januar 2021 hatte Johnson & Johnson ein Zwischenergebnis seiner Phase-III-Studie mit rund 44.000 Probanden bekanntgegeben. Demzufolge bietet der Impfstoff vier Wochen nach Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19- Krankheitsverläufen. Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen wurde mit 85 Prozent angegeben. Die Prozentzahlen bedeuten, dass es in der geimpften Probandengruppe entsprechend weniger Fälle gab als in der Placebo-Probandengruppe. Weil die Erprobung des vektorbasierten Impfstoffs Adenovirus Serotyp 26 (Ad26) an Freiwilligen gut verlaufen ist, hat das Unternehmen am 16. Februar 2021 die Zulassung für seinen Corona-Impfstoff in der EU beantragt. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA wird das Mittel nun prüfen. Am 11. März will die Behörde eine Empfehlung abgeben. Der Impfstoff von Johson & Johnson hat gegenüber den drei in der EU bereits zugelassenen Vakzinen einen Vorteil: Zur Immunisierung reicht eine Dosis aus - das Präparat muss also nicht zweimal gespritzt werden. Zudem muss das Präparat nicht tiefgefroren gelagert werden, was die Verteilung erleichtert.

Tübinger Unternehmen CureVac in Phase-III-Studie

Einen weiteren vielversprechenden mRNA-Impfstoffkandidaten entwickelt derzeit das Tübinger Unternehmen CureVac, das der Bund mit bis zu 252 Millionen Euro unterstützt. CureVac-Haupteigner und SAP-Mitgründer Dietmar Hopp rechnet mit einer Zulassung seines Vakzins im Frühjahr oder Sommer 2021, in eingeschränkter Form möglicherweise aber auch schon früher. CureVac hat im Dezember 2020 mit der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie mit rund 36.000 Teilnehmern begonnen.

Uniklinik Tübingen entwickelt eigenes Vakzin

Auch an der Universitätsklinik Tübingen wurde im Dezember 2020 eine erste klinische Testreihe mit einem selbst entwickelten potenziellen Corona-Impfstoff gestartet. Nach Angaben des Klinikums handelt es sich um einen Impfstoffkandidaten, dessen Wirkung auf der Aktivierung sogenannter T-Zellen basiert. Die Idee dazu stammt demnach aus der Immuntherapie gegen Krebs, an der in dem Uniklinikum schwerpunktmäßig geforscht wird. Finanziert wird die Studie vom Stuttgarter Forschungsministerium.

IDT Biologika-Vakzin soll Ende 2021 marktreif sein

Bereits Anfang Oktober 2020 hatte das Paul-Ehrlich-Institut die klinische Prüfung eines Impfstoffs durch die im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung verbundenen Universitäten München, Hamburg, Marburg und die Firma IDT Biologika genehmigt. Die Bundesrepublik will dem Dessauer Unternehmen mindestens fünf Millionen Impfdosen abnehmen. Der Vektor-Impfstoff IDT Biologika soll allerdings frühestens in einem Jahr marktreif sein.

Wie funktionieren die Impfstoffe?

Die Unternehmen Biontech/Pfizer und Moderna haben beide sogenannte mRNA-Impfstoffe entwickelt, auch CureVac arbeitet an einem solchen. mRNA steht dabei für Messenger Ribo Nucleic Acid (Boten- Ribonukleinsäure). Die mRNA-Impfstoffe konfrontieren einige wenige Körperzellen mit Teilen der Erbinformation des Virus, die in der mRNA gespeichert ist. Diese liefert den Bauplan für einzelne ungefährliche Virusproteine, die als Antigene bezeichnet werden. Die Antigene aktivieren wiederum das Immunsystem und rufen im Erfolgsfall die schützende Immunantwort hervor.

mRNA-Impfstoffe können dabei nicht ins menschliche Erbgut eindringen, denn beim Menschen befindet sich das Erbgut in Form von DNA (Desoxyribonukleinsäure) im Zellkern. Die chemische Struktur der mRNA aus dem Impfstoff unterscheidet sich jedoch von der Struktur der DNA, sodass diese nicht ins Erbgut des Menschen "eingebaut" werden kann.

Die Vakzine von AstraZeneca, Johnson & Johnson und IDT Biologika sind sogenannte Vektorimpfstoffe. Das Prinzip des Vektorimpfstoffs kam als verträglicher und wirksamer Impfschutz gegen Ebola zum Einsatz. Ein abgeschwächtes, für den Menschen harmloses Virus dient dabei als Transportmittel (Vektor) für einen ungefährlichen Teil der Erbinformation des Corona-Virus. Vektorimpfstoffe enthalten den Bauplan für ein oder mehrere Antigene, die das Immunsystem aktivieren. Der Impfstoff von AstraZeneca setzt hier an der gleichen Stelle an wie die mRNA-Impfstoffe.

© BR

Biontech, Moderna, Astrazeneca. Drei Firmen, drei unterschiedliche Corona-Impfstoffe. Wie läuft die Impfung für mich ab? Wo sind die Unterschiede? Wo die Gemeinsamkeiten?

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