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Monoklonale Antikörper können die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf von Covid-19 senken. Ihr Produktion ist allerdings sehr teuer.

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Antikörper-Medikamente gegen Corona: "Wunder" oder Enttäuschung?

In den USA ist der Einsatz von sogenannten monoklonalen Antikörpern im Kampf gegen Corona bereits genehmigt. In der EU läuft noch nicht einmal der Zulassungsprozess. Entgeht uns eine wichtige Waffe gegen die Pandemie - oder ist Skepsis angebracht?

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Von
  • Jan-Claudius Hanika

Eine Antikörper-Therapie gegen Covid-19 kann laut einer neuen Studie schwere Erkrankungen in vielen Fällen verhindern. Die US-Firma Eli Lilly teilte am Donnerstag mit, bei Tests mit ihrem Antikörper-Präparat an mehr als 1.000 Patienten und Angestellten in Alten- und Pflegeheimen habe sich gezeigt, dass das Risiko einer Erkrankung um 57 Prozent geringer gewesen sei als bei jenen, die nur ein Placebo bekommen hätten.

In den USA wurde das Medikament bereits im November durch eine Notfallzulassung für Personen ab zwölf Jahren genehmigt, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. In der EU sind solche Antikörper-Therapien noch nicht zugelassen. Muss Europa hier handeln oder sind weitere Untersuchungen völlig richtig?

Was sind monoklonale Antikörper?

Monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen. Monoklonal bedeutet, dass die eingesetzten Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel angreifen. Im Unterschied dazu bildet der menschliche Körper nach einer Impfung einen Mix an Antikörpern, die an das Virus an verschiedenen Stellen binden können. Fachleute sprechen in diesem Fall von polyklonalen Antikörpern.

Welche Mittel sind in den USA bereits im Einsatz?

Das Mittel der US-Firma Eli Lilly enthält einen monoklonalen Antikörper. Die US-Firma Regeneron mischt für ihren Antikörper-Cocktail gegen Covid-19 hingegen zwei monoklonale Antikörper. Sie richten sich gegen zwei Regionen des Spike-Proteins auf der Oberfläche des Virus Sars-CoV-2. Der Vorteil der Mischung sei, dass so die Wahrscheinlichkeit steige, dass mindestens ein Antikörper bei jeder speziellen Anwendung auch wirklich wirksam sein könne, erklärte die Virologin Sandra Ciesek im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update". Auch Regeneron hat seit November eine US-Notfallzulassung für ihr Medikament.

Für welche Patienten sind die Medikamente gedacht?

Beide Mittel dürfen in den USA zur Behandlung von Patienten ab zwölf Jahren eingesetzt werden, bei denen das Risiko besteht, dass sie schwere Covid-19-Symptome entwickeln. Die Medikamente können laut der US-Arzneimittelbehörde FDA die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs senken. Patienten, die sich im Krankenhaus befinden oder Sauerstoff benötigen, dürfen das Medikament nicht bekommen. Am stärksten profitierten Regeneron zufolge Probanden, deren Immunsystem noch keine eigenen Antikörper gegen das Virus gebildet hatte. Innerhalb der ersten zehn Tage nach Infektion habe es in Studien die besten Ergebnisse gegeben, sagte FDA-Chef Stephen Hahn. Es gebe aber insgesamt noch nicht ausreichend Daten, sagen viele Wissenschaftler.

Wie wirken diese Antikörper gegen Covid-19?

Die Antikörper sollen verhindern, dass das Virus in die Zelle eintreten kann. Die Behandlung führt Regeneron zufolge zu einer Reduzierung der Viruslast, also der Menge an nachweisbaren Viren, und zu einem rascheren Abklingen der Symptome.

Was sagte der ehemalige US-Präsident Trump nach der Behandlung? 

Nachdem sich Trump im Oktober mit dem Coronavirus infiziert hatte, wurde er - unter anderem - mit dem Antikörper-Cocktail von Regeneron behandelt. Zum damaligen Zeitpunkt war das Mittel in den USA noch nicht zugelassen. Nach seiner vergleichsweise raschen Genesung bezeichnete Trump den Cocktail öffentlich als „Wunder“ und „Heilmittel“ und versprach, es in kürzester Zeit weitreichend verfügbar machen zu wollen.

Wie beurteilen Wissenschaftler die Antikörper?

Viele Forscher waren deutlich skeptischer. Unter anderem weil sich gezeigt hatte, dass die Antikörper bei einer fortgeschrittenen Covid-19-Erkrankung wohl nicht wirklich helfen können.

Was ist über Nebenwirkungen bekannt?

In einer klinischen Studie gab es bei Patienten, die mit dem Regeneron-Mittel behandelt wurden, keine gehäuften schweren Nebenwirkungen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Die FDA weist aber darauf hin, dass es ein gewisses Potenzial unter anderem für schwere Überempfindlichkeitsreaktionen bei den beiden eingesetzten Antikörpern gibt. Zudem würden sie immer noch untersucht. Bestimmte Risiken könnten deshalb noch gar nicht bekannt sein. Bei dem Mittel von Eli Lilly traten bei Studien laut FDA in zwei von 850 Fällen schwerere Nebenwirkungen auf. Auch hier seien möglicherweise manche Nebenwirkungen noch gar nicht bekannt.

Werden die Mittel in den USA flächendeckend eingesetzt?

Nein. Es gäbe zwar sehr viele Patienten, die den Vorgaben der Notfallzulassung zufolge für eine Behandlung mit den Antikörpern in Frage kämen, aber bei weitem nicht ausreichend lieferbare Dosen, sagte Erin Fox von der University of Utah der „New York Times“. „Insgesamt kann man zu Antikörpertherapien sagen, dass sie sehr teuer sind und dass Antikörper sehr schwer zu produzieren sind“, sagte die deutsche Forscherin Ciesek.

Wann könnte es die Mittel bei uns geben?

Bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA läuft bislang kein Zulassungsprozess für eine solche Antikörper-Behandlung, wie aus Angaben auf der Behörden-Webseite hervorgeht. Regeneron plant aber, gemeinsam mit dem Pharmakonzern Roche als Partner, auch in der EU Zulassungen zu beantragen, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Eli Lilly und andere Firmen dürften folgen. Virologin Ciesek geht - auch wegen der komplizierten und teuren Produktion - absehbar davon aus, dass „das wahrscheinlich eher ein Einsatz ist, der sehr kontrolliert erfolgen wird, zum Beispiel bei Hochrisikopatienten, aber sicherlich nicht bei jedem durchführbar sein wird.“

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An einem wirksamen Medikament gegen das Coronavirus wird noch immer geforscht. In einer Studie des Münchner Klinikums Rechts der Isar wird derzeit untersucht, wie Covid-Patienten in einem frühen Krankheitsstadium geholfen werden könnte.

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