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Masern auf dem Vormarsch: Ansteckungen in Europa verdreifacht | BR24

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Masern sind eine "Kinderkrankheit", doch auch Erwachsene können sie bekommen, wenn ihr Impfschutz nicht ausreichend ist. Masern sind sehr ansteckend und sie können so krank machen, dass Betroffene ins Krankenhaus müssen oder sogar sterben.

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Masern auf dem Vormarsch: Ansteckungen in Europa verdreifacht

Laut WHO haben sich 2018 in Europa so viele Menschen an Masern angesteckt wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Zahl stieg innerhalb eines Jahres auf das Dreifache. Ein Grund sei die wachsende Zahl der Impfgegner.

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In 53 europäischen Ländern haben sich im vergangenen Jahr insgesamt 82.600 mit Masern angesteckt. 72 Menschen sind an der Infektion gestorben, so der Report der Weltgesundheitsbehörde.

Deutschland liegt bei Masern diesmal nicht im Trend

In Deutschland schwankt die Zahl der Masernfälle erheblich: 2001 waren es laut Robert-Koch-Institut über 6.000 Ansteckungen, 2015 über 2.000 Fälle, 2012 nur 165 Ansteckungen und 2018 wurden gut 500 Masernfälle gemeldet. Im vergangenen Jahr lag Deutschland also nicht im Trend Europas, wo sich die Infektionskrankheit stärker als sonst ausgebreitet hat. Hierzulande sind etwa 95 Prozent der Bürger gegen Masern geimpft. Trotzdem kommt es auch in Deutschland immer wieder zu größeren Ausbrüchen, vor allem in Ballungsräumen wie Nordrhein-Westfalen und Berlin, wo Menschen eng zusammenleben.

Masern verbreiten sich per Tröpfcheninfektion

Die Masern sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die beim Sprechen, Husten oder Niesen über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen wird. Betroffen sind vor allem Kinder unter fünf Jahren, aber auch ungeimpfte Erwachsene. Typisch sind rote Hautflecken und Fieber. Es kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Lungen- oder Hirnentzündungen kommen.

Ukraine ist mit 53.000 Fällen im Jahr 2018 am stärksten betroffen

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergibt sich für 2018 folgende Statistik bei der Masern-Ausbreitung:

  • Ukraine: 53.000 Masern-Fälle
  • Serbien: 5.076
  • Israel: 2.919
  • Frankreich: 2.913
  • Italien: 2.517
  • Russland: 2.256
  • Georgien: 2.203
  • Griechenland: 2.193

Impfungen würden vor Masern schützen

Die Weltgesundheitsorganisation strebt die weltweite Ausrottung der Masern an, was sie durch Impfungen gegen das Virus erreichen will. Dadurch ist die Zahl der Erkrankten auch schon deutlich gesunken: um 95 Prozent im Zeitraum von 1980 bis 2013. Trotz dieser Erfolgsgeschichte kommt es immer wieder zu einem Aufflackern der Kinderkrankheit. Nur wenige Fälle der extrem ansteckenden Viruskrankheit können eine Kettenreaktion auslösen. 2017 starben weltweit 110.000 Menschen an Masern.

© Bayerischer Rundfunk

In Deutschland kennen nur noch wenige die Masern und sind impfmüde. Dabei ist die Kinderkrankheit keine harmlose Erkrankung. Wie die Krankheit verläuft, welche Nebenwirkungen sie haben kann und warum eine Impfung sinnvoll ist.

Impfmüdigkeit und Impfgegner bremsen WHO-Bemühungen

Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet die mangelnde Impfbereitschaft als gegenwärtig größtes Gesundheitsrisiko der Welt. Davon gehe ein ähnlich großes Risiko aus wie von Ebola, Antibiotikaresistenzen und der Luftverschmutzung. Impfungen würden, laut WHO, jährlich zwei bis drei Millionen Todesfälle verhindern.

In Deutschland gibt es Impfempfehlungen

Die Frage, ob eine staatlich verordnete Verpflichtung, sich impfen zu lassen, gegen Persönlichkeitsrechte verstößt, wird immer wieder öffentlich diskutiert. In Deutschland wie auch in der Schweiz und in Österreich gibt es deshalb nur Impfempfehlungen. In anderen Ländern wie Frankreich, Italien oder Griechenland herrscht für eine Reihe von Infektionskrankheiten Impfpflicht, auch gegen Masern. Solche Vorschriften wünscht sich in Deutschland beispielsweise der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): Neben Masern, so die Einschätzung der Ärzte, sollten auch andere Krankheiten wie Röteln, Diphterie, Tetanus, Kinderlähmung und Keuchhusten zu den Pflichtimpfungen gehören.