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Gefahr Kinderkrankheit Impfen bewahrt vor riskanten Krankheiten

Diphtherie, Tetanus, Polio – Diese Krankheiten waren in der Vergangenheit sehr ernst zu nehmen. Sie bereiteten Eltern und Kind nicht nur schlaf- und sorgenvolle Nächte, sondern konnten zum Teil schwerwiegende, lebenslange Folgen haben oder gar zum Tod führen. Und sie sind weltweit nicht ausgerottet.

Stand: 17.06.2018

Impfung eines kleinen Jungens mit Spritze | Bild: picture-alliance/dpa

Erste Kombinationsimpfung

Mit etwa neun Wochen werden Säuglinge erstmals geimpft. In der Spritze sind Impfstoffe gegen folgende Krankheiten enthalten:

  • Diphtherie
  • Keuchhusten
  • Tetanus
  • Polio (Kinderlähmung)
  • Hib-Infektion
  • ggf. Hepatitis

Dazu kommen eine Impfspritze gegen Pneumokokken und eine Schluckimpfung gegen Rotaviren (nur im ersten Lebenshalbjahr).
Diese Impfungen müssen bis zum ersten Geburtstag noch zweimal wiederholt und im zweiten Lebensjahr aufgefrischt werden.
Reifgeborene Kinder erhalten mit der ersten und dritten Fünf- oder Sechsfach-Impfung eine Impfung gegen Pneumokokken. Babys, die vor der 36. Schwangerschaftswoche geboren sind, bei jeder Fünf- oder Sechsfach-Impfung.

Sonderfall Hepatitis B

Hepatitis B ist eine Leberentzündung, die man in sich tragen kann, ohne krank zu sein, die aber sehr hoch ansteckend und leicht über Körperflüssigkeiten übertragbar ist. Während der Schwangerschaft kann von der Mutter auf das Kind keine Ansteckung erfolgen, wohl aber während der Geburt. Trägt eine Mutter das Hepatitis-B-Virus in sich, muss ihr Baby spätestens zwölf Stunden nach der Geburt geimpft werden.

Ansonsten kann der Impfstoff gegen Hepatitis B in der Kombinationsimpfung unter Umständen auch weggelassen bzw. auf ein späteres Lebensalter verschoben werden, schließlich besteht die Hauptansteckungsgefahr für Hepatitis B im Geschlechtsverkehr oder über Blut.

"Dennoch spricht einiges für eine Impfung im Säuglingsalter: Zum einen erspart man dem Kind eine extra Spritze – der Impfstoff kann problemlos mit den anderen kombiniert werden. Zum anderen verläuft eine Hepatitis-Erkrankung mit höherer Wahrscheinlichkeit chronisch, je früher sie eintritt. Und was wichtig ist: Ein Kind, das Virusträger ist, kann auch durch eine blutende Wunde anstecken."

Dr. Gunhild Kilian-Kornell

Impfen erfolgreich gegen Krebs

Auf Taiwan gab es eine große Anzahl an Leber-Karzinomen, Krebs bei Kindern. Seit man dort gegen Hepatitis B impft, gibt es diese Krebsart dort nicht mehr. Hier konnte tatsächlich ein Krebs durch Impfen verhindert werden.

Zwei Ergänzungen zur Kombinationsimpfung:

  • Rotavirus


Neben den aufgezählten fünf bzw. sechs Erkrankungen empfehlen die Ständige Impfkommission und die WHO außerdem die Schluckimpfung gegen den Rotavirus, der eine schwere Virusinfektion verursacht. Jährlich müssen weltweit etwa zwei Millionen Kinder deswegen stationär behandelt werden. Im Krankheitsverlauf ist vor allem der hohe Flüssigkeitsverlust durch Brechdurchfall gefährlich für die Kinder.

  • Pneumokokken

Pneumokokken sind Bakterien, die Blutvergiftungen, Lungen-, Mittelohr- und Hirnhautentzündungen verursachen. Gerade bei Säuglingen sind die Wege im Körper noch sehr kurz (z.B. vom Ohr ins Gehirn), weshalb sich Infektionen schnell verbreiten und verschlimmern können. Die Impfspritze schützt aber nicht nur die Kleinen. Pneumokokken können im Körper versteckt jahrelang überleben und dann im Erwachsenenalter für eine (immer wieder tödlich verlaufende) Lungenentzündung sorgen, die sogenannte Pneumonie.

"Seit man Kinder gegen Pneumokokken impft, ist auch die Häufigkeit der Pneumonie bei älteren Menschen zurückgegangen. Das heißt: Mit der Impfung der Kinder schützen wir auch deren Großeltern."

Kinderärztin Dr. Gunhild Kilian-Kornell

Herdenimmunität

Weitet sich der Impfschutz auch auf nicht-geimpfte Menschen aus, spricht man von Herdenimmunität. Denn wenn ein Erreger bei einem (geimpften) Kind keine Chance hat, kann es ihn auch nicht weitertragen. Daher bedeutet eine zunehmende Impfmüdigkeit, dass insgesamt mehr Erreger unterwegs sein werden.

"Ich fände es gut, dass bei Kindern, die in eine Kindertagesstätte kommen, ein vollständiger Impfpass vorliegen muss – nach amerikanischem Vorbild. Dadurch könnten gefährliche Komplikationen wie z.B. nach Masern endlich verschwinden."

Dr. Gunhild Kilian-Kornell

Reifung durch Krankheit?

Impfen ist besser als gefährliche Krankheiten zu riskieren, so die Kinderärztin Dr. Kilian-Kornell.

Impfgegner sprechen gern davon, dass Kinderkrankheiten (gerade Masern) einen wichtigen Beitrag zur Reifung der Persönlichkeit leisten. Es stimmt, dass ein paar Tage Bettruhe auch heißen: Zeit für sich. Wer sich mit sich selbst beschäftigt, reift. Erlebtes und Gelerntes kann in Ruhe verarbeitet werden, während der Körper gleichzeitig mit den Erregern kämpft. Doch gilt es hier zwei Dinge zu bedenken:

- Erstens kommen auch auf das geimpfte Kind Krankheitsperioden zu – ein Schnupfen, eine Erkältung, ein verstimmter Magen fordern genauso Erholungs- und Ruhezeiten wie schlimmere Krankheiten.

- Zweitens kann niemand behaupten, dass man seinem Kind etwas wegnimmt, wenn man ihm schlimmes Leiden, Trennung von den Eltern während eines Krankenhausaufenthalts oder Todesangst erspart.

"Das zweijährige Kind, was ich mit Hirnhautentzündung betreut habe, war nach der – zum Glück überstandenen – Krankheit tatsächlich erstaunlich fit. Aber es musste Todesangst erleiden, mehrere Rückenmarkspunktionen über sich ergehen lassen, lag über sechs Wochen im Krankenhaus – es stand zeitweilig Spitz auf Knopf. Ich finde es ganz und gar nicht sinnvoll oder notwendig, dass ein Kind so etwas durchleiden muss, um zu reifen."

Dr. Gunhild Kilian-Kornell

Masern-Mumps-Röteln-Windpockenimpfung

Die Impfung gegen Msdern, Mumps, Röteln und Windpocken wird im Alter von einem Jahr vorgenommen.

Wenn Kinder ein Jahr alt sind, werden sie gegen die Viruserkrankungen Masern, Mumps und Röteln, wahlweise auch gegen Windpocken geimpft. Zweimal im Abstand von mindestens vier bis sechs Wochen werden die Impfstoffe gespritzt.

Masern: Nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Masern sind keine einfache Kinderkrankheit. Sie können zwar auch problemlos verlaufen, aber pro tausend Kinder können bis zu zwei eine Hirnentzündung erleiden, und die heilt in der Regel nicht folgenlos aus. Außerdem gibt es eine tückische Folgeerkrankung, die SSPE (Sklerosierende Subakute Panenzephalitis). Hierbei bleibt bei einem Kind, das beispielsweise mit neun Monaten an Masern erkrankt war, das Virus im Gehirn. Es kann passieren, dass es fünf oder sechs Jahre später langsam seine erlernten Fähigkeiten verliert, und innerhalb von wenigen Jahren an SSPE verstirbt (diese Krankheit ist in jedem Fall tödlich).

Humane Papillomviren: Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs

Seit 2006 sind Impfstoffe gegen die sogenannten Humanen Papillomviren (HPV) auf dem Markt. Diese Viren verursachen Zellveränderungen am Gebärmutterhals: Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses (Cervixkarzinom). Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt schon lange eine generelle Impfung für alle Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren, seit Juni 2018 auch für Jungen dieses Alters. Die Impfung mit zwei Dosen mit einem Impfabstand von fünf Monaten sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Eine Auffrischung der Impfung ist aller Wahrscheinlichkeit nicht erforderlich.


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