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Bildrechte: dpa / picture alliance/blickwinkel / Montage: BR

Video: In Bayern gibt es Tigermücken (li). An zwölf Standorten wurden sie nachgewiesen, zuletzt in Erding, Kiefersfelden und Fürth. Bisher hatten sie keine tropischen Viren im Gepäck. Durch den Klimawandel steigt aber die Gefahr.

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Klimawandel treibt Asiatische Tigermücke nach Bayern

Seit 2015 gibt es Tigermücken auch in Bayern, sie können Infektionen mit den gefürchteten Tropenkrankheiten Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Virus übertragen. Mittlerweile gibt es erste Fälle von Zika in Europa und von West-Nil-Fieber in Deutschland.

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Von
  • Tanja Fieber
  • Sebastian Kirschner

20 Fälle des West-Nil-Virus zählten die deutschen Behörden im Jahr 2020, drei Personen mussten mit schweren Symptomen ins Krankenhaus, eine Person starb sogar an der Infektion. Alle hatten sich in Deutschland infiziert. Vorher waren nur Fälle bekannt gewesen, bei denen Reiseheimkehrer sich im Ausland angesteckt hatten.

Da die meisten Infektionen mit dem West-Nil-Virus ohne Symptome ablaufen, gehen die Behörden aber davon aus, dass sich noch viel mehr Menschen angesteckt hatten. Rund 20 Prozent bekommen Fieber und einen Hautausschlag, und vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen haben ein hohes Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf. "Ich würde mich nicht wundern, wenn hinter den 20 Fällen etwa 1.000 Infizierte stehen, von denen allerdings 80 Prozent von der Infektion nichts gemerkt haben dürften", sagt Christina Frank vom Robert-Koch-Institut.

Heimische und tropische Mücken übertragen West-Nil-Virus

Übertragen wird das West-Nil-Virus von heimischen Mücken der Gattung Culex, aber auch von der Asiatischen Tigermücke, die schon in Bayern an zwölf Standorten nachgewiesen worden ist. Zuletzt sorgten Mücken-Funde im oberbayerischen Erding und in Kiefersfelden sowie im mittelfränkischen Fürth für Aufregung.

Die Funde waren kein Zufall, denn seit 2012 gibt es ein Mückenmonitoring in Deutschland. Wissenschaftler und Bürgerforscher sammeln Mücken in ganz Deutschland ein, um zu kontrollieren, ob und welche Arten tropischer Stechmücken sich hierzulande ausbreiten. Mit den Daten wird jedes Jahr ein Mückenatlas erstellt. In Bayern beteiligen sich inzwischen rund 2.000 Hobby-Mückenjäger an der Aktion.

Zika-, Dengue- und Chikungunya-Virus in Europa angekommen

Auch das berüchtigte Zika-Virus konnte mittlerweile erstmals innerhalb Europas nachgewiesen werden. Der Erreger kann nur von tropischen Mücken wie der Tigermücke übertragen werden. Im südfranzösischen Hyères traten 2019 die ersten bestätigten Fälle auf. Die wirklich ersten Fälle sind sie aber wahrscheinlich auch nicht, vermutet Jonas Schmidt-Canasit vom Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM): "Meist gibt es keine Symptome und die Infektion bleibt unerkannt."

In Deutschland gab es schon Patienten mit Zika-Virus, aber alle hatten den Erreger aus dem Ausland mit gebracht.

Als Hotspots für mögliche Ausbrüche von Zika, Dengue und Chikungunya gelten aber bisher noch eher Italien, Südfrankreich und Griechenland. Dengue-Fälle gab es unter anderem in Südfrankreich und Griechenland schon, größere Chikungunya-Ausbrüche in Italien. Dieses Virus ist Experten zufolge wahrscheinlich auch das gefährlichste für Deutschland, weil es sich auch bei gemäßigten Temperaturen gut in den Mücken vermehren kann. Der Erreger verursacht langanhaltende Gelenkbeschwerden etwa in der Hand, die oft als rheumatische Erkrankung verkannt werden.

Wie die tropischen Mücken zu uns kommen

Bislang konnten bei in Bayern und in Deutschland gefundenen Asiatischen Tigermücken und den Asiatischen Buschmücken noch keine Zika oder West-Nil-Viren nachgewiesen werden. Nur dann könnten sie die Tropenkrankheiten übertragen. Dazu müssten die Tigermücken das Blut einer infizierten Person gesaugt haben und die Viren müssten sich in der Mücke vermehrt haben. Übrigens saugen meist nur Mücken-Weibchen Blut, weil sie Nährstoffe für Eier und Larven brauchen. Eingeschleppt wurden die Tigermücken wahrscheinlich als blinde Passagiere in Autoreifen oder auf anderen internationalen Handelswegen.

Klimawandel macht es Tigermücken in Bayern gemütlich

Die Klimakrise hat es ermöglicht, dass sich tropische Mücken bei uns ansiedeln und vermehren können. Für tropische Viren gilt das noch nicht. Sie brauchen zur Vermehrung mehrere Wochen andauernde Phasen mit hohen Temperaturen (25 Grad und mehr). Steigen bei uns die Temperaturen, erhöht sich die Gefahr, dass sich auch tropische Viren hierzulande wohl fühlen.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich Tigermücken an Frost und Trockenheit gewöhnt haben und genügsamer sind als unsere heimischen Mücken. Ihnen reicht wenig und seichtes Wasser, zum Beispiel Wasserpfützen, als Brutstätte.

In Erding waren es Vasen auf dem Friedhof, sagt der Biologe Andreas Rose: "Die Tigermücke ist ursprünglich spezialisiert, ihre Eier in Astlöcher und solche Geschichten abzulegen. Und deswegen ist sie auch perfekt angepasst, das auch in anderen Kleingefäßen zu machen, zum Beispiel diesen Vasen, die sie überall auf dem Friedhof findet. Kleine Wasseransammlungen reichen ihr vollkommen aus. Außerdem sind die Eier auch noch trockenheitsresistent. Es kann also durchaus sein, dass das Wasser trockenfällt und die Eier überleben. Wenn es dann Wasser gibt, schlüpfen die Mücken aus den Eiern."

Eine Ringelschnake ist keine Tigermücke

Beim Sammeln werden oft unsere heimischen Ringelschnaken, die diese Krankheiten nicht übertragen können, mit Asiatischen Tigermücken verwechselt. Am besten kann man die ähnlich gemusterten Mücken an der Größe unterscheiden: Die Tigermücke ist eine sehr kleine Mücke und wird vier bis neun Millimeter groß. Die Ringelmücke ist eine große Mücke und fast doppelt so groß wie die Tigermücke. Während die Tigermücke schwarz-weiß gefärbt ist, ist die Ringelschnake eher beige-grau. Beide sind oben im Bild zu sehen (links: Tigermücke, rechts: Ringelschnake). So können Sie selbst zum Mückenjäger werden und beim Mückenatlas mithelfen.

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