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Klimawandel treibt tropische Tigermücken nach Bayern | BR24

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Video: In Bayern gibt es Tigermücken. An zwölf Standorten wurden sie nachgewiesen, zuletzt in Erding, Kiefersfelden und Fürth. Bisher hatten sie keine tropischen Viren im Gepäck. Durch den Klimawandel steigt aber die Gefahr.

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Klimawandel treibt tropische Tigermücken nach Bayern

Seit 2015 gibt es Tigermücken auch in Bayern, sie können Infektionen mit den gefürchteten Tropenkrankheiten Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Virus übertragen. Mittlerweile gibt es erste Fälle von Zika in Europa und von West-Nil-Fieber in Deutschland.

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Bislang war man davon ausgegangen, dass das West-Nil-Virus in Deutschland kaum vorkommt. Nun sagen Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM), dass sie von Hunderten Fällen in Deutschland ausgehen. Nachgewiesen sind zwar nur drei Infektionen, bei denen die Betroffenen mit schweren Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert worden sind, und zwar in Berlin, Wittenberg und Leipzig. Sie hatten sich in Deutschland infiziert. Vorher waren nur Fälle bekannt gewesen, bei denen Reiseheimkehrer sich im Ausland angesteckt hatten.

Behörden gehen momentan aber davon aus, dass noch viel mehr Menschen am West-Nil-Fieber erkrankt sind, ohne es zu wissen. Denn in 80 Prozent der Fälle zeigen sich gar keine Symptome, nur eine von hundert Infektionen sei so schwerwiegend, dass sie im Krankenhaus behandelt werden muss.

"Das ist nur die Spitze des Eisbergs." Jonas Schmidt-Canasit, BNITM

Fieber oder Hautausschlag bekommen 20 Prozent. Schwere und tödliche Verläufe beobachten die Mediziner vor allem bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen.

Heimische und tropische Mücken übertragen West-Nil-Virus

Übertragen wird das West-Nil-Virus von heimischen Mücken der Gattung Culex, aber auch von der asiatischen Tigermücke, die schon in Bayern an zwölf Standorten nachgewiesen worden ist. Zuletzt sorgten Mücken-Funde im oberbayerischen Erding und in Kiefersfelden sowie im mittelfränkischen Fürth für Aufregung.

Die Funde waren kein Zufall, denn seit 2012 gibt es ein Mückenmonitoring in Deutschland. Wissenschaftler und Bürgerforscher sammeln Mücken in ganz Deutschland ein, um zu kontrollieren, ob und welche Arten tropischer Stechmücken sich hierzulande ausbreiten. Mit den Daten wird jedes Jahr ein Mückenatlas erstellt. In Bayern beteiligen sich inzwischen rund 2.000 Hobby-Mückenjäger an der Aktion.

Zika-Virus in Europa angekommen

Auch das berüchtigte Zika-Virus konnte mittlerweile erstmals innerhalb Europas nachgewiesen werden. Der Erreger kann nur von tropischen Mücken wie der Tigermücke übertragen werden. Im südfranzösischen Hyères traten die ersten bestätigten Fälle auf. Die wirklich ersten Fälle sind sie aber wahrscheinlich auch nicht, vermutet Jonas Schmidt-Canasit vom BNITM.

"Meist gibt es keine Symptome und die Infektion bleibt unerkannt." Jonas Schmidt-Canasit, BNITM

In Deutschland gab es schon Patienten mit Zika-Virus, aber alle hatten den Erreger aus dem Ausland mit gebracht.

Wie die asiatischen Mücken zu uns kommen

Bislang konnten bei in Bayern und in Deutschland gefundenen Asiatischen Tigermücken und den Asiatischen Buschmücken noch keine Zika oder West-Nil-Viren nachgewiesen werden. Nur dann könnten sie die Tropenkrankheiten übertragen. Dazu müssten die Tigermücken das Blut einer infizierten Person gesaugt haben und die Viren müssten sich in der Mücke vermehrt haben. Übrigens saugen meist nur Mücken-Weibchen Blut, weil sie Nährstoffe für Eier und Larven brauchen. Eingeschleppt wurden die Tigermücken wahrscheinlich als blinde Passagiere in Autoreifen oder auf anderen internationalen Handelswegen.

Klimawandel macht es Tigermücken in Bayern gemütlich

Die Klimakrise hat es ermöglicht, dass sich tropische Mücken bei uns ansiedeln und vermehren können. Für tropische Viren gilt das noch nicht. Sie brauchen zur Vermehrung mehrere Wochen andauernde Phasen mit hohen Temperaturen (25 Grad und mehr). Steigen bei uns die Temperaturen, erhöht sich die Gefahr, dass sich auch tropische Viren hierzulande wohl fühlen.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich Tigermücken an Frost und Trockenheit gewöhnt haben und genügsamer sind als unsere heimischen Mücken. Ihnen reicht wenig und seichtes Wasser, zum Beispiel Wasserpfützen, als Brutstätte. In Erding waren es Vasen auf dem Friedhof:

"Die Tigermücke ist ursprünglich spezialisiert, ihre Eier in Astlöcher und solche Geschichten abzulegen. Und deswegen ist sie auch perfekt angepasst, das auch in anderen Kleingefäßen zu machen, zum Beispiel diesen Vasen, die sie überall auf dem Friedhof findet. Kleine Wasseransammlungen reichen ihr vollkommen aus. Außerdem sind die Eier auch noch trockenheitsresistent. Es kann also durchaus sein, dass das Wasser trockenfällt und die Eier überleben. Wenn es dann Wasser gibt, schlüpfen die Mücken aus den Eiern." Andreas Rose, Biologe und Mückenexperte

Eine Ringelschnake ist keine Tigermücke

Beim Sammeln werden oft unsere heimischen Ringelschnaken, die diese Krankheiten nicht übertragen können, mit tropischen Tigermücken verwechselt. Am besten kann man die ähnlich gemusterten Mücken an der Größe unterscheiden: Die Tigermücke ist eine sehr kleine Mücke und wird vier bis neun Millimeter groß. Die Ringelmücke ist eine große Mücke und fast doppelt so groß wie die Tigermücke. Während die Tigermücke schwarz-weiß gefärbt ist, ist die Ringelschnake eher beige-grau. Beide sind oben im Bild zu sehen. So können Sie selbst zum Mückenjäger werden und beim Mückenatlas mithelfen ...

Sendungen:

  • IQ, 27.09.2019, 18.05 Uhr in Bayern 2
  • Gut zu wissen, 28.09.2019, 19.00 Uhr im BR Fernsehen
  • Gut zu wissen, 28.09.2019, 11.30 Uhr im Ersten
  • Gut zu wissen, 04.10.2019, 14.30 Uhr in ARD alpha