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Gesucht: Riesige Hyalomma-Zecke! | BR24

© colourbox.com, Uni Hohenheim/Marco Drehmann; Montage: BR

Die Universität Hohenheim ruft dazu auf, Zecken der Gattung Hyalomma zu melden. Die tropische Zecke wurde 2018 häufig in Deutschland registriert.

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Gesucht: Riesige Hyalomma-Zecke!

Sie wird dreimal so groß wie normale Zecken, hat gestreifte Beine und überträgt gefährliche Krankheiten: die zu uns eingeschleppte tropische Hyalomma-Zecke. Die Uni Hohenheim bittet um Mithilfe bei der Erforschung dieser Art - und um Ihre Zecken.

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Wer sich schon vor unserer heimischen Zecke, dem gemeinen Holzbock, ekelt und fürchtet, der kann sich auf etwas gefasst machen: Nach zwei Einzelfunden in den Vorjahren wurde die tropische Hyalomma-Zecke 2018 gleich mehr als 30 Mal in Deutschland registriert. Hyalomma stammt ursprünglich aus Afrika, Asien und Südeuropa und kam wahrscheinlich mit Zugvögeln zu uns. Zu erkennen ist sie leicht: Mit bis zu zwei Zentimetern ist sie nahezu dreimal so groß wie ihr europäischer Verwandter. Außerdem besitzt sie auffällig helle, braun-gelb gestreifte Beine.

Hyalomma-Zecke kann gefährliche Krankheiten übertragen

Die tropische Zeckengattung Hyalomma, von der es die zwei Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes gibt, ist nicht ungefährlich: "In ihrer Heimat gilt die Hyalomma-Zecke als Überträgerin einiger Krankheitserreger. Dazu gehören die Erreger des sogenannten Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers", erklärt Ute Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim. Bislang gehen die Forscher nicht davon aus, dass die Hyalomma-Zecke auch FSME oder Borreliose überträgt.

Hyalomma-Zecke geht gezielt und schnell auf die Jagd

Die bei uns heimischen Holzbock-Zecken sind blinde Lauerjäger: Sie klettern auf Gräser und Büsche und warten dort auf einen vorbeikommenden Wirt, der sie abstreift und mitnimmt. Die Hyalomma-Zecke dagegen ist eine Jagdzecke: Sie geht gezielt auf die Jagd nach Wirten, nimmt Tiere und Menschen über ihre Augen und chemische Prozesse wahr, und läuft dann auf sie zu. "Sie erkennt Warmblütler auf Distanzen von bis zu zehn Metern und kann sie über mehrere hundert Meter verfolgen", berichtet Zeckenforscherin Mackenstedt. Dabei bewege sie sich "sehr lebhaft". Es sei schwierig, die Geschwindigkeit von Hyalomma genau anzugeben. "Auf ein galoppierendes Pferd wird sie es nicht schaffen", sagt Ute Mackenstedt und schmunzelt. Aber Hyalomma sei durchaus "spinnenähnlich schnell". Einige Pferdebesitzer zum Beispiel hätten Hyalomma-Zecken deshalb erst für Spinnen gehalten.

© Universität Hohenheim/Marco Drehmann

Die eingewanderte tropische Hyalomma-Zecke (rechts) wird rund dreimal so groß wie unsere europäische Zecke, der gemeine Holzbock (links, Mitte).

Uni Hohenheim bittet um Mithilfe - und Hyalomma-Zecken

Ute Mackenstedt sind bislang 37 Hyalomma-Funde aus Deutschland bekannt, die von Zeckenforschern identifiziert wurden: 2015 und 2016 wurde jeweils nur eine Hyalomma-Zecke registriert. 2018 waren es 35 Hyalomma-Zecken, die deutschlandweit gefunden wurden - auch schon in Bayern: 17 wurden rein per Bild der Gattung Hyalomma zugeordnet, 18 lagen den Forschern vor und konnten genauer untersucht werden. Überwiegend wurden Hyalomma-Zecken auf Pferden entdeckt, aber ebenso bereits an Menschen. Ob einfach mehr Menschen die Möglichkeit genutzt haben, eine Zecke bestimmen zu lassen - oder ob die Steigerung darauf hinweist, dass es der Zecke schon gelungen ist, sich hier anzusiedeln, will die Universität Hohenheim jetzt herausfinden. Dazu bittet sie die Bevölkerung um Hilfe. Mit einem Mulltuch von Gräsern abstreifen, wie es Forscher bei anderen Zeckenarten machen, würde bei Hyalomma nämlich nicht so gut funktionieren, sagt Zeckenforscherin Ute Mackenstedt: "Die Zecke würde davonlaufen - und zwar auf Sie zu."

"Wir sind dankbar um jede eingesandte Hyalomma-Zecke, die wir im Labor erforschen können." Ute Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim

Einen Hyalomma-Zeckenfund melden

Die Zeckenforscher wollen herausfinden, wo und wie häufig die Hyalomma-Zecke in Deutschland zu finden ist, wie sie sich verbreitet und welche Gefahren möglicherweise von ihr ausgehen. Wer eine verdächtige, auffallend große und gestreifte Zecke gesichtet hat, kann der Universität Hohenheim eine E-Mail schicken. So kann schon im Vorfeld geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine Hyalomma-Zecke handelt. Zecken-Foto, Fund-Datum, Adresse des Fundorts und Angabe zum Wirt (Mensch, Hund, Pferd, Schaf, Rind etc.) schicken Sie dann an: tropenzecken@uni-hohenheim.de

Eine Hyalomma-Zecke einschicken

"Es wäre aber toll, wenn uns Zecken geschickt werden. Am besten lebendig, weil wir sie dann auch besser auf Krankheitserreger hin untersuchen können", sagt Ute Mackenstedt. Als "Belohnung" bekommt der Einsender die Untersuchungsergebnisse zu "seiner" Zecke kostenlos zugeschickt.

© picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

Zum Anhören: Zecken scheinen Profiteure des Klimawandels zu sein, sogar ganz neue Arten wie Hyalomma werden beobachtet.

So geht's: Hyalomma-Zecke für den Transport vorbereiten

Festgebissene Zecken sollten - wie die europäischen Zecken auch - vorsichtig mithilfe einer Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette entfernt werden und in ein kleines, luftdichtes Gefäß, etwa einen leeren Cremetigel oder ein sauberes, kleines Einmachglas, gesteckt werden. Um die Zecke mit Feuchtigkeit zu versorgen und ein Vertrocknen zu verhindern, legen Sie am besten einen frischen Grashalm dazu.

Ist die Zecke tot, dann empfiehlt die Universität Hohenheim, sie in Papier und Luftpolsterfolie einzuschlagen und das kleine Zecken-Paket mit Tesafilm zuzukleben. Dabei sollten Sie jedoch unbedingt darauf achten, dass die Zecke nicht in Kontakt zum Tesafilm oder anderen Klebern kommt. Dadurch werde die Bestimmung erschwert. Ist die Zecke sicher verpackt, geben Sie sie am besten in eine Luftpolstertasche oder einen kleinen Karton. Und nicht vergessen: Die Forscher interessieren sich besonders für die Geodaten. Also vermerken Sie unbedingt auch, wo Sie die Zecke gefunden haben: den geografischen Ort - und gegebenenfalls auch den Wirt.

Ab die Post - Hyalomma-Zecke an die Uni Hohenheim schicken

Jetzt müssen Sie Ihre kostbare Zeckenfracht nur noch beschriften und losschicken. Die Adresse lautet: Universität Hohenheim, Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Fachgebiet für Parasitologie, Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart

© Universität Hohenheim

Ein Männchen der Art Hyalomma rufipes. Die Gattung Hyalomma erkennt man an den auffallend braun-gelb gestreiften Beinen.

Pferdebesitzer und Reiter sollten besonders auf Hyalomma achten

Die Universität Hohenheim appelliert vor allem auch an Pferdebesitzer und Reiter, beim Pferdestriegeln aufmerksam zu sein: Die spinnenähnliche Hyalomma-Zecke befällt mit Vorliebe möglichst große Säugetiere. Bis zu 28 Tage bleibt sie auf ihrem Wirt.

Hyalomma-Zecke könnte vom Klimawandel profitieren

Die tropische Zeckengattung Hyalomma fühlt sich wohl, wenn es heiß und trocken ist. Die Zeckenforscher schließen deshalb nicht aus, dass sie sich in Zukunft in Deutschland ausbreitet. Die Zecke Ixodes inopinatus hat es zum Beispiel aufgrund des Klimawandels auch schon vom Mittelmeerraum zu uns - und sogar bis nach Dänemark - geschafft.

"Der Klimawandel scheint es der Hyalomma-Zecke zu erlauben, auch dauerhaft in Deutschland Fuß zu fassen." Ute Mackenstedt, Parasitologin und Expertin für Zecken an der Universität Hohenheim.

Zum Anhören: Tot oder lebendig - Hyalomma-Zecken gesucht! 1. März 2019, 18.05 Uhr, IQ, Bayern 2:

© Lidia Chitimia-Dobler

Zum Anhören: Die Uni Hohenheim bitte Sie um Hilfe. Im Bild: Der gemeine Holzbock im Vergleich zur wesentlich größeren Zecke der Gattung Hyalomma.