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Mückenatlas Deutschland Mücken fangen für die Wissenschaft

Immer mehr exotische Mückenarten, die Krankheiten übertragen können, tauchen bei uns auf. Wo genau? Wie viele? Das wollen auch Wissenschaftler wissen und erstellen einen Mückenatlas. Dafür brauchen sie Ihre Hilfe! Jeder kann mitmachen.

Stand: 25.02.2019

Für den Mückenatlas Deutschland werden die Mücken bestimmt und kartiert | Bild: picture-alliance/dpa

Weltweit gibt es etwa 3.500 Stechmückenarten, von denen rund fünfzig bisher in Deutschland nachgewiesen wurden. Immer häufiger tauchen invasive Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke bei uns auf, die Forscher mit Sorge beobachten. Um genau zu verfolgen, welche Arten tropischer Stechmücken wo in Deutschland auf dem Vormarsch sind, wurde 2012 der Mückenatlas ins Leben gerufen und hat sich zu einem der erfolgreichsten Citizen-Science-Projekte (Bürgerwissenschaft) entwickelt, denn bei diesem Projekt kann jeder mitmachen. Initiatoren sind das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald.

Im Mückenatlas wird jede Mücke bestimmt

Seit 2012 werden in ganz Deutschland Mücken für den Mückenatlas gezählt

Bislang haben die Wissenschaftler schon mehr als 20.000 Einsendungen mit über 100.000 Stechmücken von Mückenjägern aus ganz Deutschland bekommen (Stand: Februar 2019). Zehntausende von Mücken bestimmen und kartieren sie jedes Jahr für den Mückenatlas.

Mehr eingewanderte Mückenarten gezählt

2018 wurden erneut 11.000 Mücken für das Forschungsprojekt eingeschickt. Besorgniserregend waren darunter 34 Tigermücken - doppelt so viele wie im Jahr davor, erklärte die Mückenexpertin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die am Mückenatlas mitarbeitet.

"Durch die in Europa in den letzten Jahren zunehmenden Ausbrüche von Stechmücken-übertragenen Krankheiten wie Dengue-, West-Nil- oder Chikungunya-Fieber sowie den Zika-Virus-Ausbruch in Südamerika wurde die aktuelle Bedeutung von Stechmücken als Krankheitsüberträger unter Beweis gestellt. Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten."

Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Falle und Köder statt Geduld und Spucke

Um ein möglichst großes Spektrum an Arten zu fangen, haben die Forscher bundesweit 120 eigene Fallen an verschiedenen Standorten aufgestellt und benutzen unterschiedliche Köder. Ein Lockstoff ist zum Beispiel Kohlendioxid. Das Gas simuliert den menschlichen und tierischen Atem und ist für einheimische Mücken besonders attraktiv. Außerdem kann jeder, der eine Mücke gefangen hat, sie den Wissenschaftlern zur Bestimmung schicken - aber bitte nicht zerquetscht!

Mitmachen beim Mückenatlas

Mitmachen, aber bitte nicht draufhauen!

Für den Mückenatlas suchen Forscher weiterhin Mücken aus allen Teilen Deutschlands. Vor allem aus dünn besiedelten Regionen Deutschlands kommen wenige Einsendungen. Doch die Mücken einfach totschlagen ist nicht erlaubt: Zerquetscht nützen die Insekten der Wissenschaft nicht mehr. Die Stechmücken sollen unbeschädigt eingefangen und in ein passendes Gefäß befördert werden, zum Beispiel ein Einweckglas. Danach kommen sie über Nacht ins Tiefkühlfach. Anschließend werden sie an das ZALF geschickt. Informationen zum Mückenatlas, wie man Mückenjäger wird und Wissenswertes über Stechmücken gibt es hier:

"Je mehr Tiere die Leute einschicken, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, unterschiedliche Arten zu finden."

Doreen Walter, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Eingeschleppte Mücken können Krankheiten übertragen

Weibliche Asiatische Tigermücke. Wie auch die Asiatische Buschmücke ist die Asiatische Tigermücke nach Deutschland eingewandert. Der Mückenatlas soll Aufschluss über ihre Verbreitung geben. | Bild: picture-alliance/dpa/James Gathany/CDC zum Artikel Asiatische Tigermücke und Asiatische Buschmücke Tropische Stechmücken erobern Deutschland

Tropische Mücken wie die Asiatische Tigermücke oder die Asiatische Buschmücke sind bei uns in Deutschland auf dem Vormarsch. Beide Mückenarten können gefährliche Krankheiten übertragen, wie das Denguefieber oder das Zika-Virus. [mehr]

Die zunehmende Globalisierung und vor allem der länderübergreifende Warentransport begünstigen, dass Stechmücken, die bisher nicht in Deutschland zu finden waren, eingeschleppt werden und sich hier ansiedeln. Einige von ihnen, wie die Asiatische Buschmücke und die Asiatische Tigermücke können gefährliche Krankheitserreger übertragen. Die Asiatische Tigermücke gilt als besonderes Risiko: "Weit mehr als zwanzig, vor allem aus den Tropen bekannte Krankheitserreger, kann diese Art nachweislich übertragen - darunter das Dengue-, Gelbfieber- und West-Nil-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus", erklärt Helge Kampen, Infektionsbiologe am Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.

"Wir wissen, dass wir es in naher Zukunft immer mehr mit über Insekten übertragenen Erkrankungen zu tun haben werden. Nicht gleich, aber in zehn, fünfzehn Jahren. Und da ist es wichtig, dass man weiß, welche Mückenarten vorkommen, um präventiv darauf einwirken zu können."

Professor Sven Klimpel, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut

Auch einheimische Mücken unter strenger Beobachtung

Aber nicht nur eingewanderte Mücken stellen eine Bedrohung dar: Manchmal sind es nur eingewanderte Krankheitserreger, die dann auch von den einheimischen Mücken verbreitet werden. Auch das untersuchen die am Mückenatlas beteiligten Forschungsinstitute.

So wurde in Deutschland bereits der Hundeherzwurm (Dirofilaria immitis) als neuer Parasit nachgewiesen, der normalerweise im Mittelmeerraum vorkommt. Mücken übertragen die Wurmlarven auf Hunde. Ausgewachsen kann der Wurm das Hundeherz schädigen. Für Menschen ist er in der Regel ungefährlich. Anders der Hundehautwurm (Dirofilaria repens), der beim Menschen Hirnhautentzündung auslösen kann. Seine Larven wurden bereits in mehreren heimischen Stechmückenarten entdeckt.

  • Stechmücken - Das geheime Leben der sirrenden Sauger: 06.09.2018, 15.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.
  • Tropische Mücken und der Mückenatlas. Abendschau - Der Süden, 14.08.2018 um 17:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Krankheitsüberträger Mücke - exotische Überträgermücken in Deutschland: 18.06.2017, 15:30 Uhr, Alles Wissen - Das Wissensmagazin, ARD-alpha 
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 09.03.2017, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Stadt Augsburg beteiligt sich am Mückenatlas: 29.07.2016, 12.05 Uhr, Mittags in Schwaben, Bayern 1.
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 19.04.2016, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Deutscher Mückenatlas: Immer mehr exotische Einwanderer: 07.08.2015, 19 Uhr, Unser Land, BR Fernsehen.
  • Ausbreitung Asiatische Buschmücke: 06.10.2014, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Mückenatlas: 02.07.2013, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Schnakenbekämpfung: 18.06.2013, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.
  • Mückenatlas - jede Mücke zählt: 06.09.2012, 10.05 Uhr, Notizbuch, Bayern 2.

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