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Asiatische Tigermücke Die gefährliche Wärmeliebhaberin erobert Deutschland

Mücken nerven - und können gefährlich sein: Vor zehn Jahren tauchte zum ersten Mal die Asiatische Tigermücke bei uns auf. Weil sie eine Vielzahl gefährlicher Viren übertragen kann, möchte man sie lieber wieder loswerden.

Stand: 27.06.2018

Weibliche Asiatische Tigermücke. Wie auch die Asiatische Buschmücke ist die Asiatische Tigermücke nach Deutschland eingewandert. Der Mückenatlas soll Aufschluss über ihre Verbreitung geben. | Bild: picture-alliance/dpa/James Gathany/CDC

Die ursprünglich aus Asien stammende Asiatische Tigermücke gilt als besonderes Risiko: In Südeuropa waren in den vergangenen Jahren Menschen mit dem Dengue- und dem Chikungunya-Virus infiziert worden. Übertragen wurden die Krankheitserreger von Asiatischen Tigermücken, die sich dort angesiedelt hatten. "Weit mehr als zwanzig, vor allem aus den Tropen bekannte Krankheitserreger, kann diese Art nachweislich übertragen - darunter das Dengue-, Westnil- und Gelbfieber-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus", erklärt Helge Kampen, Infektionsbiologe am Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.

Asiatische Tigermücke ist vor zehn Jahren in Deutschland angekommen

2007 ist die wärmeliebende Asiatische Tigermücke erstmals in Deutschland entdeckt worden - an einem Autobahn-Rastplatz bei Weil am Rhein. 2014 wurde eine kleinere Population in Freiburg entdeckt, 2015 eine größere in Heidelberg. Mittlerweile kommt die Art auch in Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern vor. Im September 2017 sind mehrere Exemplare der Asiatischen Tigermücke in Baden-Württemberg entdeckt worden: in Karlsruhe, in einem Industriegebiet in der Nähe des Bahnhofs. Die bislang in Deutschland gefundenen Mücken waren bislang nicht von Tropenviren befallen.

Nicht nur Waren werden transportiert, sondern auch Mücken

Mücken brüten gerne in Pfützen. Sind solche Pfützen in alten Autoreifen, reist die Asiatische Tigermücke damit um die Welt.

"Offenbar stammen die Mücken aus Italien und sind als blinde Passagiere mit dem Güterverkehr über die Schweiz beziehungsweise Österreich nach Deutschland gekommen", sagte Professor Egbert Tannich vom BNITM. Der Tigermücke nutzt auch der weltweite Handel mit Gebrauchtreifen: Per Schiff kommen Reifen aus Asien nach Europa, wo sie zerschreddert und für den Straßenbau genutzt werden. Zuvor waren die Reifen mit den kleinen Wasserpfützen darin allerdings ideale Brutstätten - so gehen Mücken und Mückeneier mit den Reifen auf die Reise.

Mücken überleben Frost und Trockenheit

Generell gelten die eingewanderten, ursprünglich aus den Tropen stammenden Arten, nicht als Frost resistent. Trotzdem überlebten einige Expemplare den strengen Winter 2017/18. So wurden in Jena, im Frühjahr 2018, wieder Asiatische Tigermücken entdeckt. Wenn der Sommer warm und feucht bleibt, wird das Schlüpfen weiterer Exemplare begünstigt. Selbst lange Trockenheit im Frühsommer macht den eher wärmeliebenden Tieren wenig aus. Denn für ihre Eiablage reicht ihnen nur wenig Wasser und das können sie in Regentonnen, Blumenuntersetzern oder Tümpeln immer wieder finden.

Die asiatische Tigermücke in Bildern

Mückenatlas soll zeigen, wo sich die Asiatische Tigermücke einnistet

Für den Mückenatlas Deutschland werden die Mücken bestimmt und kartiert | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Mückenatlas Deutschland Mücken fangen für die Wissenschaft

Zu uns gelangen exotische Mückenarten, die Krankheiten übertragen. Wissenschaftler wollen deshalb mit dem Mückenatlas herausfinden, wo welche Mücken leben. Jeder kann mitmachen. [mehr]

Weil Mücken von der Wissenschaft lange vernachlässigt wurden, wusste man nie genau, wo welche Arten in welcher Häufigkeit bei uns vorkommen. 2012 wurde deshalb der "Mückenatlas" ins Leben gerufen wurde. Initiatoren sind das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald. Besonders interessant für die Wissenschaftler sind natürlich die Mückenarten, die ursprünglich nicht bei uns heimisch waren, sondern erst seit einiger Zeit bei uns anzutreffen sind. Am Mückenatlas kann jeder mitarbeiten und seinen Mückenfang einschicken - aber bitte nicht zerquetscht!

Mitmachen, aber bitte nicht draufhauen!

Das Forscherteam des "Mückenatlas" benötigt weiterhin Mücken aus allen Teilen Deutschlands. Vor allem aus dünn besiedelten Regionen Deutschlands kommen wenige Einsendungen. Doch die Mücken einfach totschlagen ist nicht erlaubt: Zerquetscht nützen die Insekten der Wissenschaft nicht mehr. Die Stechmücken sollen unbeschädigt eingefangen und in ein passendes Gefäß, zum Beispiel ein Einweckglas, befördert werden. Danach kommen sie über Nacht ins Tiefkühlfach. Anschließend werden sie an das ZALF geschickt. Informationen zum Mückenatlas, wie man Mückenjäger wird und Wissenswertes über Stechmücken gibt es hier:

Asiatische Tigermücken bekämpfen

Konventionelle Methoden

Die Fachleute der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) und des Instituts für Dipterologie in Speyer, das Zweiflügler erforscht, setzen auf konventionelle Mittel wie das Austrocknen oder Abdecken von Brutstätten - wie Regentonnen, Vogeltränken oder Topfuntersetzern. Auch Fallen sollen helfen, die Zahl der Tiere zu reduzieren. Die Tigermücken-Experten nehmen außerdem das Bakterium BTI zuhilfe, das die Larven tötet und per Hubschrauber verteilt wird.

Moskitos sterilisieren

Ein sehr vielversprechender Ansatz im Kampf gegen die Asiatische Tigermücke ist es außerdem, die männlichen Tiere zu sterilisieren. Im italienischen Bologna werden hierfür einige aus Deutschland gebrachte Tigermücken vermehrt und die männlichen Tiere anschließend mithilfe von Gammastrahlen sterilisiert. Die unfruchtbaren Tigermücken werden wieder in ihren neu eroberten Lebensräumen in Deutschland ausgesetzt, paaren sich mit den dortigen Weibchen - Nachwuchs bleibt dann aber aus.

Moskitos impfen

Wissenschaftler erforschen außerdem, wie man Moskitos selbst gegen Dengue-Erreger resistent machen kann. Helfen könnte dabei das sogenannte Wolbachia-Bakterium. Sehr viele Insekten tragen es von Natur aus in sich, Tigermücken leider nicht - aber man kann sie damit infizieren, dann geben sie es sogar an künftige Generationen weiter. Solche Insekten sterben dann nicht nur früher als andere. "Bei einem Moskito mit Wolbachia können sich Dengue-Viren nicht entwickeln. Und wenn sich die Viren nicht entwickeln, können sie auch nicht übertragen werden", berichtet der australische Wissenschaftler Scott O'Neill, der sich schon seit vielen Jahren mit dem Wolbachia-Bakterium beschäftigt. Wissenschaftler prüfen derzeit auf der vietnamesischen Insel Tri Nguyen, wie sich die dort ausgesetzten Wolbachia-Mücken in freier Natur entwickeln.

"Wenn man alles ins Feld wirft, was wir an Möglichkeiten der Bekämpfung haben, dann haben wir gute Chancen. Aber es bleibt eine Daueraufgabe."

Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), Speyer

Auch die Asiatische Buschmücke breitet sich aus

Die Asiatische Buschmücke kann das West-Nil-Virus übertragen.

Die Mückenatlas-Einsendungen zeigen auch, dass sich die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) bei uns wohlfühlt und sich weiter ausbreitet. Zum ersten Mal wurde der Zweiflügler 2008 im südlichen Baden-Württemberg nachgewiesen. Mittlerweile wurde diese Mückenart auch in Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern gefangen. Die Asiatische Buschmücke kommt mit den klimatischen Verhältnissen in Mitteleuropa, auch mit dem kalten Winter, sehr gut zurecht. Dieses Insekt kann das West-Nil-Virus und andere Viren übertragen, die beim Menschen Enzephalitis (Gehirnentzündung) auslösen können.

"Wir wissen, dass wir es in naher Zukunft immer mehr mit über Insekten übertragenen Erkrankungen zu tun haben werden. Nicht gleich, aber in zehn, fünfzehn Jahren. Und da ist es wichtig, dass man weiß, welche Mückenarten vorkommen, um präventiv darauf einwirken zu können."

Professor Sven Klimpel, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut

  • Krankheitsüberträger Mücke - exotische Überträgermücken in Deutschland: 18.06.2017, 15:30 Uhr, Alles Wissen - Das Wissensmagazin, ARD-alpha 
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 09.03.2017, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Infektiologie - Klimawandel fördert Ausbreitung der Tigermücke: 18.06.2017, 16 Uhr, Rundschau, BR Fernsehen.
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 19.04.2016, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Deutscher Mückenatlas: Immer mehr exotische Einwanderer: 07.08.2015, 19 Uhr, Unser Land, BR Fernsehen.
  • Ausbreitung Asiatische Buschmücke: 06.10.2014, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.

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