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Asiatische Tigermücke und Asiatische Buschmücke Tropische Stechmücken erobern Deutschland

Tropische Mücken wie die Asiatische Tigermücke oder die Asiatische Buschmücke sind bei uns in Deutschland auf dem Vormarsch. Beide Mückenarten können gefährliche Krankheiten übertragen, wie das Denguefieber oder das Zika-Virus.

Stand: 06.03.2019

Weibliche Asiatische Tigermücke. Wie auch die Asiatische Buschmücke ist die Asiatische Tigermücke nach Deutschland eingewandert. Der Mückenatlas soll Aufschluss über ihre Verbreitung geben. | Bild: picture-alliance/dpa/James Gathany/CDC

Lange Zeit waren Tropenkrankheiten nur ein Risiko für Fernreisende, doch ihre Überträger machen an den Grenzen nicht halt: In Deutschland tauchen immer häufiger Stechmücken-Arten auf, die gefährliche Krankheitsüberträger sein können.

Invasive Stechmücken-Arten bringen Gefahr tropischer Krankheiten

In Südeuropa wurden in den vergangenen Jahren Menschen mit dem Dengue- und dem Chikungunya-Virus infiziert - übertragen von Asiatischen Tigermücken, die sich dort angesiedelt hatten. Die aus Asien stammende Tigermücke gilt als besonders gefährlich: "Weit mehr als zwanzig, vor allem aus den Tropen bekannte Krankheitserreger, kann diese Art nachweislich übertragen - darunter das Dengue-, West-Nil- und Gelbfieber-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus", erklärt Helge Kampen, Infektionsbiologe am Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.

Erstmals wurde im Herbst 2019 bekannt, dass sich zwei Menschen in Südfrankreich mit dem Zika-Virus angesteckt haben. Dieses Virus von der tropischen Tigermücke übertragen, die sich mittlerweile in ganz Südeuropa, aber auch in Teilen Deutschlands verbreitet hat. Es ist nicht klar, wie viele weitere Fälle der Erkrankung es gibt, die auch einen sehr milden Verlauf nehmen und damit unerkannt bleiben kann.

Heimische Mücken übertragen tropische Viren

Doch nicht nur das: Auch heimische Mücken können das West-Nil-Virus übertragen. Im Herbst 2019 wurden erstmals drei Fälle bekannt, bei denen sich Patienten innerhalb Deutschlands mit dem Virus infiziert haben. Experten des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin gehen davon aus, dass es noch Hunderte weitere Fälle gibt, die aber nicht festgestellt wurden: Nur ein Prozent der Erkrankten müssen bei West-Nil-Fieber im Krankenhaus behandelt werden, darum wird die Infektion leicht übersehen.

Steigende Temperaturen, steigende Gefahr

In Deutschland ist bislang kein einziger Krankheitsfall bekannt, der durch tropische Stechmücken übertragen wurde (Stand: Februar 2019). Doch das ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, meint die Diplom-Biologin und Mückenexpertin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg (Brandenburg).

"Es hat noch nicht geknallt, aber die Wahrscheinlichkeit steigt. Je wärmer es in Deutschland wird, umso besser sind die Bedingungen dafür, dass sich die Viren in den Mücken vervielfältigen."

Mückenexpertin Doreen Walther

Die meisten Viren tropischer Krankheiten brauchen lange, mehrere Wochen dauernde Phasen anhaltend hoher Lufttemperaturen (25 Grad und höher), um sich in den Stechmücken zu vermehren. Diese Bedingung ist bislang in Deutschland nicht gegeben, könnte sich aber durch den Klimawandel immer häufiger einstellen.

Asiatische Tigermücke schon 2007 in Deutschland angekommen

2007 ist die wärmeliebende Asiatische Tigermücke erstmals in Deutschland entdeckt worden - an einem Autobahn-Rastplatz bei Weil am Rhein. 2014 wurde eine kleinere Population in Freiburg entdeckt, 2015 eine größere in Heidelberg. Mittlerweile kommt die Art auch in Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern vor.

Nicht nur Waren werden transportiert, sondern auch Mücken

Mücken brüten gerne in Pfützen. Sind solche Pfützen in alten Autoreifen, reist die Asiatische Tigermücke damit um die Welt.

"Offenbar stammen die Mücken aus Italien und sind als blinde Passagiere mit dem Güterverkehr über die Schweiz beziehungsweise Österreich nach Deutschland gekommen", sagte Professor Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Der Tigermücke nutzt auch der weltweite Handel mit Gebrauchtreifen: Per Schiff kommen Reifen aus Asien nach Europa, wo sie zerschreddert und für den Straßenbau genutzt werden. Zuvor waren die Reifen mit den kleinen Wasserpfützen darin allerdings ideale Brutstätten - so gehen Mücken und Mückeneier mit den Reifen auf die Reise.

Mücken überleben Frost und Trockenheit

Eigentlich gelten die eingewanderten, ursprünglich aus den Tropen stammenden Arten nicht als Frost-resistent. Doch selbst den strengen Winter 2017/18 überlebten einige Exemplare. Auch Trockenheit macht den invasiven Arten offenbar nichts aus, das zeigte sich nach dem Dürre-Sommer 2018.

Setzt sich die ostasiatische Mücke Aedes koreicus in Deutschland fest?

Aedes koreicus wurde in Bayern und Hessen gefunden.

Neben diesen zwei Mückenarten scheint sich mittlerweile auch eine dritte Mückenart in Deutschland fest zu setzen. Schon 2015 wurde die ostasiatische Mücke Aedes koreicus in Bayern gefunden. Zwei Jahre später entdeckten sie Forscherinnen und Forscher der Senckenberg Gesellschaft auch in Hessen. Im Sommer 2018 wurden dort wieder Larven und Puppen nachgewiesen. "Es ist daher wahrscheinlich, dass in Hessen eine ganze Population überwintert hat und diese Mücke langsam anfängt, sich in Deutschland auszubreiten", sagt Prof. Sven Klimpel. Die Art hat sich mittlerweile in Belgien, Italien, der Schweiz und in Ungarn schon etabliert. Überraschend ist die weitere Ausbreitung laut den Forschern nicht, denn ihr Ausbreitungspotential und ihre klimatischen Vorlieben ähneln denen der Asiatischen Tigermücke und der Asiatischen Buschmücke.

Die Mücke kommt ursprünglich aus Korea, Japan, China und Teilen Russlands und ihre Eier können den kalten Winter in Deutschland überstehen. Sie kann für den Menschen gesundheitsgefährdend sein: "Aedes koreicus kann nachgewiesenermaßen das Virus der Japanischen Enzephalitis übertragen und Laborversuche haben belegt, dass die Mücken das Chikungunya-Virus verbreiten können. Darüber hinaus können die Mücken Menschen mit Fadenwürmern infizieren", so Dr. Antje Steinbrink von der Senckenberg Gesellschaft. Es bestehe noch die Hoffnung, die bislang kleine Population in Deutschland zurückzudrängen.

Mücken lieben es feuchtwarm

Mücken nutzen zur Eiablage ruhige Wasseroberflächen in der Natur, aber auch Regentonnen und andere mit Wasser gefüllte Behälter wie Blumenvasen. Wenn es regnet und die Temperaturen sommerlich sind, kann das eine regelrechte Mückenplage zur Folge haben: Bei guten Bedingungen benötigt eine neue Mückengeneration nur rund zwei Wochen bis zum Schlüpfen.

Invasive Mückenarten sind genügsam

Anders als unsere heimischen Mücken brauchen tropische Stechmücken nur wenig Wasser, um sich fortzupflanzen: Ihnen genügen für die Eiablage
kleine, flache Wasserstellen. Die heimische Stechmückenbrut wächst dagegen in tieferen Gewässern heran. Aber auch ihr macht ein trockener Sommer noch nichts aus: Die abgelegten Eier überdauern Jahre.

Die asiatische Tigermücke in Bildern

Asiatische Tigermücken bekämpfen

Konventionelle Methoden

Die Fachleute der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) und des Instituts für Dipterologie in Speyer, das Zweiflügler erforscht, setzen auf konventionelle Mittel wie das Austrocknen oder Abdecken von Brutstätten - wie Regentonnen, Vogeltränken oder Topfuntersetzern. Auch Fallen sollen helfen, die Zahl der Tiere zu reduzieren. Die Tigermücken-Experten nehmen außerdem das Bakterium BTI zuhilfe, das die Larven tötet und per Hubschrauber verteilt wird.

Moskitos sterilisieren

Ein sehr vielversprechender Ansatz im Kampf gegen die Asiatische Tigermücke ist es außerdem, die männlichen Tiere zu sterilisieren. Im italienischen Bologna werden hierfür einige aus Deutschland gebrachte Tigermücken vermehrt und die männlichen Tiere anschließend mithilfe von Gammastrahlen sterilisiert. Die unfruchtbaren Tigermücken werden wieder in ihren neu eroberten Lebensräumen in Deutschland ausgesetzt, paaren sich mit den dortigen Weibchen - Nachwuchs bleibt dann aber aus.

Moskitos impfen

Wissenschaftler erforschen außerdem, wie man Moskitos selbst gegen Dengue-Erreger resistent machen kann. Helfen könnte dabei das sogenannte Wolbachia-Bakterium. Sehr viele Insekten tragen es von Natur aus in sich, Tigermücken leider nicht - aber man kann sie damit infizieren, dann geben sie es sogar an künftige Generationen weiter. Solche Insekten sterben dann nicht nur früher als andere. "Bei einem Moskito mit Wolbachia können sich Dengue-Viren nicht entwickeln. Und wenn sich die Viren nicht entwickeln, können sie auch nicht übertragen werden", berichtet der australische Wissenschaftler Scott O'Neill, der sich schon seit vielen Jahren mit dem Wolbachia-Bakterium beschäftigt. Wissenschaftler prüfen derzeit auf der vietnamesischen Insel Tri Nguyen, wie sich die dort ausgesetzten Wolbachia-Mücken in freier Natur entwickeln.

"Wenn man alles ins Feld wirft, was wir an Möglichkeiten der Bekämpfung haben, dann haben wir gute Chancen. Aber es bleibt eine Daueraufgabe."

Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), Speyer

Auch die Asiatische Buschmücke breitet sich aus

Die Asiatische Buschmücke kann das West-Nil-Virus übertragen.

Die Mückenatlas-Einsendungen zeigen auch, dass sich auch die Japanische oder Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) bei uns wohlfühlt und weiter ausbreitet. Zum ersten Mal wurde der Zweiflügler 2008 im südlichen Baden-Württemberg nachgewiesen. Mittlerweile wurde diese Mückenart auch in Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern gefangen und erobert zunehmend auch die nördlichen Bundesländer. Die Asiatische Buschmücke kommt mit den klimatischen Verhältnissen in Mitteleuropa, auch mit dem kalten Winter, sehr gut zurecht. Dieses Insekt kann das West-Nil-Virus und andere Viren übertragen, die beim Menschen Enzephalitis (Gehirnentzündung) auslösen können.

"Wir wissen, dass wir es in naher Zukunft immer mehr mit über Insekten übertragenen Erkrankungen zu tun haben werden. Nicht gleich, aber in zehn, fünfzehn Jahren. Und da ist es wichtig, dass man weiß, welche Mückenarten vorkommen, um präventiv darauf einwirken zu können."

Professor Sven Klimpel, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut

Mückenatlas kartiert Asiatische Tigermücke & Co.

Seit 2012 gibt es den Mückenatlas vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald. Sie versuchen vor allem den invasiven Mückenarten auf die Spur zu kommen. Am Mückenatlas kann jeder mitarbeiten und seinen Mückenfang einschicken - aber bitte nicht zerquetscht!

Mitmachen beim Mückenatlas

Mitmachen, aber bitte nicht draufhauen!

Für den Mückenatlas suchen Forscher weiterhin Mücken aus allen Teilen Deutschlands. Vor allem aus dünn besiedelten Regionen Deutschlands kommen wenige Einsendungen. Doch die Mücken einfach totschlagen ist nicht erlaubt: Zerquetscht nützen die Insekten der Wissenschaft nicht mehr. Die Stechmücken sollen unbeschädigt eingefangen und in ein passendes Gefäß befördert werden, zum Beispiel ein Einweckglas. Danach kommen sie über Nacht ins Tiefkühlfach. Anschließend werden sie an das ZALF geschickt. Informationen zum Mückenatlas, wie man Mückenjäger wird und Wissenswertes über Stechmücken gibt es hier:

  • Neue Ostasiatische Mücke in Hessen aufgetaucht - Nachrichten, 06.03.2016, Bayern 2
  • Tropische Mücken. Abendschau - Der Süden, 14.08.2018 um 17:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Immer mehr tropische Mücken kommen nach Bayern. radioWelt, 01.08.2018 um 17:05 Uhr, Bayern 2
  • Krankheitsüberträger Mücke - exotische Überträgermücken in Deutschland: 18.06.2017, 15:30 Uhr, Alles Wissen - Das Wissensmagazin, ARD-alpha 
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 09.03.2017, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Infektiologie - Klimawandel fördert Ausbreitung der Tigermücke: 18.06.2017, 16 Uhr, Rundschau, BR Fernsehen.
  • Mückenalarm! Drohen Tropenkrankheiten? 19.04.2016, 15 und 22 Uhr, Planet Wissen, ARD-alpha.
  • Deutscher Mückenatlas: Immer mehr exotische Einwanderer: 07.08.2015, 19 Uhr, Unser Land, BR Fernsehen.
  • Ausbreitung Asiatische Buschmücke: 06.10.2014, 16.45 Uhr, nano, ARD-alpha.

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