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Bildrechte: Brian Menounos

Der Klinaklini-Gletscher ist der größte Gletscher Westkanadas, 500 Quadratkilometer groß. Auch er schmilzt immer schneller ab.

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    Gletscher: In den letzten 20 Jahren Gigatonnen Eis geschmolzen

    Weltweit schmelzen die Gletscher, und das immer schneller. Die Folge: Meeresspiegelanstieg und Trockenheit. Erstmals konnten nun mit hochaufgelösten Satellitenbildern Daten aller Gletscher der Welt erfasst werden und die sinkenden Gletscherhöhen.

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    Von
    • Yvonne Maier

    Die Gletscher weltweit schmelzen, seit Jahren schon zeigen das Studien aus verschiedenen Weltregionen: Die Alpen verlieren kontinuierlich an Eis, aber auch im Himalaya und in Südamerika werden die Gletscher stetig kleiner.

    Erstmals haben nun Forscherinnen und Forscher alle Gletscher weltweit mit derselben Methode ausgewertet. Das Ergebnis: Überall schmelzen die Eismassen - und das auch noch immer schneller.

    "In den letzten 20 Jahren haben wir jedes Jahr etwa 200 bis 300 Gigatonnen Eis verloren. Das ist schwierig vorstellbar, aber entspricht bis zu 300 Eiswürfeln mit je einem Kilometer Seitenlänge. Und wenn man das auf die Alpen übertragen würde, dann wären das etwa drei Mal das verbleibende Eis der Alpen. Also dreimal die ganzen Alpengletscher jedes Jahr." Prof. Matthias Huss, Glaziologe, ETH Zürich

    Aufwändige Gletscheranalyse

    Für die Nature-Studie haben die Forscherinnen und Forscher Bilder des ASTER-Satelliten der NASA verwendet. Der Satellit hat zwei Kameras an Bord und kann - ähnlich wie unser menschliches Auge - ein dreidimensionales Bild der Erdoberfläche darstellen. So kann man aus den Bildern Höhenunterschiede errechnen, so Matthias Huss, ein Mitautor der Studie.

    "Es ist unglaublich rechenintensiv: Da hat ein Supercomputer über ein halbes Jahr hinweg rund um die Uhr gerechnet, um diese Resultate zu erstellen und auszuwerten. Das wäre vor zehn Jahren noch nicht möglich gewesen." Prof. Matthias Huss, Glaziologe, ETH Zürich

    Bei der weltweiten Gletscherschmelze werden zwei Gletscherarten unterschieden. Einerseits gibt es die Eisschilde der Antarktis und Grönlands. Sie verhalten sich in der Klimakrise anders als Gletscher in Bergregionen. Die Eisschilde schmelzen langsamer ab, weil ihre Masse sehr viel größer ist. Für die neue Studie wurde nur das Schmelzen der restlichen Gletscher berechnet.

    "Und diese Gletscher sind eigentlich im Vergleich zu diesen Eisschilden relativ klein. Das heißt, wenn sie komplett Aufschmelzen würden, hätten wir etwa 40 Zentimeter Meeresspiegelanstieg. Wenn die Antarktis ganz abschmelzen würde, hätten wir über 60 Meter Meeresspiegelanstieg. Aber diese kleinen Gletscher, die reagieren vergleichsweise schnell auf eine Klimaveränderung, und deshalb tragen sie heute relativ stark bei. Das heißt also in den vergangenen 20 Jahren konnten rund ein Viertel des beobachteten Meeresspiegelanstiegs auf das Abschmelzen der Gletscher zurückgeführt werden." Prof. Matthias Huss, Glaziologe, ETH Zürich

    Gletscher sind nicht überall gleich

    Nicht überall auf der Welt schmelzen die Gletscher aber gleich schnell ab, in manchen wachsen sie sogar, "Anomalien" nennt man das. So blieben die Gletscher in der Karakoram-Region im Himalaya längere Zeit relativ stabil.

    "Aber diese Anomalie, die ändert das globale Bild in keiner Art und Weise, lokal kann es sein, dass es mal ein bisschen weniger schnell geht. Dafür geht es in anderen Orten dann schneller und in diesem globalen Bild, das wir haben. Aufgrund der konsistenten Methodik sieht man eben sehr schön, dass die Beschleunigung global gesehen da ist und eben sehr deutlich ist. Also jedes Jahr geht noch mehr Eis verloren als im Vorjahr." Prof. Matthias Huss, Glaziologe, ETH Zürich

    Die neuen Daten aus den Satellitenbildern zeigen auch, dass die Anomalien nicht dauerhaft sind. In der Karakoram-Region schmilzt das Eis mittlerweile wieder schneller ab.

    Wassermangel und Hochwasser durch Gletscherschmelze

    Die Gletscherschmelze ist ein Problem für die Menschen in der Region, denn Gletscher sind große Süßwasserspeicher. Wenn sie erstmal abgeschmolzen sind, fehlt im Tal dann im Sommer das Wasser. Bis zu eine Milliarde Menschen könnte die Wasserknappheit in den nächsten drei Jahrzehnten weltweit betreffen. Vom erhöhten Meeresspiegel können wiederum bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu 200 Millionen Menschen in Küstenregionen betroffen sein.

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