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Immer mehr Menschen in Deutschland bekommen einen Termin für ihre Corona-Impfung. Da häufen sich die Fragen - wir klären die wichtigsten.

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    FAQ: Was Sie vor und nach der Corona-Impfung beachten sollten

    Die Impfkampagne gegen SARS-CoV-2 in Deutschland nimmt Fahrt auf, die Hausärzte bekommen immer mehr Impfstoff geliefert und damit häufen sich auch die Fragen zur Impfung gegen das Coronavirus. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten.

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    Von
    • Katrin Klaus

    Mittlerweile wurden schon weit mehr als 39.400.000 Impfdosen in Deutschland verimpft, die meisten für die Erstimpfung. Einen vollständigen Schutz haben inzwischen knapp elf Prozent der Deutschen (Stand: 14. Mai 2021). Neben den Impfzentren impfen seit dem 7. April auch flächendeckend die Hausärzte. Seit der zweiten Mai-Woche kann jeder Arzt bis zu 36 Dosen Covid-19-Impfstoff von Biontech bestellen. Für die Bestellung des Impfstoffes von Astrazeneca gebe es derzeit keine Obergrenze, so die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

    Dadurch bekommen immer mehr Menschen ihren Termin für die Erstimpfung und damit treten auch immer mehr Fragen zur Impfung auf. Gelten die gleichen Regeln wie bei einer "normalen" Impfung? Wie wirken sich bestimmte Situationen wie Medikamente oder Alkohol auf die Impfung aus? Wir klären die wichtigsten Fragen.

    Generelle Infos zur Impfung gegen das Coronavirus

    Generell gilt, so schreibt das Robert Koch-Institut, dass bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 der Gesundheitszustand der zu impfenden Person eine Impfung erlauben muss. Grundsätzlich unterscheidet sich das nicht von anderen "herkömmlichen" Impfungen. Bei bekannten Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffs wird nicht geimpft. Die können im Vorfeld mit dem Arzt oder der Ärztin abgeklärt werden.

    Bislang dürfen auch Kinder und Jugendliche unter 16 beziehungsweise 18 Jahren (je nach Impfstoff) noch nicht geimpft werden. Auch bei schwangeren oder stillenden Frauen wird eine Impfung derzeit nicht empfohlen, da bislang keine ausreichenden Daten dazu vorliegen.

    Grafik: Der Impffortschritt in Bayern und Deutschland in Prozent

    Wer bereits eine SARS-CoV-2-Infektion hinter sich und keine Immunschwäche hat, kann sich derzeit frühestens sechs Monate nach Genesung impfen lassen. Dafür ist laut STIKO momentan nur eine Impfdosis vorgesehen.

    Was muss ich vor der Impfung beachten?

    Wichtig ist vor allem, dass man dem impfenden Arzt vorher mitteilt, wenn einem in der Vergangenheit bei anderen Impfungen Unregelmäßigkeiten aufgefallen sind. Beispielsweise, wenn man bei einer Spritze mal ohnmächtig wurde oder zu Sofortallergien neigt.

    Das RKI empfiehlt außerdem einen Abstand von 14 Tagen zu anderen Impfungen. Internistin Beate Sauter aus München fügt im BR-Interview noch hinzu, dass man auch mit einer weiteren, anderen Impfung 14 Tage warten sollte.

    Darf ich mich mit Erkältung impfen lassen?

    Wie bei anderen Impfungen auch - wie beispielsweise der Grippeschutzimpfung - sollte laut Hausarzt und Vorsitzendem des Bremer Hausarztverbandes Hans-Michael Mühlenfeld nicht in eine akute, fieberhafte Infektion, einen grippalen Infekt, hineingeimpft werden. Daher misst er vor jeder Impfung Fieber. Bei leicht erhöhter Temperatur rät er von einer Impfung ab. Denn bei einem fieberhaften Infekt kämpft der Körper bereits mit einer Infektion, das Immunsystem ist bereits aktiviert. Das kann sich negativ auf die Wirksamkeit des Impfstoffs auswirken. Denn der Körper soll sich bei einer Impfung voll und ganz auf den Impfstoff konzentrieren und dagegen Antikörper bilden.

    Das RKI sieht in einer Erkältung oder einer leicht erhöhten Temperatur keinen Grund, nicht zu impfen. Nur bei über 38,5 Grad Celsius Fieber sollte der Impftermin verschoben und erst nach Genesung geimpft werden.

    Kann ich vor der Impfung Schmerzmittel oder Medikamente nehmen?

    Hier und da kann man lesen, dass schmerzlindernde oder fiebersenkende Medikamente prophylaktisch, also vorbeugend, vor der Impfung eingenommen werden könnten. Eine Empfehlung dafür gibt es nach Meinung von Experten nach Studien mit anderen Impfstoffen nicht. Allerdings gibt es auch keinen Hinweis, dass diese Medikamente die Wirksamkeit der Impfung beeinträchtigen könnten, denn der Wirkmechanismus ist ein ganz anderer.

    Mühlenfeld erklärt im Gespräch mit dem BR, dass eine vorbeugende Einnahme von Medikamenten jedenfalls nicht eventuell auftretende Nebenwirkungen nach der Impfung verhindern kann und damit auch keinen Nutzen hat. Auch Sauter würde solche Medikamente nur empfehlen, wenn Beschwerden wie Fieber oder starke Muskelbeschwerden nach der Impfung auftreten, aber nicht prophylaktisch.

    Kann ich nach der Impfung Schmerzmittel oder Medikamente nehmen?

    Die Frage, ob Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen Einfluss auf die Wirksamkeit der Corona-Schutzimpfung haben, kann das RKI derzeit nicht voll beurteilen, da hierfür nicht genug Daten aus den Zulassungsstudien vorliegen. Das verhält sich ähnlich mit der Aussage, dass sechs bis acht Stunden nach der Impfung keine fiebersenkenden Mittel eingenommen werden dürfen. Auch hierzu gibt es keine Empfehlung, da die entsprechenden Daten fehlen.

    Das RKI schreibt aber auch, dass Menschen mit hoher Empfindlichkeit leichte Schmerzmittel nach der Impfung bekommen können, um die Impfreaktionen zu lindern, da die Covid-19-Impfstoffe teilweise stärkere Nebenwirkungen aufweisen können als bisherige Impfstoffe.

    Das bestätigt auch Mühlenfeld. In seiner Praxis in Bremen fiel vor allem auf, dass beim Impfstoff von Astrazeneca nach der ersten und bei Moderna und Biontech nach der zweiten Impfung die Immunreaktionen deutlicher ausfallen als bei anderen Impfungen wie beispielsweise der Grippeschutzimpfung. Das kann sich dann wie eine Erkältung anfühlen - mit Glieder- und Kopfschmerzen oder Müdigkeit. Dann kann man als symptomatische Therapie auf die üblichen Mittel zurückgreifen - je nachdem, wie man sonst bei einer Erkältung reagieren würde. Die Wirksamkeit der Impfung wird dadurch nicht beeinträchtigt.

    Kann ich mein Immunsystem boosten, um noch besser auf die Impfung zu reagieren?

    "Das ist gar nicht notwendig. Durch eine Impfung arbeitet das Immunsystem sowieso auf Hochtouren und muss nichts weiter bekommen, um noch weiter stimuliert zu werden." Internistin Beate Sauter, München

    Ebenso plädiert Sauter dafür, keine sonstigen Immunstimulanzien einzunehmen, da sie keine Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Impfung haben. Um das Immunsystem zu pushen, sei dann doch eher die Bewegung an der frischen Luft empfohlen.

    Stärkere Immunreaktion bei Jüngeren

    Gerade jetzt, wo auch die Jüngeren langsam geimpft werden, fällt Mühlenfeld auf, dass die Immunreaktion, die etwa acht bis 24 Stunden nach der Impfung auftritt, bei dieser Gruppe zunimmt. Bei den Senioren fielen die Nebenwirkungen geringer aus. Die Stärke der Reaktion gibt aber keinen Aufschluss über den Impferfolg und vergeht von selbst wieder. Spätestens nach drei Tagen sollten keine Reaktionen mehr auftreten.

    Der "Covid-Arm" nach der Impfung

    Normalerweise merkt man die Einstichstelle einer Impfung ein paar Stunden lang nach der Verabreichung, dann lässt das nach. Mühlenfeld berichtet, dass es bei einigen Patienten erst sechs bis acht Tage nach der Impfung zu einer Rötung um die Einstichstelle kommt.

    Das ist nicht weiter schlimm und vergeht, ist für ihn, der bislang hauptsächlich mit Biontech geimpft hat, aber auch ein neues Phänomen: "In dem Moment, wo man das weiß, kann man auch besser damit umgehen."

    Grafik: Die Covid-19-Impfstoffe: Altersempfehlung, Impfabstand, voller Schutz

    © BR24
    Bildrechte: BR24

    Die Covid-19-Impfstoffe, ihre Wirksamkeit, die Altersempfehlung und der Impfabstand

    Was muss ich nach der Impfung beachten?

    Gerade bei den Hausärzten müssen die Impfungen ganz genau geplant werden - um die Abläufe einzuhalten, damit nicht zu viele Patienten gleichzeitig da sind, um genügend Abstand zu wahren und damit gelüftet werden kann. Denn auch hier bleiben die Geimpften 15 Minuten lang zur Beobachtung in der Praxis.

    Ohne die motivierten und fleißigen Mitarbeiter wäre das nach Sauters Meinung gar nicht möglich.

    Darf ich nach der Impfung Sport machen?

    "Grundsätzlich ist es ja so, dass, wenn ich eine Impfung habe und möchte, dass mein Körper da vernünftig drauf reagiert, dann würde ich besondere Belastungen für den Körper vermeiden." Hausarzt Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender Bremer Hausärzteverband

    Mühlenfeld rät daher von Sport und körperlich anstrengenden Aktivitäten nach der Impfung ab. Man solle dem Körper die Zeit und die Ruhe geben, damit er mit dieser Impfung bestmöglich arbeiten kann. Ein bis zwei Tage nach der Impfung sollten dafür ausreichend sein.

    Das Deutsche Grüne Kreuz schreibt, dass es keine ausreichenden Studien zu dieser Thematik gibt, man sich hier aber am gesunden Menschenverstand orientieren kann. Das Immunsystem arbeitet bereits, extreme sportliche Leistungen sind daher eine zusätzliche Belastung für den Körper. Es spricht nichts dagegen, sich zu bewegen, aber eben alles in Maßen. Sportmedizinische Untersuchungen legen nahe, dass eine mäßige sportliche Belastung keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Impfung hat.

    "Wenn man sich wohlfühlt, kann man sich auch weiter belasten. Ich würde empfehlen, dass man am Tag der Impfung nicht unbedingt Leistungssport betreibt. An den Tagen darauf macht man es davon abhängig, wie man sich fühlt. Wenn mir der Arm weh tut, muss ich nicht unbedingt Tennis spielen. Und wenn ich mich schlapp fühle, sollte ich vielleicht nicht unbedingt joggen gehen. Da muss man einfach in seinen Körper hineinhorchen." Internistin Beate Sauter, München

    Beeinflusst Alkohol die Wirkung der Impfung und sollte ich danach auf Alkohol verzichten?

    Internistin Sauter glaubt das nicht. Es wird natürlich immer wieder davon abgeraten, Alkohol in hohen Dosen zu konsumieren und natürlich sollte auch keiner betrunken zum Impftermin erscheinen. In moderaten Dosen sollte er sich aber nicht negativ auf die Wirksamkeit der Corona-Schutzimpfung auswirken.

    Nach der Impfung verhält es sich ähnlich wie beim Sport. Alkoholische Exzesse sollten laut Mühlenfeld vermieden werden. Die sind aber so oder so nicht gut für die Gesundheit. Wenn viel Alkohol getrunken wird, ist der Körper damit beschäftigt, ihn abzubauen, benötigt dafür Energie und konzentriert sich darauf - während er doch eigentlich besser Antikörper nach der Impfung bilden sollte. Es gibt aber dem Deutschen Grünen Kreuz zufolge keine Hinweise, dass man nach einer Impfung komplett auf Alkohol verzichten muss. Alles in Maßen.

    Empfehlungen ähnlich wie bei anderen Impfstoffen

    Da die Corona-Impfungen noch relativ neu sind, können Empfehlungen auch angepasst werden. Die meisten Kriterien sind sehr ähnlich wie bei anderen Impfungen auch. Momentan bekommen die Hausärzte von Woche zu Woche mehr Impfstoff, eine Planungssicherheit haben sie dadurch nicht. Gerade, weil sich ständig etwas ändert. Wie beispielsweise, wenn der Astrazeneca-Impfstoff in Bayern plötzlich für alle Bevölkerungsgruppen freigegeben ist - und für unter 60-Jährige nur in Hausarztpraxen verimpft wird.

    "Ohne, dass man so ein extrem motiviertes Praxispersonal hat, ginge das alles überhaupt nicht. Die haben einen ganz entscheidenden Anteil, dass das mit den Impfungen funktioniert. Wir sind immer froh, wenn wir impfen können, denn dann können wir uns daran beteiligen, die Pandemie in ihre Schranken zu weisen. Dann hat man am Ende des Tages das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben." Internistin Beate Sauter, München

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