BR24 Logo
BR24 Logo
Wissen

Brustkrebs beim Mann: Selten, aber gefährlich | BR24

© BR/IQ

Nur ganz wenige Männer bekommen Brustkrebs. Aber wenn es sie trifft, dann sehr ernsthaft: Ihre Sterblichkeit fünf Jahre nach Ausbruch der Krankheit ist um 19 Prozent höher als bei den erkrankten Frauen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Brustkrebs beim Mann: Selten, aber gefährlich

Nur ganz wenige Männer bekommen Brustkrebs. Aber wenn es sie trifft, dann sehr ernsthaft: Ihre Sterblichkeit fünf Jahre nach Ausbruch der Krankheit ist um 19 Prozent höher als bei den erkrankten Frauen.

Per Mail sharen
Teilen

Wissenschaftler der Vanderbilt Universität in Nashwille haben am 10. November 2019 in der Fachzeitschrift JAMA Oncology das Ergebnis ihrer Kohortenstudie zum Brustkrebs veröffentlicht. Demnach sind die wenigen Männer, die eine Brustkrebs-Diagnose bekommen, stärker gefährdet daran zu versterben als betroffene Frauen.

Männer erkranken extrem selten an Brustkrebs

Wenn Frauen an Krebs sterben, dann meist wegen Brustkrebs. Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Es gibt jährlich über 70.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Bei den Männern sind es unter 700 pro Jahr. Das sind vergleichsweise wenige - unter einem Prozent.

Der Brustkrebs beim Mann ist vermutlich aggressiver als bei der Frau

Die US-Forscher haben enorme Datenmengen durchgesehen: Von 1,8 Millionen Brustkrebs-Patientinnen und von 16.000 männlichen Betroffenen. Dabei wurden keine Männer in die Studie mit einbezogen, bei denen der Brustkrebs zu spät erkannt wurde. Aber auch ohne sie führt die Diagnose Brustkrebs bei Männern häufiger zum Tod als bei Frauen. Für die Forscher lässt das nur den Schluss zu, dass sich die Tumore zwar ähneln, aber vermutlich unterschiedlich aggressiv sind.

"Der männliche Krebs hat offenbar eine andere Biologie als der weibliche. Sein Risiko ist anders verteilt als bei den weiblichen Patienten." Xiao-Ou Shu, Ärztin am Medical Center der Vanderbilt Universität in den USA

Unterschiedliche Tumore in der Brust werden weiter erforscht

Die Einschätzung der US-Wissenschaftler wird von deutschen Forschern geteilt. Am Brustzentrum der LMU München gehen die Mediziner davon aus, dass der Krebs je nach Geschlecht Besonderheiten aufweist, die aber noch nicht genau bekannt sind.

"Die amerikanische Studie zeigt die genauen Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht auf. Sie macht aber klar, dass es biologische Unterschiede geben muss. Darauf lässt sich jetzt weitere Forschung aufbauen, etwa zum Hormonsystem und seiner Rolle bei Brustkrebs, was wir auch beim Mann genau unter die Lupe nehmen wollen." Rachel Würstlein, Oberärztin am Brustzentrum der LMU München

Brustkrebs entwickelt sich an den Milchgängen

Auch Männer haben Brustdrüsen und sie besitzen zumindest Anlagen für Milchgänge. An diesen Milchgängen entwickelt sich Brustkrebs bei beiden Geschlechtern.

Östrogen befeuert das Brustkrebs-Wachstum

Damit der Krebs wachsen kann, braucht er das Sexualhormon Östrogen. Das ist auch im männlichen Körper vorhanden, wenn auch in geringerer Menge. Allerdings haben übergewichtige Männer vergleichsweise viel Östrogen und sind deshalb auch besonders gefährdet, Brustkrebs zu entwickeln.

Transgender sind besonders von Brustkrebs betroffen

Ein höheres Risiko haben Männer, die Hormone nehmen, um zur Frau zu werden und Brüste entwickeln. Aber auch umgekehrt kann es Probleme geben. Denn Frauen, die zu Männern werden, gehen nicht mehr zu Vorsorgeuntersuchungen.

"Sie fallen natürlich nicht mehr unter das Mammographie-Screening, sollten aber umso aufmerksamer sein bei der Veränderung der Brustwand, auch in Richtung der Achseln dieses Gewebebereichs, aber darüber werden sie sehr breit informiert heute." Rachel Würstlein, Oberärztin am Brustzentrum der LMU München

Es gibt Warnsignale bei Brustkrebs

Experten empfehlen generell bei Knoten oder Entzündungen im Brustbereich, die nicht abheilen oder verhärten, einen Arzt aufzusuchen. Auch wenn Flüssigkeit aus den Brustwarzen austritt, kann das ein Warnsignal sein. Auch wer vergrößerte oder verhärtete Lymphknoten in der Achselhöhle hat, könnte von Brustkrebs betroffen sein.

Männer können sich an Brustzentren wenden

Männer gehen üblicherweise nicht zum Gynäkologen. Sie können sich aber an Brustzentren wenden. Diese haben in der Regel auch mit Männern Erfahrung und begleiten sie medizinisch und psychologisch. Denn es fällt Männern oft schwer, sich mit einer typischen Frauenkrankheit zu outen.

Behandlung bei Brustkrebs für Männer und Frauen ähnlich

Die Behandlung läuft bei allen Patienten ganz ähnlich ab: Ärzte entnehmen für die Diagnose Gewebe. In vielen Fällen operieren sie die betroffenen Stellen heraus und bestrahlen dann die Patienten. Oder es wird eine Chemotherapie durchgeführt.

Anti-Hormon-Therapie für Männer oft sehr belastend

Bei der Brustkrebs-Nachsorge wird der Hormonspiegel der Patienten herabgesetzt, damit Krebszellen keinen Nährboden mehr haben. Diese sogenannte Anti-Hormon-Therapie führt bei Männern meist zu Erektionsstörungen. Manche beschließen deshalb, weniger Tabletten als vorgesehen einzunehmen oder die Nachsorge ganz abzubrechen. Auch das erhöht das Risiko, an dieser für Männer extrem seltenen Krebsart zu versterben.