Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Diagnose Brustkrebs Brustoperation

Die moderne Medizin kann bei mehr als zwei Dritteln der Frauen die Brust erhalten. Das heißt: Bei der Operationen wird nur der Tumor, nicht aber die Brust entfernt. Selbst bei großen Tumoren kann dies versucht werden, unter Umständen erst nach einer Vorbehandlung durch eine neoadjuvante Chemotherapie, die den Tumor verkleinert.

Stand: 02.11.2017

Eine Brustoperation kann bei Brustkrebs notwendig sein, dabei muss aber nicht zwangsläufig die Brust entfernt werden - im Bild: Tumor auf Mammographie-Bild | Bild: picture-alliance/dpa

Wie häufig ist eine Brustoperation?

Im Regelfall wird der Tumor immer aus der Brust entfernt, sofern keine Fernmetastasen vorliegen. Nur bei Patientinnen, bei denen aus anderen Gründen, wie z.B. schweren Begleiterkrankungen, keine Operation durchgeführt werden kann, würde man eine rein medikamentöse Therapie einleiten. In mehr als 95 Prozent aller Fälle wird operiert.

Kein Aufwachen nach der OP ohne Brust!

Prof. Harbeck betont, dass es heute nicht mehr so ist, dass man aufwacht und plötzlich ist die Brust entfernt worden, ohne dass dies vorher mit der Patientin genau besprochen wird.

"Diese Angstvision gehört der Vergangenheit an. Wir sichern die Diagnose durch eine Stanze in den Tumor, die wir vorher ambulant durchführen. Der Pathologe sagt uns dann genau, was für ein Tumor vorliegt. Und durch die Bildgebung - Ultraschall und Mammographie (und ggf. Kernspintomographie) - wissen wir um die Ausdehnung des Tumors. Sollte sich dann doch eine Überraschung ergeben während der Operation, hört man lieber auf und bespricht mit der Patientin noch einmal neu, wie operiert werden soll."

Prof. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der LMU München

Was geschieht bei einem großen Tumor?

Selbst bei großen Tumoren wird versucht, die Brust zu erhalten. Hier gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, eine Chemotherapie zeitlich vorzuziehen und dadurch den Tumor zu verkleinern. In den wenigen Fällen, in denen man wirklich die Brust entfernen muss, weil der Tumor so ausgedehnt ist, kann man heute mit einem Wiederaufbau bei der ersten Operation oder zu einem späteren Zeitpunkt sehr, sehr gute kosmetische Ergebnisse erzielen.

Entfernung der Achsellymphknoten

Die Entfernung der Achsellymphknoten ist nach wie vor der Standard. Wenn die Lymphknoten klinisch nicht befallen scheinen, kann heute die sogenannte Wächter-Lymphknoten-Technik angewendet werden. Hierbei wird nur noch der Lymphknoten entfernt, der die Brust entsorgt; dies können manchmal auch mehrere Lymphknoten sein. Wenn diese nicht von Tumorzellen befallen sind, verzichtet man heute auf die Entfernung weiterer Lymphknoten. Auch bei einem oder zwei befallenen Wächterlymphknoten kann man heute in Einzelfällen auf eine weitere Operation verzichten - vorausgesetzt ist jedoch, dass nach der brusterhaltenden Operation eine Nachbestrahlung und eine vorbeugende medikamentöse Therapie erfolgen.


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