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Brustkrebs bei Männern? Brustkrebs bei Männern: Selten und gefährlich

Brustkrebs ist mit bis zu 70.000 neuen Fällen im Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Dass auch Männer diesen Krebs bekommen können, wissen viele gar nicht. Das macht Brustkrebs beim Mann auch so gefährlich, weil er oft erst spät erkannt wird.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 29.04.2019

Die Symptome für Brustkrebs sind bei Frauen und Männer ähnlich: So gibt es unter anderem Verhärtungen oder Knoten in der Brust, Blut oder Sekret laufen aus der Brustwarze, die Haut oder die Brustwarze sinken ein, Schmerzen beim Armheben, Schwellungen im Achselbereich. Doch vielen Männern ist nicht bewusst, dass auch sie Brustkrebs bekommen können – bis zu 700 Neuerkrankungen werden laut Deutscher Krebsgesellschaft jährlich diagnostiziert.

Brustkrebs beim Mann: Oft erst späte Diagnose

Brustkrebs bei Männern ist selten, aber gefährlich. Denn oft wird er erst spät entdeckt.

Viele Männer gehen aus Unwissenheit erst spät zum Arzt. Dementsprechend können Tumore sich schon weit entwickeln, streuen und sehr gefährlich werden. Auch Robert Müsel aus München ist erst spät zum Arzt gegangen. Bei dem heute 55-Jährigen wurde vor sechs Jahren ein aggressives, zwei Zentimeter großes Karzinom in der rechten Brust entdeckt – nach Mammografie und Biopsie. Der Münchner hatte großes Glück, dass der bösartige Tumor bis auf einen Lymphknoten in der Achselhöhle noch nicht im ganzen Körper gestreut hatte.

"Ich kam mir vor wie in einem schlechten Film. Ich als Mann habe Brustkrebs, das war ein totaler Schock für mich. Und vor allem: Wie erkläre ich das meiner Frau, den Kindern?"

Robert Müsel, Patient

Auch Männer haben eine Brustdrüse

Prof. Marion Kiechle leitet das Brustzentrum der Frauenklinik im Klinikum rechts der Isar München. Sie hat damals den Tumor aus Robert Müsels rechter Brust und mehrere Lymphknoten entfernt.

"Männer können an Brustkrebs erkranken, weil sie eben auch eine Brustdrüse haben. Diese ist zwar unterentwickelt, aber sie ist da."

Prof. Dr. med. Marion Kiechle, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde, Technische Universität München

Brustkrebs beim Mann: Was sind die Ursachen?

Es gebe einen hormonellen Einfluss auf diese Brustdrüse. Das sei einer der Hauptgründe, warum es in diesem Gewebe zu einer Entartung von Brustzellen zu Brustkrebs kommt. Hinzu kommt, dass bei Männern die genetische Belastung eine größere Rolle als bei Frauen spielt.

Brustkrebs beim Mann: gleiche Therapie wie bei Frauen

Viele wissen nicht, dass auch Männern an Brustkrebs erkranken können.

Nach der Operation muss Robert Müsel wegen des aggressiven Tumortyps monatelang eine kräftezehrende Chemotherapie machen. Er muss mit den Nebenwirkungen kämpfen: Ihm fallen Nägel und Haare aus, er verliert seinen Geschmackssinn, ist anfällig für Infekte. Doch die Therapie schlägt gut an. Anschließend muss der Münchner Hormontabletten schlucken – ganze fünf Jahre lang. Die Tabletten können Nebenwirkungen wie etwa Depressionen, Gewichtszunahme oder Impotenz haben. Deswegen brechen einige Männer die Tabletten-Therapie ab. Robert Müsel ist heute wieder gesund, geht aber mindestens einmal jährlich zur Nachsorgeuntersuchung. Außerdem tastet er regelmäßig seine Brust ab, um eventuelle Auffälligkeiten wie Verhärtungen gleich zu entdecken.

Keine Früherkennungsuntersuchung für Männer

Für Männer gibt es keine Brustkrebs-Vorsorge.

Dr. Rachel Würstlein ist Oberärztin am Brustzentrum der Ludwig-Maximilians- Universität (LMU) München. Sie befasst sich intensiv mit Brustkrebs bei Männern und deren Behandlungssituation in Deutschland und appelliert an ihre Kollegen.

"Männern haben bei Behandlungsbeginn oft größere Tumore als Frauen. Das liegt daran, dass es keine Früherkennungs- oder Vorsorgeuntersuchungen für Männer gibt. Die Aufmerksamkeit ist eine andere als bei Frauen, deswegen dauert es lange, bis ein Mann sich einem Arzt vorstellt und die richtigen Weichenstellungen in Richtung Brustzentrum gemacht werden. Alle Ärzte sollten ihr Augenmerk auch auf die männliche Brust lenken und so eine frühe Diagnosestellung ermöglichen. Das vergrößert die Chance der Männer, um früher und optimal behandelt zu werden."

Dr. med. Rachel Würstlein, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München

N-MALE Studie: Manche Männer leiden unter „Frauen“-Krankheit

Brustkrebs beim Mann: Eine Chemotherapie ist auch bei Männern oft Teil der Therapie.

Die LMU hat sich an der bundesweiten Studie „N-MALE“ beteiligt. Diese Studie wollte herausfinden, wie die Situation für männliche Brustkrebspatienten in Deutschland ist. Das Ergebnis ist, dass männliche Brustkrebspatienten die auf Frauen ausgerichtete Behandlung teilweise als stigmatisierend empfinden. So werden sie zum Beispiel in Formularen weiblich angeredet oder in Praxen versehentlich als Frauen angesprochen. Denn Brustkrebs wird zu oft noch als reine Frauenkrankheit betrachtet – und manche Männer schämen sich dafür, ausgerechnet Brustkrebs zu bekommen.

"Ich glaube, dass immer eine seltene Tumorerkrankung schwerer nach außen erklärt werden kann als eine häufige Erkrankung."

Dr. med. Rachel Würstlein, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München

Da mittlerweile Brustkrebs bei Männern auch in den Medien öfter thematisiert werde, würde das Thema aber mittlerweile immer mehr Verbreitung finden und in das Bewusstsein der Menschen dringen – und es damit den erkrankten Männern leichter machen.


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