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Im Prozess gegen einen Mann, der seine beiden Kinder getötet hat, sagte nun die Mutter der Kinder vor dem Landgericht Regensburg aus. Weil sie unter starken psychischen Problemen leidet, wurde die 31-Jährige nur per Videoanruf zugeschaltet.

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Prozess um getötete Kinder: Mutter berichtet von Schlägen

Im Prozess um die getöteten Kinder aus Schwarzach hat die Mutter vor dem Landgericht Regensburg von Schlägen in der Paarbeziehung berichtet. In der Darstellung des Geschehens kurz vor der Tat widersprechen der Angeklagte und sie sich jedoch deutlich.

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Von
  • Zara Kroiß
  • BR24 Redaktion

Im Prozess gegen einen Vater, der seine beiden sechs und acht Jahre alten Kinder in Schwarzach im Landkreis Straubing-Bogen getötet hat, sagte am Donnerstag die Mutter vor dem Landgericht Regensburg aus. Weil sie unter starken psychischen Problemen leidet, war die 31-Jährige nicht im Gerichtssaal anwesend sondern per Videoanruf zugeschaltet.

Finanzielle Nöte und Gewalt

Bei ihrer Vernehmung berichtete sie bislang über ihre problematische Beziehung zu dem Angeklagten. Der 37-Jährige war ihrer Aussage nach spiel-, alkohol- und drogensüchtig. Demnach hatte er immer wieder finanzielle Probleme. Er soll damals ihr Ausbildungsgehalt und ihre Ersparnisse gestohlen und verspielt haben. "Es gab Tage, da hatten wir nichts zu essen, nichts zu trinken", so die Ex-Freundin des Angeklagten.

Der Angeklagte soll sie außerdem mit anderen Frauen betrogen und immer wieder geschlagen haben. Von Faustschlägen, Tritten und Haareziehen ist die Rede. Seine Kinder soll der Mann aber nicht angefasst haben. Die Frau beschreibt ihren Ex-Partner als keinen schlechten, aber auch nicht als guten Vater. Er soll oft streng und stark angespannt gewesen sein.

Die Mutter berichtete auch über Probleme mit dem Jugendamt - das Verhalten des Vaters wäre als "Gefährdung der Kinder" beobachtet worden.

Frau berichtet von Drohungen

Auch berichtete die Mutter von Drohungen, die der Angeklagte ihr gegenüber bei einer endgültigen Trennung ausgesprochen haben soll. So soll der 37-Jährige gedroht haben, sich und den Kindern "was anzutun", sollte sich seine damalige Freundin von ihm trennen.

Auch soll er gedroht haben, ihrer Familie Schaden zuzufügen, unter anderem ihre jüngere Schwester zu vergewaltigen. Aus Angst, der Angeklagte könnte seine Drohungen wahr machen, habe sich die 31-Jährige damals seiner Schwester anvertraut. Diese hätte ihre Ängste aber nicht ernst genommen und die Drohungen heruntergespielt.

Kinder nicht zurückgegeben?

Kurz nach der Trennung verbot die Mutter ihren Kindern nach eigenen Angaben den Umgang mit dem Vater und erzählte ihnen auch von den Trennungsgründen. Wie die 31-Jährige sagte, hätten der Junge und das Mädchen daraufhin keinen Kontakt mehr zu dem 37-Jährigen gewollt, da dieser "Mama wehgetan hat". Nach einiger Zeit erlaubte die Mutter dann ihren Kindern wieder den Kontakt zum Vater, wie sie berichtete.

Aussagen zum Umgang kurz vor der Tat unterscheiden sich

Im Hinblick auf die Geschehnisse kurz vor der Tat unterscheiden sich die Aussagen von Vater und Mutter grundlegend. Der Angeklagte behauptete am Donnerstag, die Mutter hätte im März vergangenen Jahres die Kinder bei ihm abgeliefert und sich danach lange Zeit nicht mehr für sie interessiert.

Die 31-Jährige erklärte in der Befragung dagegen, dass eine Woche Ferien beim Vater ausgemacht gewesen seien. Zwar stimme es, dass die Kinder gerne viel Zeit bei ihrem Papa verbracht hätten, da er einiges mit ihnen unternommen und ermöglicht hätte. Dass sie die Kinder aber nicht mehr bei sich haben wollte, streitet die 31-Jährige ab.

Angeklagter am Tattag "hektisch"

Die Zeugin berichtete zudem, dass der Vater die Kinder am Tattag Mitte Mai nicht zurückbrachte - zum wiederholten Male. Die 31-Jährige habe mit dem Angeklagten telefoniert, dabei sei er sehr hektisch gewesen. Auf die Frage, wo ihre Kinder sind, behauptete er, sie seien bei einem Freund, den die Mutter nicht kenne. Daraufhin drohte die Zeugin damit, zur Polizei zu gehen und Anzeige wegen Kindesentführung zu erstatten.

Außerdem habe sie seine damalige Geliebte aufgesucht. Diese habe ihr erzählt, dass der Angeklagte ihr gestanden habe, etwas "ganz Schlimmes" getan zu haben. Trotzdem sei die Frau nicht zur Polizei gegangen. Am Abend teilten ihr Polizisten mit, dass ihre Kinder tot seien.

Zeugenaussage mehrmals unterbrochen

Immer wieder musste die heutige Vernehmung unterbrochen werden, weil die 31-Jährige weinend zusammenbrach. "Manchmal kann ich das gar nicht glauben", so die Mutter. "Ich werde nachts wach und kriege keine Luft, weil ich daran denke, was er mit meinen Kindern gemacht hat." Sie befindet sich seit dem Tod der beiden in psychologischer Behandlung. 

Der Angeklagte habe nach der Trennung von seiner Freundin keine Chance gesehen, die Kinder bei sich behalten zu können - auch wollte er nicht, dass sie bei dem neuen Lebensgefährten der Mutter aufwachsen. Davon geht auch die Anklage aus.

Deshalb erstickte er das Mädchen und den Jungen mit Plastiktüten. Zuvor fesselte er die Geschwister im Spiel, um sie so wehrlos zu machen - er gab sich dabei als Polizist aus. Ein Urteil in dem Mordprozess ist im Mai geplant.

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