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Eltern meist machtlos Über 2.600 vermisste Kinder und Jugendliche in Bayern

Immer wieder verschwinden in Bayern Kinder, etwa wenn sie vom Vater oder der Mutter ins Ausland verschleppt werden. Für den anderen Elternteil ist das die pure Hölle. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Von: Anna Tillack, Niklas Nau und Alexander Loos

Stand: 18.10.2017

Wenn Kinder nicht mehr nach Hause kommen, kann das viele Gründe haben: Manche reißen schlichtweg von zuhause aus, manche verirren sich auf dem Heimweg oder werden in einen Unfall verwickelt. Schlimmstenfalls fallen sie einem Gewaltverbrechen zum Opfer oder werden entführt - von Kinderhändlern oder Kinderschändern, aber auch vom anderen Elternteil.

Der Neunjährige wurde vor sechs Monaten von seinem Vater nach Marokko entführt und ist seitdem spurlos verschwunden.

So erging es auch dem neunjährigen Sohn einer Münchnerin. Der Vater brachte ihn heimlich von Deutschland nach Marokko, der Kontakt ist abgebrochen. Seit über sechs Monaten hat die junge Mutter ihr Kind nicht mehr gesehen. "Mein Sohn muss sich so fühlen, als wäre ich tot oder als hätte ich ihn verlassen." Die Münchnerin hat Tränen in den Augen, wenn sie über ihr Kind spricht. Inzwischen gilt der Bub als vermisst.

Schwierige Rückführung aus dem Ausland

Immer wieder werden Kinder von Elternteilen ins Ausland verschleppt. Für solche internationalen Kindesentführungen gibt es eigentlich ein Abkommen zwischen über 80 Staaten. Es besagt, dass die Rückführung der Kinder innerhalb von sechs Wochen angeordnet werden soll. Dafür sind die Behörden in den jeweiligen Ländern zuständig. Für betroffene Eltern ist in Deutschland das Bundesjustizministerium der Ansprechpartner. Doch von ihm fühlt sich die Münchner Mutter im Stich gelassen:

"Die haben überhaupt keinen Druck ausgeübt, kein Interesse daran gezeigt, dass mein Kind zurückkommen soll."

Mutter eines nach Marokko entführten Jungen

Gegenüber Kontrovers, dem Politikmagazin des BR Fernsehen, verweist das Justizministerium auf die Gerichte im Ausland:

"Ein unmittelbarer Einfluss auf die dortige Verfahrensweise, insbesondere in gerichtlichen Verfahren, ist den deutschen Stellen nicht möglich."

Antwort des Bundesjustizministeriums

Vermisste Flüchtlingskinder

Bei den meisten der rund 2.600 Vermissten-Fälle in Bayern handelt es sich aber nicht um einheimische Kinder, sondern um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sie wurden in Heimen untergebracht, aus denen sie verschwunden sind. Viele von ihnen sind weitergezogen, um in ein anderes Land zu kommen. In Deutschland werden sie dann als vermisst gemeldet.

Andreas Hüner ist stellvertretender Leiter der evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Feldkirchen. Die Jugendhilfe betreibt Wohneinrichtungen, in denen junge Flüchtlinge leben. Dort kommt es immer wieder vor, dass Kinder und Jugendliche verschwinden:

"Wir haben seit 2012 circa 400 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Obhut genommen und davon sind etwa 20 weitergereist. Das sind fünf Prozent. Das klingt prozentual wenig, aber dahinter stecken 20 Schicksale."

Andreas Hüner, evangelische Kinder- und Jugendhilfe Feldkirchen

"Sehr viele dramatische Fälle"

Um vermisste Menschen wiederzufinden, betreibt das Rote Kreuz einen internationalen Suchdienst. Seit 2013 können Geflüchtete auf der Website "Trace the Face" Gesuche aufgeben. Hunderte der Suchanfragen beziehen sich auf minderjährige Flüchtlinge.
Oftmals verlieren sich Familien auf dem Seeweg nach Europa, erklärt Marina Brinkmann vom Roten Kreuz:

"Wir haben sehr viele dramatische Fälle, wo mehrere Kinder einer Familie vermisst werden. Die Eltern konnten an Land gehen und die Kinder haben sie anschließend nicht gefunden."

Marina Brinkmann, Rotes Kreuz

Viele Menschen versuchen über die Gesuche aber nur noch eine Bestätigung zu bekommen, für das traurige Schicksal ihrer Familienmitglieder.


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horst, Mittwoch, 18.Oktober, 21:41 Uhr

10. vermisste kinder

hallo!
ich kann nachvollziehen, daß es für eltern die hölle ist, nicth zu wissen, was mit ihrem kind ist.
allerdings ist es ein kein bischen besseres gefühl, wenn das eingene kind menschen zugesprochen wird, bei denen es dem kind schlecht geht. und man wird dann auch noch verpflichtet, die 'peiniger des eigenen kindes' zu finanzieren. und als 'krönung' stellt sich ein (unfähiger) gutachter noch hin, und erklärt. dass dies das beste für das kind ist (und der richter folgt dem 'gebildeten akatemiker).
und dann, jahre später ..... wenn das kind erwachsen ist, man als vater über 15 jahre keinen kontakt zu dem kind haben durfte, es in dieser zeit fast verhunderte ..... nun 'anerkanntes opfer einer straftat' ist ......... muß man feststellen, dass sich alle verantwortlichen weg ducken. keiner der 'akteure' bekennt freiwillig seine fehlentscheidung. und als vater, der 'aus dem leben des kindes verdrängt wurde' steht man nun alleine da um der jungen, erwachsen frau ins leben zu helfen.

Olaf, Mittwoch, 18.Oktober, 21:37 Uhr

9. Vermisste Kinder

Sie berichten über vermisste Kinder, Entführung(sversuche) ins Ausland, keine Unterstützung im Ausland und Nichtstun der Berhörden.

Es gibt auch innnerhalb Deutschlands Handlungsbedarf, wenn ein Elternteil (meist die Mütter) einfach mit den Kindern wegzieht, und Kinder entfremdet werden. Da werden Gesetze missachtet (Pässe ohn Unterschrift des Vaters ausgestellt, Schulan- und abmeldungen im Alleingang ermöglichst u. v. m). Letztlich helfen Richter, Verfahrensbeistand und Jugendamt / Jugendhilfe, das auch noch zu legalisieren.

Das wäre auch einmal ein Ansatz. Bekannt ist, dass es Kindern nicht guttut, wenn sie den Kontakt zum anderen Elternteil stark vermindern oder ganz einstellen müssen (ob nur durch die Umstände oder auch Einfluss der Mutter). Alle wissen es und letztendlich wird der Vater geopfert...

Es gibt ausreichend Fälle. Auch das wäre mal ein Ansatz, den FInger in diese Wunde der BRD zu legen.

Siegmund Hold, Mittwoch, 18.Oktober, 21:11 Uhr

8. Wieder AfD-Bashing, wie Usus!

Konnte ja nicht lange dauern. Eine wahre Freude! Wieder mehr Stimmen für die AfD.

Jana Daniel, Mittwoch, 18.Oktober, 18:40 Uhr

7. Wie lange muss man hier eigentlich auf Veröffentlichung warten, drei Jahre??

Einfach mal ein wenig Fleiß, das kann nicht schaden!

Jana Daniel, Mittwoch, 18.Oktober, 17:12 Uhr

6. Themenvermischung

45 Minuten Sendezeit, davon sicher ca. 10 Minuten für das obige Thema, bei dem wieder mal alles munter gemischt wird, obwohl für jedes Thema selber eine Stunde Sendezeit gebraucht würde. 1. Thema Kindesentzug, 2. Thema Kinder, die selber verschwinden 3. Thema Verbrechensopfer. Erstmal sind das meistens keine Kinder, sondern junge Erwachsene. Ja, was denn jetzt? Lösungsangebot in der Sendung? Wohl kaum! Ich habe mal drei Vorschläge:

Zu 1: Mal vorher schauen, mit wem man sich einlässt und aus welchem Kulturkreis die Person kommt.

Zu 2: Einfach mal im bayrischen Heim bleiben, anstatt durch Europa zu reisen, obwohl ein sicherer Heimplatz zur Verfügung steht.

Zu 3: Das sind die Opfer im eigentlichen Sinne des Wortes. Dort liegt ein echtes Verbrechen vor, das jedem widerfahren kann.

Die knappe Sendezeit und das Sendeformat ist für solche Themen nicht gemacht, da hat es schon bessere Reportagen/Sendungen gegeben.