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Weltraum-Rückblick 2019: Mondmissionen und Merkurtransit | BR24

© ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)/B. Tafreshi (twanight.org)

Die Antennenschüsseln des ALMA-Radioteleskops in den chilenischen Anden gehören zum Netzwerk des Event Horizon Telescope EHT

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Weltraum-Rückblick 2019: Mondmissionen und Merkurtransit

2019 hatte für Astronomie-Fans einiges zu bieten: Den weltweiten Run zum Mond, das erste Foto eines Schwarzen Lochs und gegen Jahresende den Merkurtransit. Gehen Sie mit uns auf die Reise zu den magischen Momenten im Weltall!

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Die Sensation des Jahres: erste Aufnahme eines Schwarzen Lochs

© picture-alliance/dpa

Erste Aufnahme eines Schwarzen Lochs am 11. April 2019

Am 7. Mai 2019 präsentierten Forscher des Teleskopnetzwerks Event Horizon eine wirkliche Sensation: das erste Foto von einem Schwarzen Loch. Für das Bild haben Astronomen des Projekts acht Radioteleskope zu einem weltweiten Netz zusammengeschlossen. Schwarze Löcher sind die wohl rätselhaftesten Objekte im Kosmos. Sie haben keine Ausdehnung, aber dennoch eine immense Masse. Albert Einstein hat Schwarze Löcher schon vor mehr als hundert Jahren in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt. Nachweisen lassen sie sich aber bisher nur indirekt. Eine direkte Aufnahme ist unmöglich, denn Schwarze Löcher haben wegen ihrer gewaltigen Masse eine ebenso große Schwerkraft. Sie verschlucken alles, was in ihre Nähe kommt, selbst das Licht. In Simulationen wurden Schwarze Löcher daher meist als heller Ring um einen dunklen Fleck dargestellt. Das was hier auf diesem Bild zu sehen ist, ist aber nicht das Schwarze Loch selbst, sondern sein Ereignishorizont.

Asteroidenmission Hayabusa-2

© picture alliance/Xinhua

Aufnahme des Schattens der Sonde "Hayabusa-2" auf der porösen Oberfläche des Asteroiden Ryugu

Die Mission "Hayabusa-2" der japanischen Weltraumagentur untersucht den Asteroiden Ryugu. Erste Ergebnisse zeigen: Der Asteroid ist nur ein staubtrockener Haufen Geröll. Die Oberfläche von Ryugu ist porös und besteht aus Mineralien. Der Lander MASCOT hat zwei Proben der Oberfläche entnommen. Am Jahresende hat die japanische Raumsonde Hayabusa-2 ihren spektakulären Besuch beim Asteroiden Ryugu beendet und sich am 13. November 2019 auf den Rückweg zur Erde gemacht. Ende 2020 soll sie wieder da sein, mit wertvoller Fracht an Bord.

Asteroidenmission Osiris-Rex

Zeitgleich mit der japanischen Hayabusa-2-Mission läuft eine ähnliche Mission der NASA. Dabei wird der Asteroid Bennu untersucht. Ende 2018 kam die NASA-Sonde Osiris-Rex bei Bennu an und umkreist den Asteroiden seither in wechselndem Abstand. Schon wenige Tage nach der Ankunft entdeckten die Geräte von Osiris-Rex erste Spuren von Wasser auf Bennu, im Januar 2019 folgte dann eine weit größere Überraschung für die Forscher: Sie konnten Bennu dabei beobachten, wie der Asteroid Partikel ins All spie. Auch Bennus Oberfläche gleicht übrigens einer Geröllhalde, übersät mit Gesteinsbrocken.

Mondmissionen: Der Run auf den Erdtrabanten

© Bayerischer Rundfunk / radioFeature

Über 500 Millionen Menschen haben die erste bemannte Mondlandung 1969 verfolgt - ein riesen Medienereignis. Heute findet ein neuer Wettlauf zum Mond statt. Zum Jahreswechsel wiederholen wir unsere wichtigsten Feature des Jahres 2019.

© picture alliance/Xinhua

Der Mond-Rover Yutu-2 untersucht mit spektroskopischen Beobachtungen die der Erde abgewandte Seite des Mondes.

Chinesische Mondmission

Die Landung der Mondsonde "Chang'e 4" ist ein großer Erfolg für Chinas Raumfahrtprogramm. Am 3. Januar 2019 um 03:26 Uhr mitteleuropäischer Zeit setzte die Sonde auf der Rückseite des Mondes auf. China ist damit die erste Raumfahrtnation, der eine Landung auf der "dunklen", noch relativ unerforschten Seite des Mondes geglückt ist. Der Mond-Rover mit dem Namen Yutu-2, übersetzt Jadehase 2, rollte rund zwölf Stunden nach der Landung der Sonde los. Die größte technische Herausforderung der Mission ist die Kommunikation zwischen Chang'e 4 und dem Kontrollzentrum auf der Erde, denn Sonde und Rover befinden sich auf der Rückseite des Mondes in dessen Funkschatten.

Indische Mondmission

Mit der Mondmission "Chandrayaan-2“ wollte Indien das vierte Land werden, dem eine kontrollierte Landung auf dem Erdtrabanten gelingt. Das ist bisher nur den USA, der Sowjetunion und China geglückt. Doch die indische Mondmission scheiterte: Die NASA hat Wrackteile der Raumsonde Vikram auf dem Mond gefunden und am 3. Dezember 2019 Aufnahmen davon veröffentlicht. Die indische Mond-Mission war am 22. Juli 2019 gestartet. Am 2. September löste sich der Mondlander Vikram vom Orbiter und startete eine Reihe von Bremsmanövern, um die Landung vorzubereiten. Der Anflug verlief laut der indischen Raumfahrtbehörde Isro bis zwei Kilometer von der Mondoberfläche entfernt normal, dann sei der Kontakt abgerissen.

Israelische Mondmission

Die indische Mondmission war nicht die einzige, die scheiterte. Die Hoffnungen waren riesig - und die Enttäuschung hinterher umso größer: Israel wollte ebenfalls als viertes Land der Welt auf dem Mond landen. Doch beim Landemanöver von "Beresheet" am 11. April 2019 kam es zu einem technischen Fehler. Die Sonde zerbrach. Eines bleibt aber: Israel ist das siebte Land der Welt, dem es gelungen ist, in die Umlaufbahn des Mondes zu gelangen. Und: Es war die erste privat finanzierte Mission dieser Art, die der israelischen Non-Profit-Organisation SpaceIL.

Mars-Mission InSight - die Bohrung beginnt

© DLR (CC-BY 3.0)

Mars-Lander InSight (künstlerische Darstellung): Der deutsche Marsmaulwurf HP3 bohrt den Planeten Mars an

Bei der Mars-Mission InSight soll sich der "Marsmaulwurf" HP3 bis zu fünf Meter tief in den Marsboden bohren - erstmals in der Geschichte der Raumfahrt. In der Tiefe soll HP3 Temperatur und Wärmeleitfähigkeit des Untergrundmaterials messen, um mit den Daten zu einem besseren Verständnis erdähnlicher Körper beizutragen. Die Wissenschaftler vom Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erhoffen sich außerdem weitere Hinweise darauf, ob der Rote Planet über einen heißen, flüssigen Kern verfügt. Von Februar bis Oktober 2019 musste der Bohrroboter pausieren. Dann hämmerte er kurze Zeit wieder. Aber seit dem 28. Oktober heißt es: Rien ne va plus, nichts geht mehr. Das Messgerät ist halb aus dem Loch gehüpft und ärgert so die Wissenschaftler.

Milchstraße - krumm und eruptiv

© J. Skowron / OGLE / Astronomical Observatory, University of Warsaw

Kartierung der Milchstraße: Äußere Ränder unserer Galaxie sind verbogen

Die Milchstraße ist keineswegs eine flache Scheibe, sondern unsere Galaxie ähnelt eher einer verbogenen Hutkrempe: auf der einen Seite nach oben, auf der anderen nach unten. Das haben polnische Forscher am 1. August 2019 bewiesen, als es ihnen gelungen ist, eine dreidimensionale Karte der Milchstraße anzulegen, indem sie erstmals rund 2.400 Sterne genau lokalisiert haben.

Im September stand die Milchstraße noch einmal im Fokus der Forscher: Ein internationales Team von Astronomen entdeckte eine der größten Strukturen, die je im Zentrum der Milchstraße beobachtet wurden. Das Team glaubt, dass das riesige sanduhrförmige Gebilde das Ergebnis eines starken energetischen Ausbruchs im Schwarzen Loch der Milchstraße ist. Das Schwarze Loch verschlingt in regelmäßigen Abständen massive Staub- und Gasklumpen. Daher ist es möglich, dass ein solcher Fressrausch mächtige Ausbrüche auslöste, die diese ballonartigen Strukturen aufflammen ließen.

Merkurtransit vor der Sonne

© NASA's Goddard Space Flight Center/SDO/Genna Duberstein

Merkurtransit, zusammengesetzt aus Aufnahmen des NASA-Sonnenforschungssatelliten Solar Dynamics Observatory (SDO)

Merkur schob sich am 11. November 2019 auf seiner Umlaufbahn genau zwischen Sonne und Erde. Als kleiner schwarzer Fleck wanderte der Planet ab 13:35 Uhr MEZ über die Sonnenscheibe. Obwohl Merkur der schnellste Planet am Himmel ist, dauerte seine Reise vom linken bis zum rechten Rand der Sonne fünfeinhalb Stunden. Allerdings war um kurz vor 17:00 Uhr in ganz Bayern die Sonne hinter dem Horizont verschwunden. Vom Merkurtransit war hier nur etwas mehr als die erste Hälfte zu sehen. Beobachten ließ sich das das seltene Ereignis auch nur mit Spezialausrüstung oder in einer Sternwarte. Der nächste Merkurtransit findet erst 2032 statt.

Interstellare Objekte aus anderen Sonnensystemen

© Canada-France-Hawaii Telescope/dpa-Bildfunk

Der Komet 2I/Borisov stammt aus einem anderen Sonnensystem.

Besucher aus den Tiefen des Weltraums: 2I/Borisov ist erst das zweite interstellare Objekt, das Astronomen aufspüren konnten. 2017 kreuzte 1I/'Oumuamua durch das Sonnensystem und gab den Forschern viele Rätsel auf. 2I/Borisov ähnelt dagegen sehr den bekannten heimischen Kometen. Am 30. August 2019 hatte ihn der Amateurastronom Gennadi Borissow am Margo-Observatorium auf der Krim mit einem selbstgebauten Teleskop erspäht. Verschiedene Observatorien bestätigten die Entdeckung und zeigten, dass der Komet nicht aus unserem Sonnensystem stammt.

Der interstellare Asteroid 'Oumuamua - hawaiianisch für "Bote aus der fernen Vergangenheit, der uns zu erreichen sucht" - war am 19. Oktober 2017 mit dem Teleskop Pan-STARRS auf Hawaii entdeckt worden. Ein seltsames Gebilde, wie es Astronomen noch nie in unserem Sonnensystem gesehen haben. Ein Asteroid? Ein Komet? Oder gar ein Raumschiff von Aliens? Letztere Hypothese stammte immerhin von Astronomen der Harvard Universität. 14 Wissenschaftler aus Europa und den USA haben sich zusammengetan und 2019 noch einmal die bisherigen Studien zu 'Oumuamua ausgewertet. Und kamen zu dem Schluss: 'Oumuamua war wohl doch kein Raumschiff Außerirdischer.