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Komet 2I/Borisov - Besucher aus den Tiefen des Weltraums | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Rasend schnell fliegt er gerade Richtung Sonne, woher er kommt, wird man womöglich nie wissen: Der Asteroid 2I/Borisov stammt aus einem fremden Planetensystem, das zweite interstellare Objekt überhaupt, das Menschen je vors Teleskop gekommen ist.

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Komet 2I/Borisov - Besucher aus den Tiefen des Weltraums

In unserem Sonnensystem ist gerade ein Komet aus den Tiefen des Weltalls unterwegs: 2I/Borisov ist nach 1I/'Oumuamua erst das zweite interstellare Objekt, das Astronomen je entdeckt haben.

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Anfangs war es nur eine Vermutung, nun ist es bestätigt: Ein interstellares Objekt kreuzt durch unser Sonnensystem. Der Komet wurde nach seinem Entdecker 2I/Borisov benannt. Am 30. August 2019 hatte ihn der Amateurastronom Gennadi Borissow am Margo-Observatorium auf der Krim mit einem selbstgebauten Teleskop erspäht. Verschiedene Observatorien bestätigten die Entdeckung und zeigten, dass der Komet nicht aus unserem Sonnensystem stammt.

2I/Borisov - Erst das zweite interstellare Objekt

2I/Borisov ist nach 1I/'Oumuamua von 2017 erst das zweite interstellare Objekt, das bei einem Flug durch das Sonnensystem gesichtet wurde. 2I/Borisov bietet Astronomen die seltene Chance, aus der Nähe Einblicke in ein fremdes Sonnensystem zu bekommen. Erste Beobachtungen zeigen, dass der interstellare Komet denen unseres eigenen Systems ähnelt.

"Die gegenwärtige Geschwindigkeit des Kometen ist hoch, ungefähr 150.000 Kilometer pro Stunde, was in dieser Entfernung deutlich oberhalb der typischen Geschwindigkeiten von Objekten liegt, die die Sonne umkreisen." Davide Farnocchia, Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA

Der Komet ist den Analysen zufolge auf einer sogenannten Hyperbelbahn unterwegs, die ihn aus dem Sonnensystem hinausführt. Die Internationale Astronomische Union (IAU) teilte mit, dass er eindeutig interstellarer Herkunft ist. Sie ist auch für die Benennung und Kategorisierung von Himmelskörpern zuständig. Zunächst bekam er die Katalognummer C/2019 Q4, dann zu Ehren seines Entdeckers die Bezeichnung 2I/Borisov. Der erste Teil des Namens "2I" weist darauf hin, dass es sich um das zweite interstellare Objekt handelt, das in unserem Sonnensystem entdeckt wurde.

© NASA/JPL-Caltech

Die Bahn des Kometen 2I/Borisov durch das Sonnensystem

Früh entdeckt, gut zu beobachten

Im Gegensatz zu 1I/'Oumuamua wurde 2I/Borisov bereits im Anflug gesichtet. So bleiben den Astronomen viele Monate, um ihn zu beobachten.

"Das Objekt wird Mitte Dezember die größte Helligkeit erreichen und dann noch bis April 2020 mit mittelgroßen Teleskopen zu sehen sein. Danach wird es bis Oktober 2020 nur noch mit größeren, professionellen Teleskopen zu beobachten sein." Davide Farnocchia, Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA

Ein Team um Karen Meech von der Universität Hawaii, die bereits die Charakterisierung von 1I/'Oumuamua geleitet hatte, bestimmte in einer ersten Untersuchung den Durchmesser des Himmelsobjekts auf zwei bis 16 Kilometer. Aufnahmen des Gemini-Observatoriums auf Hawaii zeigen einen deutlichen Schweif des Kometen. Am astrophysikalischen Institut der Kanaren (IAC) wurde bereits ein erstes Spektrum aufgenommen, um seine chemische Zusammensetzung zu bestimmen. "Das Spektrum dieses Objekts ähnelt solchen von Kometen unseres Sonnensystems, und das weist darauf hin, dass ihre Zusammensetzung ähnlich sein muss", berichtete IAC-Forscherin Julia de León. Diese Beobachtung lege nahe, dass sich Kometen in anderen Sonnensystemen durch ähnliche Prozesse formen könnten wie in unserem, ergänzte de Leóns Kollege Javier Licandro.

Warten auf den nächsten interstellaren Besucher nach 2I/Borisov

Die Entdeckung von gleich zwei interstellaren Besuchern innerhalb von nur zwei Jahren deutet nach Einschätzung der IAU darauf hin, dass diese Objekte einen neuen Weg zur Erforschung bestimmter Prozesse in anderen Sonnensystemen eröffnen könnten. Wie häufig solche Stippvisiten sind, ist allerdings noch schwer abzuschätzen. Einen der nächsten interstellaren Besucher könnte möglicherweise eine geplante Satellitenmission der europäischen Raumfahrtagentur ESA abfangen. Sie will bis 2028 auf einer Warteposition in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde die Raumsonde Comet Interceptor stationieren. Sie soll laut ESA-Wissenschaftsdirektor Günther Hasinger entweder auf einen Kometen aus unserem eigenen Sonnensystem lauern oder auf einen interstellaren Besucher.