Wie können wir die Erderwärmung und ihre katastrophalen Folgen stoppen? Darum geht es im dritten Teil des Weltklimaberichts. Das Symbolbild zeigt einen verbrannten Baum vor einem rötlichen Himmel.
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Wie können wir die Erderwärmung und ihre katastrophalen Folgen stoppen?

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Weltklimarat: So können wir die Erderwärmung stoppen

Der Weltklimarat hat die Staatengemeinschaft zu einem radikalen Wandel ihrer Energiepolitik aufgerufen. Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase müsse sofort und stark verringert werden. Andernfalls sei das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen.

Jetzt oder nie: Das ist die Kurzfassung des dritten Teils des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarates IPCC, der heute veröffentlicht wurde. Er setzt sich damit auseinander, wie der Klimawandel gemildert werden kann. Der Weltklimarat IPCC ("Intergovernmental Panel on Climate Change") selbst hat keine Entscheidungsmacht. Aber die rund 40-seitige "Zusammenfassung für Entscheidungsträger" des Weltklimaberichts wurde Zeile für Zeile von allen 195 beteiligten Staaten abgenommen. Damit herrscht Konsens über seinen Inhalt. Der vorliegende Bericht gilt somit als Leitfaden für die Maßnahmen, die die Weltgemeinschaft nun ergreifen kann, um der Erderwärmung Einhalt zu gebieten.

Der erste Teil des sechsten Sachstandsberichts war im August 2020 erschienen und hat sich mit den Grundlagen des Klimawandels beschäftigt: Eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 oder 2 Grad wäre nur noch möglich, wenn Treibhausgasemissionen schnell, umfassend und nachhaltig verringert werden. Der zweite Teil erschien vor rund einem Monat. Dort ging es darum, wie wir uns an den Klimawandel anpassen können und müssen: Denn unsere Lebensgrundlage wird vom Klimawandel bedroht.

Weltweite CO2-Emissionen steigen weiter an - aber immerhin langsamer

Dieser dritte Teil des Weltklimaberichts stellt fest, dass auch im Jahrzehnt von 2010 bis 2019 die weltweiten CO2-Emissionen weiter angestiegen sind. Die jährlichen CO2-Emissionen waren in dieser Zeit jährlich höher als in jedem vorangegangenen Jahrzehnt. "Wir haben das Zeitalter der fossilen Energieträger leider immer noch nicht hinter uns gelassen", sagt Jan Christoph Minx vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) und Mitautor des IPCC-Reports. Der Bericht stellt weiter fest, dass es durchaus Reduktionen im CO2-Ausstoß gab, etwa durch verringerte Nutzung von fossilen Energieträgern in einigen Bereichen. Allerdings können diese Reduktionen die weltweit steigende Aktivität und die damit einhergehenden gestiegenen CO2-Emissionen in den Bereichen der Industrie, der Energieversorgung, der Mobilität, Landwirtschaft und Gebäuden nicht wettmachen.

Immerhin, wenn man nach guten Nachrichten im IPCC-Bericht sucht, dann findet man auch welche. Eine von ihnen lautet, dass die CO2-Emissionen im Jahrzehnt von 2010 bis 2019 langsamer gestiegen sind als im Jahrzehnt davor: um jährlich 1,3 Prozent von 2010 bis 2019 verglichen mit einem jährlichen durchschnittlichen Anstieg von 2,1 Prozent von 2000 bis 2010.

Maßnahmen müssen nachgeschärft werden, um das 1,5-Grad-Klimaziel noch zu erreichen

Angesichts der Tatsache, dass die Erderwärmung auf die gesteigerte Konzentration an Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen zurückzuführen ist, besteht ein großer Teil der Lösung in der klassischen Emissionsreduktion. Das heißt: Wir müssen aufhören, Treibhausgase und vor allem CO2 in die Atmosphäre einzubringen, indem wir fossile Brennstoffe verwenden.

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 haben sich die Staaten dieser Welt dazu verpflichtet, die Erderwärmung auf, wenn möglich, 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Um 1,1 Grad Celsius ist die Temperatur bereits gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter gestiegen. Der IPCC-Bericht stellt fest: Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssten der Höhepunkt des weltweiten CO2-Ausstoßes spätestens bis zum Jahr 2025 erreicht sein, und bis 2030 um 43 Prozent reduziert sein. Auch für das 2-Grad-Ziel müsste der CO2-Höhepunkt bis spätestens 2025 erreicht sein, und bis 2030 um ein Viertel gesunken sein.

Derzeitige Anstrengungen der Länder allerdings sind nicht annährend ausreichend, um diese Ziele zu erreichen. Wenn nicht weitere Klimaschutzmaßnahmen über die derzeitigen Maßnahmen hinaus ergriffen werden, betrüge laut verschiedenen Szenarien die globale Erwärmung im Jahr 2100 zwischen 2,2 und 3,5 Grad Celsius. "Die Hoffnung ist, dass die politischen Ambitionen bis 2030 noch einmal nachgeschärft werden", sagt Volker Krey vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Österreich und Leitautor des Kapitels über "Minderungs- und Entwicklungspfade in der nahen bis mittleren Zukunft".

Weltklimabericht: Welche Maßnahmen den Klimawandel mildern

Um die Erderwärmung aufzuhalten, wären demnach vor allem große Anstrengungen im Energiesektor erforderlich: Einerseits wäre es nötig, weniger bis gar keine fossilen Brennstoffe zu verwenden. Andererseits müsste eine erneuerbare Elektrifizierung stattfinden. Auch die Industrie ist betroffen. Sie ist weltweit für etwa ein Viertel aller globalen Emissionen verantwortlich. Hier auf eine Null bei den CO2-Emissionen zu kommen, stellt eine Herausforderung dar, und wird wahrscheinlich auf neuen Produktionsprozessen, der Verwendung von erneuerbaren Energien, grünem Wasserstoff sowie noch spekulativen Methoden zur Entnahme von Treibhausgasen aus der Atmosphäre basieren.

Und Stichwort "Carbon Capture", also Methoden und Technologien, die der Atmosphäre Treibhausgase entziehen: "Wir brauchen es schon, um auf Netto Null zu kommen", sagt Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik – Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit und IPCC-Autor. Das schließt einerseits natürliche Methoden zur Treibhausgasentnahme wie etwa Aufforstung ein, aber auch spekulative und größtenteils noch nicht getestete Technologien. Ob natürlich oder technologisch, eines macht der IPCC-Report klar: Sich auf die Entnahme von Treibhausgasen zu verlassen, um weiterhin CO2-Emission verursachen zu können, wäre ein gefährlicher Trugschluss und würde nicht funktionieren.

Erstmals befasst sich ein Weltklimabericht auch mit den "Endnutzern" - also mit uns. Laut dem IPCC-Report könnten im Endnutzungssektor die Treibhausgasemissionen um vierzig bis siebzig Prozent bis 2050 verringert werden, wenn dort die richtigen Entscheidungen von politischer Seite fallen und es passende Infrastrukturen und Technologien gibt. Ein Beispiel dafür sind städtische Räume, die so gestaltet werden, dass man ohne Autos mobil sein kann, oder auch ein verringerter Fleischkonsum. "Außerdem haben wir gezeigt, dass mehr Konsum gleich mehr Wohlstand empirisch nicht haltbar ist", Felix Creutzig vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change und Leitautor des entsprechenden Kapitels.

Der Weltklimabericht des IPCC gilt als Leitfaden für die weltweite Politik

Zu gu­ter Letzt bleibt noch die Feststellung der IPCC-Autorinnen und -Autoren, dass es durchaus einige Länder dieser Welt gibt, die seit mehreren Jahren ihre Treibhausgasemissionen senken und trotzdem wirtschaftliches Wachstum verzeichnen konnten. Auch stellen sie fest, dass der globale wirtschaftliche Nutzen beim Erreichen des 2-Grad-Ziels voraussichtlich höher wäre als die Kosten, die für die dadurch nötigen Maßnahmen anfallen würden. Und gerade einige Schlüsselbereiche wie Batterien und Technologien für Solar- und Windenergie haben sich in den letzten Jahren viel besser entwickelt und sind sehr viel günstiger geworden als das noch im letzten IPCC-Report zu erwarten gewesen wäre. All das macht vielleicht ein klein wenig Hoffnung. Aber Jan Christoph Minx sagt in Hinblick auf das 1,5-Grad-Ziel auch: "Wir können nicht nochmal so eine Dekade hinlegen, wie wir sie hingelegt haben."

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