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Studie zeigt kürzere Schneesaison in den Alpen als vor 50 Jahren | BR24

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Eine großangelegte Studie von Eurac Research in Bozen zeigt eine viel kürzere Schneesaison in den gesamten Alpen als noch vor 50 Jahren.

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    Studie zeigt kürzere Schneesaison in den Alpen als vor 50 Jahren

    Nicht nur ein Gefühl, sondern Realität: In den Alpen gibt es laut einer europaweiten Studie weniger Schnee als noch in den Siebzigerjahren. Die Schneesaison unterhalb von 2.000 Metern hat sich je nach Höhenlage und Region um bis zu 34 Tage verkürzt.

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    Von
    • Alexandra Klockau

    Die Alpen sind im Winter kürzer weiß als früher. Dass es weniger Schnee gibt und der in den Bergen nicht mehr so lange liegen bleibt, haben viele Alpenbewohner, Urlauber und Wintersportler bereits direkt erlebt und wurde auch schon für viele einzelne Regionen nachgewiesen. Jetzt gibt es erstmals eine Langzeitstudie, koordiniert vom Südtiroler Institut Eurac Research in Bozen, die die Daten aller verfügbaren Messstationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien ausgewertet hat: Mehr als 2.000 Stationen verrieten den über 30 Wissenschaftlern aus allen Alpenstaaten, wie sich die Schneesaison von 1971 bis 2019 in den Alpen entwickelt hat.

    "Damit kann man die Schneebedeckung im Alpenraum nun erstmals quantitativ genau beschreiben: ihre Verteilung - die, wie wir gesehen haben, sehr genau die großen Klimazonen der Alpen spiegelt - und was sich in den vergangenen 50 Jahren verändert hat." Michael Matiu, Studienleiter und Forscher am Institut für Erdbeobachtung von Eurac Research, Bozen

    In den Alpen liegt heute weniger Schnee als früher

    Die zentralen Ergebnisse der Studie: Im Winter liegt in den Alpen vor allem unterhalb von 2.000 Metern weniger Schnee als noch vor 50 Jahren, im Frühling in allen Höhenlagen. Dabei haben die Schneehöhen im schneeärmeren Süden in den meisten Monaten deutlich stärker abgenommen als im Norden. Die mittlere Schneehöhe in den Monaten November bis Mai ist pro Jahrzehnt um durchschnittlich 8,4 Prozent zurückgegangen. Die durchschnittliche Dauer der Schneebedeckung um 5,6 Prozent, wie die Wissenschaftler errechneten.

    Im gesamten Alpenraum gibt es im Frühling weniger Schnee

    Zwar fällt die Schneebedeckung in den einzelnen Regionen unterschiedlich aus, längerfristige Veränderungen sind jedoch im gesamten Alpenraum zu beobachten: Die 1970er- und 1980er- Jahre waren allgemein schneereich. Darauf folgte eine schneearme Phase Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre. Seitdem nahmen die Schneehöhen in den Alpen zum Teil wieder zu, erreichten allerdings nicht mehr das Niveau der 1970er-Jahre. Und überall gibt es weniger Schnee im Frühling.

    "Während im Winter je nach Lage und Höhe eine große Bandbreite an Veränderungen festzustellen ist, auch mit vereinzelten Zunahmen vor allem in höheren Lagen, verzeichneten im Frühling fast alle Messstationen Rückgänge." Alice Crespi, Studienleiterin und Forscherin am Institut für Erdbeobachtung von Eurac Research, Bozen

    Schneesaison in den Alpen hat sich seit den 1970er-Jahren erheblich verkürzt

    Unterhalb von 2.000 Metern verkürzte sich die Schneesaison so in den letzten fünf Jahrzehnten im Mittel um 22 bis 34 Tage, also um rund einen Monat. Der Boden ist im Winter tendenziell später schneebedeckt und früher wieder schneefrei, wenn der Frühling naht.

    Alpen und ihre Bewohner sind auf Schnee angewiesen

    Auf den Schnee in den Alpen sind nicht nur viele Tiere und Pflanzen angewiesen. Er spielt auch eine wichtige Rolle für die Wasserkraft, Wasser- und Trinkwasserversorgung - und natürlich für den Wintertourismus in den einzelnen Regionen.

    Klimawandel beeinflusst Schneelage in den Alpen

    Für den Studienleiter Michael Matiu sind die Ergebnisse der Studie direkte Folgen des Klimawandels: "Wir haben die Zusammenhänge in dieser Studie nicht explizit untersucht, doch ist klar, dass der Schnee auf Grund höherer Temperaturen früher und schneller schmilzt, und Niederschlag als Regen statt als Schnee fällt." Frühere Studien haben bereits nachgewiesen, dass die Durchschnittstemperatur in den Alpen etwa doppelt so schnell steigt wie im globalen Durchschnitt.

    Umfassender Datensatz als Basis für künftige Studien zum Klimawandel

    Die Ergebnisse wurden am 18. März 2021 in der renommierten Fachzeitschrift "The Cryosphere" veröffentlicht. Die Autoren der Studie betonen, dass ihre Ergebnisse ein zuverlässiges Bild der Entwicklung bis auf 2.000 Meter Höhe geben. In höheren Lagen würde es weniger Messstationen geben, hier müsse man die Zahlen vorsichtiger interpretieren. Die Wissenschaftler wollen den umfassenden Datensatz nun der gesamten Forschungsgemeinschaft zugänglich machen und hoffen, dass er durch künftige Untersuchungen kontinuierlich erweitert wird. Für Studien zum Klimawandel kann er als wichtige Basis dienen.

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