Zurück zur Startseite
Wissen
Zurück zur Startseite
Wissen

Sensorfische sollen echte Fische in Wasserkraftwerken schützen | BR24

© Abendschau/BR

Viele Fische sterben in Wasserkraftwerken. Um zu verstehen, welchen Belastungen und Gefahren die Fische hier ausgesetzt sind, setzt die Forschung Sensorfische ein, die die erforderlichen Daten liefern, um fischfreundlichere Kraftwerke zu entwickeln.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Sensorfische sollen echte Fische in Wasserkraftwerken schützen

Ein sogenannter Sensorfisch ist eine kleine Plastikkapsel voll hochempfindlicher Sensoren. Er misst alles, was ein echter Fisch erlebt, wenn er durch eine Wasserkraftanlage schwimmt. So lassen sich Gefahren erkennen und vermeiden.

Per Mail sharen
Teilen

Für viele Fische endet der Weg durch eine Wasserkraftanlage tödlich. Tiere werden geköpft oder zerstückelt. Auch deshalb ist die Wasserkraft umstritten. Mit ihr werden jährlich etwa 15 Prozent des Stroms in Deutschland gewonnen.

Ein Sensorfisch zeichnet sämtliche Daten auf

Der Sensorfisch misst unterschiedliche Daten wie den Druck, die Beschleunigung, die Rotation im Wasser und dessen Temperatur. So lässt sich aufzeichnen, was einem Fisch passieren würde, wenn er beispielsweise durch eine Wasserkraftturbine schwimmen würde.

"Wir hoffen, einen Beitrag zu fischfreundlichen Technologien leisten zu können. Wobei man eigentlich nicht fischfreundlich sagen kann, sondern: Welche der Technologien schädigen auch die Gewässerlebensräume möglichst wenig." Jürgen Geist, Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie an der Technischen Universität München

Fische sollen durch Wasserkraftanlagen nicht zu Schaden kommen

Es gibt keine Zahlen darüber, wie viele Fische weltweit in Wasserkraftanlagen sterben. Das Ziel ist, Turbinen so zu optimieren, dass sie möglichst wenig Fische schädigen. Außerdem gibt es Ableiteinrichtungen, die dafür sorgen, dass die Tiere um die Anlage herumschwimmen.

"Man versucht natürlich auch über Rechenanlagen diese Effekte zu minimieren. Aber gerade Kleinfische können besonders an größeren Anlagen meistens nicht zurückgehalten werden." Jürgen Geist, Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie an der Technischen Universität München

Luftballons lassen den Sensorfisch wieder auftauchen

Der Sensorfisch wird mit zwei Luftballons ausgestattet. Anfangs schwimmt das kleine Gerät noch am Grund, später steigt es immer weiter an die Wasseroberfläche, wo man es dann wieder einfangen kann.

"In jeden Ballon kommt eine Gelatinekapsel mit Natriumhydrogenkarbonat und Zitronensäure. Dann wird mit einer Spritze Wasser reingespritzt. Das löst die Gelatinekapsel langsam auf, das Wasser kann mit den beiden Kapseln reagieren und Kohlendioxid bilden, was den Ballon aufbläst und nach oben treibt." Melanie Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie

Umstrittene Wasserkraftanlagen können vom Sensorfisch profitieren

Ein Sensorfisch kostet etwa 3.000 Euro. Die Daten, die er aufzeichnet, ermöglichen es Betreibern von Wasserkraftwerken, ihre Technik so zu verändern, dass möglichst wenige Fische sterben.

"Weltweit sehen wir in allen Flüssen - sei es in Nord- oder Südamerika, Australien oder Europa - die gleichen Probleme. Wir alle haben das Ziel, gesunde Fischpopulationen für die Zukunft zu erhalten." Dr. Craig Boys, Fischökologe am Port Stephens Fisheries Institute in Australien

Es ist wichtig, alle technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Fische zu schonen. Denn nur dann lässt sich eine alternative Energieform wie die Wasserkraft künftig ausbauen und die Energiewende vorantreiben.

© Bayerischer Rundfunk

Ein sogenannter Sensorfisch ist eine kleine Plastikkapsel voll hochempfindlicher Sensoren. Er misst alles, was ein echter Fisch erlebt, wenn er durch eine Wasserkraftanlage schwimmt. So lassen sich Gefahren erkennen und vermeiden.