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Von Covid-19 genesen, aber nicht gesund: Rund jedem Zehnten können Corona-Spätfolgen (auch: Post-Covid oder Long-Covid) zu schaffen machen.

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    Post-Covid: Was wir bislang über die Corona-Spätfolgen wissen

    Die Coronavirus-Infektion ist überstanden, doch viele Betroffene sind auch danach nicht gesund: Manche leiden noch Monate nach einer Corona-Infektion oder Covid-19-Erkrankung unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen - teilweise massiv.

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    Von
    • Alexandra Klockau

    Im Kampf gegen die Corona-Pandemie liegt das Hauptaugenmerk nach wie vor auf der Entwicklung und Produktion von Impfstoffen sowie auf der Erforschung der Virus-Mutanten. Doch es scheint immer offensichtlicher, dass auch die Folgen einer vermeintlich überstanden Corona-Infektion nicht vergessen werden dürfen.

    Rund 3,5 Millionen Personen in Deutschland, die an einer Coronavirus-Infektion erkrankt waren, gelten derzeit laut Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) als genesen (Stand Ende Mai 2021). Doch sind sie es wirklich? Die Hinweise häufen sich, dass viele längst nicht wieder gesund sind: Nach einer Covid-19-Erkrankung kann die Gesundheit noch über Wochen und Monate beeinträchtigt sein, und das bei manchen schwer.

    Was versteht man unter Post-Covid (auch: Long-Covid)?

    Post-Covid leitet sich vom Lateinischen "post" ("nach") ab. Es bezeichnet, genauso wie Long-Covid (Lang-Covid oder auch Langzeit-Covid), Symptome, die nach einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus und einer Covid-19-Erkrankung auftreten. Die WHO spricht von einer Post-Covid-Verfassung, oft werden auch die Begriffe Post-Covid-Syndrom (PCS) oder post-akutes Covid-Syndrom verwendet. Alle Bezeichnungen meinen dasselbe: Corona-Spätfolgen.

  • Diese schweren Spätfolgen können nach einer Covid-19-Erkrankung auftreten
  • Meist spricht man von Spätfolgen einer Corona-Erkrankung, wenn Symptome noch 28 Tage oder länger nach der Infektion mit SARS-CoV-2 vorliegen. Dabei kann es sich um Beschwerden handeln, die schon während der akuten Covid-19-Erkrankung auftraten und immer noch anhalten - oder solche, die sich erst später entwickelten. Ein schwerer Husten zum Beispiel kann bereits während der akuten Infektion vorhanden sein - und den Betroffenen auch noch mehr als zwölf Wochen danach quälen. Eine Luftnot kann aber auch im späteren Verlauf erstmals auftreten.

    "Es scheint tatsächlich so zu sein, dass sich über die Infektion hinweg die Beschwerden verändern. Ich gebe mal ein Beispiel: Viele Patienten klagen im Rahmen der akuten Infektion über sehr starke Kopfschmerzen, die sich dann im weiteren Verlauf zurück entwickeln und es treten andere Symptome in den Vordergrund.“ Gernot Rohde, Pneumologe und Leiter der Post-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Frankfurt, im Coronavirus-Update (NDR), Folge 67, vom 1.12.2020

    Was ist über die Corona-Spätfolgen bekannt?

    Schon kurz nach Beginn der Pandemie gab es erste Berichte über die Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung. Viele Betroffene seien jedoch erst einmal auf "Unglauben und Unverständnis" gestoßen, schildert Hans Kluge, der WHO-Direktor für Europa. Auf viele Fragen, die Post-Covid oder Long-Covid betreffen, gibt es auch heute noch keine gesicherten Antworten. Die Erkrankung Covid-19 ist erst seit gut einem Jahr bekannt - ein kurzer Zeitraum, um Spätfolgen in belastbaren Studien zu erforschen. Außerdem standen bislang die Behandlung der akuten und vor allem schwerwiegenden Erkrankungen und die Entwicklung der Impfstoffe im Vordergrund. Erschwerend kommt hinzu, dass die Spätsymptome sehr unspezifisch ausfallen können und die bisherigen Untersuchungen hierzu nur schwer zu vergleichen sind. Einige Studien geben jedoch zumindest erste Hinweise auf Post-Covid oder Long-Covid, ebenso Berichte von Betroffenen weltweit.

    Wichtig zu wissen ist, dass auch bei anderen Virusinfektionen Langzeitfolgen auftreten können, nicht nur bei einer SARS-CoV2-Infektion. Ob Beschwerden nach einer Covid-19-Erkrankung häufiger auftreten oder schwerwiegender sind, ist noch nicht geklärt. Der beste Schutz vor den Corona-Langzeitfolgen ist es jedenfalls, eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu vermeiden.

    "Wir haben immer noch nicht vollständig ergründet, was Long-Covid ist." Janet Diaz, WHO-Expertin und Long-Covid-Beauftragte, am 2. Februar 2021

    Wie entsteht Post-Covid oder Long-Covid?

    Es scheint so zu sein, dass es einerseits Spätfolgen gibt, die durch das Coronavirus selbst verursacht werden: Zum Beispiel könne das Virus die Riechzellen und auch den Riechkolben im Gehirn infizieren und schädigen, berichtet die Virologin Sandra Ciesek im Coronavirus-Update (NDR, Folge 67, 1.12.2020).

    Das Virus kann jedoch auch Entzündungsprozesse in Gang bringen: Bei der SARS-CoV-2-Infektion werden dann niedrige Titer von Autoantikörpern gebildet - Antikörper, die sich gegen unseren Körper richten, erklärt die Virologin Sandra Ciesek: "Die sind oft nach Virusinfektionen eine Zeit lang nachweisbar und können bestimmte Symptome auslösen."

    Dann gibt es natürlich Spätfolgen, die durch eine intensivmedizinische Behandlung bei schweren Corona-Verläufen entstehen: zum Beispiel Beeinträchtigungen der Lungenfunktion nach einer künstlichen Beatmung.

    Einige Symptome können auch psychischer Herkunft sein. "Das ist natürlich so, dass die Viruserkrankung und die Corona-Pandemie alle Menschen in irgendeiner Art und Weise, ob das nun bewusst oder unbewusst ist, stark psychologisch triggert“, erklärt Pneumologe Gernot Rohde im Coronavirus-Update (NDR, Folge 67, 1.12.2020). Ob das Virus dann zu einer dauernden Stoffwechselstörung im Gehirn führe und dadurch das Risiko für eine Angststörung oder Depression erhöhe oder ob dies einfach die Pandemie mit all ihren Einschränkungen, Sorgen und Ängsten auslöse, das sei jedoch noch nicht geklärt - für Gernot Rohde sei diese Unterscheidung jedoch auch nicht wichtig:

    "Wichtig ist, dass man auf der einen Seite schaut: Was gibt es wirklich an objektivierbaren körperlichen, also somatischen Veränderungen, an denen man arbeiten muss und die man gegebenenfalls therapieren muss? Und was gibt es gegebenenfalls an psychiatrischen und neurowissenschaftlichen Veränderungen, die dann mit anderen Instrumenten untersucht und auch gegebenenfalls behandelt werden? Letztendlich: Sobald ein Mensch Symptome, Beschwerden hat, muss man das erst mal ernst nehmen." Gernot Rohde, Pneumologe und Leiter der Post-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Frankfurt, im Coronavirus-Update (NDR), Folge 67, vom 1.12.2020

    Wie viele Covid-19-Erkrankte sind von Post-Covid oder Long-Covid betroffen?

    Die Zahlen, wie viele der an Covid-19-Erkrankten an Post-Covid oder Long-Covid leiden, schwanken. Die meisten Zahlen gehen von zehn bis zwanzig Prozent der Fälle aus. Legt man hier die Zahlen aus dem täglichen RKI-Lagebericht zugrunde, bekamen oder bekommen gerade rund 250.000 Menschen in Deutschland die Spätfolgen ihrer Corona-Erkrankung zu spüren. Mindestens.

    Ein Forscherteam aus England, Schweden und der USA hat im März 2021 Daten einer Smartphone-App ausgewertet, bei der mehr als 4.000 Infizierte ihre Symptome vermerken konnten: Mehr als 13 Prozent hatten Beschwerden, die sich länger als 28 Tage zogen. 4,5 Prozent litten noch mehr als acht Wochen unter Symptomen, zwei Prozent mehr als zwölf Wochen.

    Laut einer Studie aus dem chinesischen Wuhan vom Januar 2021, die die besonders schweren Krankenhausfälle auswertete, kämpften drei von vier Patienten noch sechs Monate nach ihrer Corona-Infektion mit Spätfolgen.

    In Italien wurden in einer Studie vom Juli 2020 143 Klinikpatienten befragt: 87 Prozent gaben an, noch 60 Tage nach dem ersten Auftreten von Covid-19-Symptomen ein oder mehrere Beschwerden aufzuweisen. Die Menschen, die von Post-Covid oder Long-Covid betroffen sind, kämpfen dann nicht nur mit gesundheitlichen, sondern oft auch mit sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Laut einer Studie aus den USA vom November 2020 konnten von hospitalisierten Covid-19-Patienten auch 60 Tage nach der Diagnose nur etwas mehr als die Hälfte wieder arbeiten.

    Auch bei mildem Verlauf einer Corona-Infektion kann das Post-Covid-Syndrom auftreten

    2021 wurden in Genf 2021 432 Menschen begleitet, die einen meist milden Verlauf von Covid-19 hatten: Sieben Monate später litt noch jeder Vierte an mindestens einem Symptom. Insgesamt erfassten die Wissenschaftler 26 unterschiedliche Beschwerden.

    Eine ähnliche Studie in kleinem Maßstab veröffentlichten Forscher der Uniklinik Köln Ende Mai 2021: Sie hatten Personen, die sich 2020 mit Sars-Cov-2 infiziert hatten, aber nur einen milden Krankheitsverlauf ohne Klinikaufenthalt erlebten, nach vier und nach sieben Monaten erneut untersucht. Jeder dritte bis vierte Infizierte wies zumindest eines der folgenden Post-Covid-Symptome auf: Störungen von Geruchs- oder Geschmackssinn, Atemnot oder ungewöhnliche Müdigkeit.

    Allerdings nahmen von knapp tausend ausgewählten Personen nur etwa 400 an den beiden Folge-Untersuchungen teil. Auf die gesamte Zahl der zur Studie eingeladenen Infizierten gerechnet, wiesen demnach knapp 13 Prozent nach all der Zeit Symptome auf.

    Welche Symptome zeigen sich bei Post-Covid oder Long-Covid?

    Post-Covid oder Long-Covid kann sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen. Es gibt nicht das eine Symptom oder die klassischen Beschwerden, die nach einem ganz bestimmten Muster und Zeitraum auftreten. Oft ist es eine Kombination aus vielen Symptomen und oft treten diese in Wellen auf. Die Beschwerden, die Patienten nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 schildern, zeigen jedenfalls, dass Covid-19 keine reine Lungenerkrankung ist, sondern eine multisystemische Erkrankung.

    "Was die Patienten im Einzelnen beklagen, ist sehr sehr breit. Viele Patienten, das geht eigentlich uniform durch, beklagen, dass sie noch einen gewissen Leistungsmangel verspüren. Eine Müdigkeit, eine Abgeschlagenheit, die über das hinausgeht, was man sonst von üblichen anderen Atemwegsinfektionen zu kennen glaubt." Gernot Rohde, Pneumologe und Leiter der Post-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Frankfurt, im Coronavirus-Update (NDR), Folge 67, vom 1.12.2020

    Beispiele für Post-Covid- oder Long-Covid-Symptome

    Am häufigsten wird eine starke Müdigkeit genannt, oft in Kombination mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit, Schlappheit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwächen oder Wortfindungsstörungen. In diesem Zusammenhang wird oft auch das Chronic Fatigue Syndrome (Myalgische Enzephalomyelitis) angeführt. Vielfach sind es diverse Atemwegsbeschwerden wie Husten, eine Belastungsluftnot, eine geschwächte Atmung oder sogar eine Lungenentzündung. Oft sind Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt. Manche Betroffene klagen darüber, dass sie plötzlich vermehrt üble Gerüche wahrnehmen. Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Taubheitsgefühle und Kopfschmerzen können auftreten und andauern. Es kann zu einem Enge- oder Druckgefühl in der Brust kommen, zu intensivem Herzklopfen, Bluthochdruck oder einer Herzmuskelentzündung. Neben dem Herzen können auch Niere, Leber oder Milz betroffen sein. Schlaganfälle, Thrombosen oder Lungenembolien können auftreten. Berichtet wurde auch von starkem Schwindel, plötzlichem Erbrechen, Durchfall, Haarausfall, Potenzstörungen, Hautausschlägen und Hautveränderungen, etwa verfärbten Füßen. Oft stellen sich als Covid-19-Folgen Angstzustände oder eine Depression ein, bei Intensivpatienten kann es eine posttraumatische Belastungsstörung sein.

    "Was viele berichten, ist so ein wellenartiger Verlauf. Mal gibt es Tage, da geht es denen gut, da haben sie kaum Beschwerden. Und dann wieder gibt es Tage, da geht es ihnen ganz schlecht, sie liegen eigentlich im Bett oder sind bettlägerig, können nicht arbeiten. Das ist auch, fand ich, sehr typisch. Das haben eigentlich sehr viele berichtet, dieses Wellenartige von sehr gut bis wieder sehr schlecht." Sandra Ciesek, Virologin, im Coronavirus-Update (NDR), Folge 67, vom 1.12.2020

    Wer ist besonders von Post-Covid oder Long-Covid betroffen?

    Prinzipiell kann jeder, der eine Corona-Erkrankung vermeintlich überstanden hat, von Post-Covid- oder Long-Covid-Symptomen betroffen sein. Besonders gemein: Die Spätfolgen können auch bei demjenigen auftauchen, der die akute Infektion mit SARS-CoV-2 symptomfrei überstanden und davon vielleicht gar nichts mitbekommen hat. Die Langzeitfolgen können Betroffene jeden Alters und egal, ob Covid-19 unbemerkt, mild oder schwer verlaufen ist, mit unterschiedlicher Härte treffen.

    "Auch der milde Krankheitsverlauf schützt nicht vor Folge-Symptomen." Rembert Kozculla, Schön Klinik Berchtesgadener Land, Schönau

    Das Risiko für Corona-Spätfolgen scheint allerdings mit dem Alter und einem hohen Body-Mass-Index (BMI) zu steigen. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind Frauen, vor allem junge Frauen, häufiger von Post-Covid und Long-Covid betroffen als Männer. Auch Asthmatiker zeigen häufiger langwierige Symptome. Eine Rolle scheint auch die Anzahl der Symptome am Anfang der Covid-19-Erkrankung zu spielen: "Je mehr Symptome ich am Anfang in der ersten Woche habe, umso wahrscheinlicher ist es, dass ich einen langen Verlauf habe", berichtet die Virologin Sandra Ciesek im Coronavirus-Update (NDR, Folge 67, 1.12.2020).

    Sind auch Kinder von Post-Covid oder Long-Covid betroffen?

    Obwohl die Coronavirus-Infektionen bei ihnen meist mild oder sogar ganz ohne Symptome verlaufen, sind auch Kinder und Jugendliche von Post-Covid oder Long-Covid betroffen. Teenager bislang häufiger als Kinder in ihren ersten zehn Lebensjahren. Auch bei den Minderjährigen ist das Krankheitsbild wie bei den Erwachsenen sehr variabel. Laut Markus Hufnagel, pädiatrischer Infektiologe vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg, spielen bei ihnen jedoch ein Geruchs- und Geschmacksverlust eine geringere Rolle. Hufnagel geht davon aus, dass die Post-Covid-Fälle bei den jungen Menschen noch zunehmen – weil auch hier die Fallzahlen steigen.

    Was hilft gegen Post-Covid oder Long-Covid?

    Welche Behandlungen, Medikamente und Therapien bei Post-Covid oder Long-Covid helfen, kommt immer auf die speziellen Beschwerden an, die sehr vielfältig ausfallen können. Hier wissen die Hausärzte, entsprechenden Fachärzte und Post-Covid-Ambulanzen weiter.

    Hilft eine Corona-Impfung auch bei Post-Covid oder Long-Covid?

    Es gibt erste Beobachtungen, dass die Corona-Impfung auch denjenigen Menschen helfen könnte, die gerade mit Spätfolgen kämpfen. Dann würde die Impfung nicht zum Schutz vor Corona eingesetzt, sondern zur Therapie der Langzeitfolgen nach Corona. "Es gibt Hinweise darauf, dass das Virus im Gewebe des Zentralnervensystems nicht nur Eintritt finden kann, sondern sich dort auch über längere Zeit als woanders im Körper hält. Dass es da schlummernde, langsam replizierende Virusrestbestände gibt. Dass man die vielleicht loswerden könnte, wenn man dem Immunsystem noch mal einen richtigen Push gibt. Noch mal einen Kick, damit die T-Zellen noch mal richtig aktiv werden und die Antikörper, die B-Zellen, dass die auch noch einmal richtig produzieren", erklärt der Virologe Christian Drosten im Coronavirus-Update (NDR, Folge 78, 2.3.2021).

    Auch wenn die eigene Immunreaktion krank macht, weil das Virus vielleicht irgendwo im Körper noch schlummert und unser Immunsystem immer wieder neu provoziert, könnte eine Impfung laut Christian Drosten helfen: "Wenn man da noch einmal richtig reinimpft und noch mal einen Boost auf das Immunsystem auslöst, dass dann diese Virus-Restbestände ganz entfernt werden und dass dann auch diese Immunreaktion sich langsam wieder so ein bisschen beruhigt und dann Long-Covid-Symptome auch wieder verschwinden." Der Effekt einer Corona-Impfung auf Post-Covid- oder Long-Covid-Beschwerden ist jedoch noch nicht wissenschaftlich bewiesen, sondern beruht nur auf Beobachtungen und Aussagen von Patienten.

    Wie lange dauert Post-Covid oder Long-Covid?

    Wie lange die Post-Covid- oder Long-Covid-Beschwerden andauern, das lässt sich aufgrund der vielfältigen Symptome nicht sagen. Das RKI konstatiert im Epidemiologischen Steckbrief zu SARS-CoV-2 und Covid-19 (Stand: 18.3.2021) lediglich, dass "Wochen beziehungsweise Monate nach der akuten Erkrankung noch Symptome vorhanden sein oder neu auftreten" können und stellt fest, dass rund 40 Prozent der in der Klinik behandelten Covid-19-Patienten "längerfristig Unterstützung" benötigten. Und zitiert ebendort die "Smartphone-App-Studie" zu Covid-19-Symptomen, wonach 13,3 Prozent der Erkrankten länger als 4 Wochen, 4,5 Prozent länger als 8 Wochen und 2,3 Prozent länger als zwölf Wochen mit Beschwerden kämpften.

    Bei Beeinträchtigungen des Geruchssinns zum Beispiel dokumentierte eine Studie im Januar 2021, dass ihn 95 Prozent der Patienten etwa sechs Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion wiedererlangten. Bis sich neurologische Symptome zurückbilden, kann jedoch auch ein Jahr vergehen. Joachim Meyer, Pneumologe, Intensivmediziner und Chefarzt des Lungenzentrums der München Klinik verweist auf Erfahrungen mit den ebenfalls von Coronaviren ausgelösten Krankheiten Sars und Mers: "Nach zwölf Monaten sieht man eine deutliche Besserung von Lungenveränderungen." Wichtig sei eine konsequente ärztliche Betreuung über die gesamte Zeit, an der Betroffene an Beschwerden leiden: "Die Patienten haben viel durchgemacht - teils über Wochen. Leistung ist abhängig von der Psyche. Sie müssen erst einmal das Vertrauen wiedererlangen in ihre eigene Leistungsfähigkeit."

    Kann man von Post-Covid oder Long-Covid wieder vollständig geheilt werden?

    Ob es sich bei den Post-Covid- oder Long-Covid-Beschwerden um irreversible Dauerschäden handelt, ist unklar und wird sich noch zeigen. Einschränkungen der Lungenfunktion oder des Geruchssinns können sich auch nach vielen Monaten wieder bessern. Bei vielen Betroffen könnten manche Beschwerden jedoch auch chronisch werden. Wahrscheinlich wird es aber auch einige Patienten geben, die nie wieder ganz gesund werden. Spekuliert wurde bereits, ob eine Covid-19-Erkrankung langfristig das Risiko für Demenz oder Parkinson erhöhen könnte.

    "Noch wissen wir nicht, ob man Long-Covid heilen kann. Aber nur schon die Symptome zu behandeln, zuzuhören und den Patienten zu lehren, wie sie mit den Symptomen im Alltag umgehen, ist wichtig." Mayssan Nehme, Fachärztin für Innere Medizin, Universitätsspital Genf, in nano, 3sat, am 29.03.2021

    Wo gibt es Hilfe für Betroffene von Corona-Spätfolgen?

    Zuerst sind vor allem die Hausärzte gefragt. Sie sollten Corona-Patienten mit Spätfolgen herausfiltern und an Fachärzte überweisen. Hilfe bieten auch die vielerorts neu eingerichteten Post-Covid-Ambulanzen, bei denen Fachärzte aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten, etwa Neurologen, Internisten, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Augenärzte und Psychiater. Post-Covid-Sprechstunden und Post-Covid-Ambulanzen gibt es an immer mehr Kliniken – zum Beispiel an der Medizinischen Klinik der Universität München und am Universitätsklinikum Jena. Diese speziellen Angebote für Post-Covid- oder Long-Covid-Patienten lassen sich im Internet recherchieren und sind zum Beispiel auch bei der Selbsthilfegruppe "Langzeit-Covid" gelistet.

    Selbsthilfegruppen, bei der Betroffene Ansprechpartner und Hilfe finden, sind ebenfalls schon einige gegründet worden – neben "Langzeit-Covid" gibt es zum Beispiel auch ein Angebot für Kinder und ihre Eltern: "Long Covid Kids". Weitere Corona-Selbsthilfegruppen sind gelistet bei „NAKOS“, der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen.

    Was passiert in einer Post-Covid-Ambulanz?

    Laut Gernot Rohde, dem Leiter der Post-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Frankfurt, wäre der optimale erste Untersuchungszeitpunkt rund 28 Tage nach der Infektion. Patienten werden in einer Post-Covid-Ambulanz klinisch sehr genau und in regelmäßigen Abständen untersucht - zum Beispiel nach drei Monaten, sechs Monaten, neun Monaten und zwölf Monaten. In der Post-Covid-Ambulanz werden Patienten solange betreut, bis sie beschwerdefrei sind. Im Coronavirus-Update (NDR, Folge 67, 1.12.2020) berichtet Rohde vom Standardrepertoire der Untersuchungen, zu denen vor allem eine Lungenfunktionsprüfung gehört. Die Lungenvolumina werden bestimmt, die Muskelpumpenstärke, die bronchiale Überempfindlichkeit und es gibt einen Leistungstest. Alle geschilderten Symptome werden interdisziplinär verfolgt – dann werden Betroffene von Corona-Langzeitfolgen zum Beispiel zum Kardiologen, Neurologen, Augenarzt oder Psychiater weiterverwiesen.

    "Wir versuchen, erst einmal alle Symptome zu dokumentieren und dann - entsprechend hier dem Ansatz bei unserem Universitätsklinikum Frankfurt - die Patienten in den interdisziplinären Ambulanzen dort anzubinden." Gernot Rohde, Pneumologe und Leiter der Post-Covid-Ambulanz an der Uniklinik Frankfurt, im Coronavirus-Update (NDR), Folge 67, vom 1.12.2020

    Worauf sollten Betroffene achten?

    "Hat man einen normalen Krankheitsverlauf, wo man eine Woche oder zwei Wochen einen ordentlichen Infekt hatte, mit Husten, mit Schnupfen, mit anderen Symptomen, dann ist es völlig normal, dass das Wochen dauern kann, bis man wieder voll hergestellt ist. Das ist ein bisschen auch individuell unterschiedlich, würde ich sagen, wie robust auch jemand ist", erklärt Virologin Sandra Ciesek im Coronavirus-Update (NDR, Folge 67, 1.12.2020). Patienten, die glauben, an einem Post-Covid- oder Long-Covid-Syndrom zu leiden, sollten ihre Beschwerden genau beobachten und ihren behandelnden Arzt informieren. "Wenn nach sechs bis acht Wochen noch Atemnot vorherrscht, sollte das unbedingt untersucht werden", rät zum Beispiel Claus Vogelmeier, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lungenstiftung e.V. Da viele Covid-19-Erkrankungen symptomfrei verlaufen, sollte jedoch jeder, dem plötzliche Veränderungen des Gesundheitszustandes oder am Körper auffallen, mit seinem Hausarzt darüber sprechen. Ein Antikörpertest kann dann Aufschluss darüber geben, ob die Symptome eventuelle Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung sein könnten. Da hinter vielen Beschwerden aber auch andere Auslöser außer dem SARS-CoV-2-Virus stecken können, werden sicher weitere Abklärungen und Blutuntersuchungen folgen.

    Quellen und weiterführende Informationen:

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