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Corona-Spätfolgen Post-Covid - Wenn das Herz Schaden nimmt

Neben der Lunge kann auch das Herz von einer Covid-19-Infektion betroffen sein - selbst bei mildem Verlauf. Kardiologen warnen vor Post-Covid-Syndromen am Herzen. SARS-CoV-2 kann prinzipiell alle Zellen des Körpers befallen.

Stand: 13.11.2020 13:11 Uhr

Auch das Herz kann durch eine Covid-19-Erkrankung Schaden nehmen. | Bild: picture alliance

Im Sommer 2020 stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hamburg bereits fest, dass sich das neuartige Coronavirus auch im Herzen ausbreitet. Es kann Herzzellen infizieren und sich darin vermehren, so ihre Studie, die am 27. Juli 2020 in der Fachzeitschrift JAMA Cardiology veröffentlich wurde.

Post-Covid - Zwei Drittel der Covid-19-Erkrankten haben Coronaviren im Herzen

Die Hamburger Forscher hatten 39 verstorbene Herzpatienten untersucht, die mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert waren. Bei rund zwei Drittel der untersuchten Patientinnen und Patienten (24 von 39) konnten die Forschenden im Herzgewebe das neuartige Corona
nachweisen.

"Mit den nun vorliegenden Untersuchungsergebnissen haben wir deutlich mehr Klarheit. Wir wissen, dass SARS-CoV-2 das Herz befällt und sich das Virus auch in der betreffenden Zelle vermehrt."

Dirk Westermann, Kardiologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Spätfolgen - Auch bei mildem Verlauf kann das Herz durch Covis-19 leiden

Forschende der Goethe-Universität Frankfurt bestätigen dieses Ergebnis in einer weiteren Studie: Von 100 infizierten Patienten im Alter zwischen 45 und 53 Jahren zeigten Dreiviertel eine Herzschädigung. Diese trat auch bei Patienten auf, die einen milden Verlauf hatten.

"Besonders besorgniserregend ist der Umstand, dass sich eine Infektion mit dem neuen Coronavirus offenbar unabhängig von der Schwere der Infektion, bestehender Vorerkrankungen und dem generellen Verlauf der Akuterkrankung langfristig im Herzen manifestieren kann."

 Valentina Puntmann, Kardiologin an der Universitätsklinik Frankfurt

Herzmuskelentzündung als Spätfolge von Covid-19

Mediziner der Universitätsklinik in Mainz untersuchten zwei Fälle junger Covid-19-Patienten näher. Diese zeigten mehrere Wochen nach der akuten Virusinfektion Schädigungen am Herzen. Als eine der ersten Forschungsgruppen weltweit publizierten sie diesen Zusammenhang am 20. Juni 2020 im Fachblatt Cardiovascular Research.

"Wir konnten feststellen, dass Patienten, die eine Corona Infektion durchgemacht hatten, einige Wochen später auffällig wurden mit Symptomen einer akuten Herzmuskelentzündung."

Philipp Wenzel, Kardiologe an der Universitätsklinik Mainz

Post-Covid - Herzprobleme und Fatigue ähneln sich

Auch junge Menschen können als Post-Covid-Syndrom Herzprobleme bekommen.

Die Forschungen in Mainz zeigen, dass selbst junge und körperlich aktive Menschen eine Herzerkrankung entwickeln können. Wenn sich genesene Corona-Patienten nach Monaten immer noch schwach und müde fühlen, wird in manchen Fällen fälschlicherweise ein Fatigue-Syndrom, eine chronische Erschöpfung, diagnostiziert.

"Dieses Fatigue-Syndrom äußert sich durch Abgeschlagenheit, Leistungsknick und Müdigkeit. Seine Ursachen sind letzten Endes noch nicht bekannt. Allerdings ist es auch so, dass die Symptome des Fatigue-Syndroms auch bei einer chronischen Herzmuskelentzündung auftreten können."

Philipp Wenzel, Kardiologe an der Universitätsklinik Mainz

Post-Covid - Nachsorge ist Pflicht für Covid-19-Patienten

Experten empfehlen auch Patienten, die einen milden Verlauf hatten, sich einige Monate nach Abklingen der Covid-19-Infektion erneut untersuchen zu lassen. Das Virus ist noch zu unbekannt, als dass bereits sämtliche Spätfolgen bekannt wären. Deshalb ist die ärztliche Begleitung besonders wichtig.

"Es gibt Zentren in Deutschland, zum Beispiel in Freiburg, wo extra Corona-Ambulanzen eingerichtet werden, um Patienten auch nach einer durchgemachten Covid-Erkrankung optimal nachversorgen zu können."

Philipp Wenzel, Kardiologe an der Universitätsklinik Mainz


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