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Ein Team aus Forschern der Universität Erlangen und Berlin konnten einen Patienten von seiner Long-Covid-Erkrankung mithilfe eines Herzmedikamentes heilen. Es muss nun geprüft werden, ob der Wirkstoff auch anderen Patienten helfen kann.

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Erlanger Ärzte heilen erstmals einen Long Covid-Patienten

Die Universitätsklinik Erlangen hat eine womöglich bedeutsame Entdeckung gemacht: Ein Long Covid-Patient wurde nach der Behandlung mit einem Herzmedikament beschwerdefrei. Ob der Wirkstoff auch anderen Patienten hilft, muss nun geprüft werden.

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Von
  • Eleonore Birkenstock
  • BR24 Redaktion

Erst vor Kurzem haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg für Aufsehen gesorgt, als sie eine mögliche Ursache der Long-Covid-Erkrankung entdeckt hatten. Heute (Fr. 2. Juli) meldet die Universität, dass Ärzten am Uniklinikum der angeblich weltweit erste Heilversuch eines Long-Covid-Patienten gelungen sei. Ein Team der Augenklinik habe einen 59-Jährigen mit Long-Covid mit einem Herzmedikament behandelt. Der Patient sei anschließend beschwerdefrei gewesen.

Ob der Wirkstoff auch anderen Long-Covid-Betroffenen helfen könnte, soll bald in einer klinischen Studie überprüft werden, so die Universität.

Herzmedikament war auch schon bei Grünem Star erfolgreich

Ein Ärzteteam verschiedener Fachrichtungen hatte im Rahmen einer Studie bereits herausgefunden, dass sich eine Covid-19-Infektion auch auf die Durchblutung der Augen auswirken kann. Im Blut der betroffenen Patienten fanden sie bestimmte Eiweißstoffe, die auch bei einer Glaukom-Erkrankung (Grüner Star) auftreten: Es handelt sich dabei um sogenannte Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren.

"Darunter ist zu verstehen, dass sich die per se gute Immunabwehr gegen den eigenen Körper richtet und Stoffe bildet, die schädlich sein können. Das bringt teils schwerwiegende Folgen mit sich", erklärt Dr. Dr. Bettina Hohberger, Fachärztin der Erlanger Augenklinik. "Wir kennen einen dieser Autoantikörper bereits von der Glaukom-Erkrankung und wissen von seiner schlechten Wirkung auf die Augendurchblutung", erklärt die Ärztin.

Nach drei Tagen Infusion: Long Covid-Patient kann wieder schmecken

Bettina Hohberger kannte jedoch ein Medikament, das diese Autoantikörper unschädlich macht und Durchblutungsstörungen verbessert. Dieses war aber ursprünglich für Herz-Patienten entwickelt worden. Sie habe eigentlich einem Glaukom-Patienten helfen wollen, berichtet die Ärztin.

Im Rahmen der Behandlung mit dem Medikament, drei Tage per Infusion, habe sich der Zustand des Long-Covid-Patienten verbessert: Die Konzentrationsschwierigkeiten seien verschwunden, die Leistungsfähigkeit des 59-Jährigen sei wieder angestiegen und der Geschmackssinn zurückgekehrt.

Bessere Durchblutung: Sind Long Covid-Beschwerden auf Dauer weg?

"Als wir dann die Ergebnisse sahen, die aus Kooperationsprojekten zu Long Covid entstanden sind, waren es wie viele kleine Puzzlestücke, die für uns zusammenpassten. Es war durchaus denkbar, dass sich auch die Long-Covid-Symptomatik dadurch bessern könnte", erklärt die Medizinerin.

Das Team der Erlanger Augenklinik geht deshalb davon aus, dass die Long Covid-Beschwerden des Patienten dank der verbesserten Durchblutung verschwunden sind. Ob das Medikament auch bei anderen Patientinnen und Patienten anschlägt, soll eine nun folgende Studie zeigen.

Von Long Covid oder Post Covid spricht man, wenn Menschen nach einer Corona-Infektion auch Monate später noch nicht ihre volle Leistungsfähigkeit wiedererlangt haben. Die Symptome reichen von Erschöpfung über Atemnot bis hin zu fehlender Ausdauer. Etwa zehn bis 20 Prozent der Menschen, die am Coronavirus erkrankt waren, leiden daran.

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