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Schwellungen an Zehen, Fußsohlen, Fersen, Fingern oder Gliedmaßen: Ist der "Covid-Zeh" eine Spätfolge der Coronavirus-Infektion?

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    Coronavirus: Neues Symptom "Frostbeulen" an Zehen oder Fingern?

    In Spanien, Frankreich, Italien und den USA sind bei Hautärzten vermehrt Menschen mit frostbeulenartigen Schwellungen an Zehen, Füßen oder Fingern aufgetaucht. Spanische Ärzte sehen einen Zusammenhang mit Covid-19.

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    Von
    • Tanja Fieber

    Normalerweise haben Frostbeulen im tiefsten Winter Saison. Doch nicht so dieses Jahr. Die Frostbeulen-Saison ist längst vorbei und doch kommen in ein paar europäischen Ländern und den USA, genauer San Francisco und Boston, auffällig viele Menschen mit roten, juckenden, stark schmerzenden Schwellungen an Zehen, Fingern, Fußsohlen, Fersen oder Gliedmaßen zu Hautärzten. Die meisten hatten nie zuvor Probleme mit Frostbeulen und sind eher jung.

    Neues Symptom "Covid-Zeh"?

    Das überraschte auch eine spanische Ärztegemeinschaft namens "Teledermasolidaria", die im Home Office Patienten online betreut und per Email vermehrt Fotos von entzündeten Zehen zugesendet bekam. Ihre Erkenntnisse und die Fallberichte von sechs Patienten gaben sie in einer Studie weiter, die am 24. April 2020 im Fachmagazin "International Journal of Dermatology" online veröffentlicht wurde. Keiner der Patienten des spanischen Ärzteteams hatte zum Zeitpunkt der frostbeulenartigen Schwellungen Symptome einer Coronavirus-Infektion oder Covid-19 im akuten Stadium.

    Zwei Patienten waren Wochen vorher positiv auf das Coronavirus getestet worden, zwei andere hatten ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Andere hatten im Vorfeld nur leichte Symptome wie Husten oder Fieber. Ein 15-Jähriger mit Asthma und fünf Entzündungen an Zehen- und Fersen wurde zwar negativ auf das Coronavirus getestet (PCR-Test), hatte aber eine unentdeckte beidseitige Lungenentzündung und musste behandelt werden. Das spanische Ärzteteam hält es aufgrund der Begleitumstände für möglich, dass der "Covid-Zeh" Wochen nach einer asymptomatisch verlaufenen Coronavirus-Infektion auftreten kann. Das würde auch Fälle wie den des negativ getesteten 15-jährigen Asthmatikers mit beidseitiger Lungenentzündung erklären.

    Internationales Register für Coronavirus-Komplikationen

    Nach Angaben der New York Times machen "Zehen-Fälle" die Hälfte aller gelisteten Berichte von Hautärzten weltweit aus, die in einem neuen internationalen Register der American Academy of Dermatology gesammelt werden. Mit dem Register sollen Komplikationen von Coronavirus-Infektionen verfolgt werden.

    In München dagegen gab es bislang keine auffällige Erhöhung von Patienten mit Zeh-Schwellungen, war auf Nachfrage vom Verband der "München Klinik" und der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München zu hören.

    Hautveränderungen unter Covid-19

    Bis zu 20 Prozent der wegen Covid-19 stationär behandelten Patienten haben Veränderungen an der Haut, gibt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) auf Nachfrage an. Die Hauterscheinungen haben ein breites Spektrum. Ob und was sie über den Verlauf der Infektion aussagen, ist noch unklar. Auch Reaktionen auf eingenommene Medikamente sind möglich. Zudem können sich bereits bestehende Hautkrankheiten wie Rosacea und Ekzeme, besonders das atopische Ekzem, unter der Infektion verschlechtern.

    Hautausschläge bei Virusinfektionen

    Bisher war schon bekannt, dass bei einer Grippe im akuten Stadium Hautausschläge oder Nesselsucht auftreten können. Bei Kindern ist das auch bei anderen akuten viralen Infekten dokumentiert. Dass nun aber nach einer durchstandenen Virusinfektion Hautschwellungen und -entzündungen an Zehen und Fingern auftreten können, ist neu.

    Hautausschläge bei Tieren mit Coronavirus-Infektion

    Hautausschläge wurden auch schon bei Tieren - vor allem Katzen - entdeckt, die mit dem Coronavirus infiziert waren. Sie kamen besonders bei jungen Tieren und im Spätstadium der Erkrankung vor. Die Ausschläge sahen aus wie knotige Geschwüre (Pyodermatitis). Untersuchungen ergaben jedoch, dass es sich um Gefäßentzündungen und absterbendes Zellgewebe handelte.

    Der "Covid-Zeh" heilt von selbst

    Eine gute Nachricht zum Schluss: Der "Covid-Zeh, -Finger oder -Fuß" ist zwar sehr schmerzhaft, verheilt aber, soweit bekannt, nach ein paar Wochen von selbst. Erst ist das Gewebe rot und geschwollen, dann flacht es ab und die Entzündungen verfärben sich violett. Auf das Coronavirus testen lassen sollte man sich also nicht nur bei akuten grippeähnlichen Symptomen, Schmerzen in der Brust, Kurzatmigkeit und dem Verlust des Geruchssinns, sondern auch, wenn man plötzlich frostbeulenartige Schwellungen an Zehen, Fingern oder Füßen hat. Dahinter könnte sich ein asymptomatischer Verlauf einer Coronavirus-Infektion verbergen.

    Behält das spanische Hautärzteteam recht, hat man die Infektion dann aber bereits überstanden.