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Corona-Spätfolgen Post-Covid - Wenn die Nieren versagen

Das Coronavirus geht buchstäblich an die Nieren. Bei schweren Verläufen kann es zu akutem Nierenversagen kommen. Post-Covid-Syndrome sind auch bei mildem Verlauf möglich. Experten empfehlen allen Covid-19-Patienten zur Nachsorge zu gehen.

Stand: 02.12.2020

Das Coronavirus kann sämtliche Organe, auch die Niere, angreifen. Das kann eine Dialyse nötig machen. | Bild: picture-alliance

SARS-CoV-2 gilt als „Multi-Organ-Virus“ und ist kein reines Atemwegsvirus. Nach der Lunge befällt es vor allem die Niere. Bereits im August 2020 veröffentlichten Hamburger Pathologen eine Studie, wonach bei 60 Prozent der an Covid-19 verstorbenen Menschen Coronaviren in der Niere nachweisbar waren.

Post-Covid - Wenn Covid-19 auf die Nieren schlägt

Bei Infizierten zeigen sich bei Urinkontrollen veränderte Nierenwerte. Patienten mit Vorerkrankung der Niere haben häufiger einen schweren Verlauf. Aber auch umgekehrt gilt: Wer schwer an Covid-19 erkrankt, erleidet in der Hälfte der Fälle ein akutes Nierenversagen.

"Fast alle Covid-Patienten mit einer Lungenentzündung, die beatmet werden müssen, haben ein akutes Nierenversagen. Bei 30 Prozent dieser Patienten sind die Nieren so stark eingeschränkt, dass sie eine Dialyse benötigen."

Christoph Galle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie.

Covid-19-Spätfolgen - Blutgerinnsel können der Niere schaden

Covid-19-Patienten bekommen viele Arzneistoffe - etwa Antibiotika oder auch entwässernde Medikamente - die sich auch auf die Nieren schlagen können. Mediziner beobachten außerdem, dass bei schwer an Covid-19 Erkrankten das Blut schneller gerinnt. So können sich Blutgerinnsel bilden, die Gefäße verstopfen. Das kann auch in der Niere passieren, sodass es zu kleinen Infarkten im Nierengewebe kommen kann.

"Wir sehen große Probleme in der Blutgerinnung bei Covid-19, die sich unter anderem in sogenannten Mikrothromben, kleinen Verklumpungen, Verstopfungen in der Lunge in der Niere zeigen. Das könnte ein Grund sein, warum die Niere auch geschädigt wird."

Oliver Keppler, Münchner Virologe und Leiter des Max-Pettenkofer-Instituts der LMU München

Schwere Erkrankungen beeinträchtigen die Niere generell

Bis jetzt ist noch nicht im Detail geklärt, in welcher Art das Coronavirus in der Niere ansetzt und mögliche Schädigungen hervorruft.

Post-Covid - Als Spätfolge von Covid-19 können die Nieren erkranken.

"Es gibt viele Hypothesen und Ideen, aber noch keinen Beweis, was das Virus in der Niere genau macht. Nach unserer Erfahrung ist die eingeschränkte Nierenfunktion nicht hochspezifisch für die Covid-19-Erkrankung. Man sieht Nierenprobleme auch bei vielen anderen Krankheiten, vor allem, wenn sie vergleichbar schwer sind."

Winfried Kern, Infektiologe und Leiter der Corona-Nachsorgeambulanz in Freiburg

Post-Covid - auch von Covid-19-Genesene sollen zur Nachsorge gehen!

Die Universitätsklinik Freiburg gehört in Deutschland zu den Kliniken, die eine Corona-Nachsorge-Ambulanz eingerichtet haben. Dort können sich Genesene, die unter Nachwirkungen wie zum Beispiel veränderten Nierenwerten leiden, untersuchen und beraten lassen.

"Es gibt auch in unserer Nachsorge-Ambulanz Patienten, die nach wie vor keine normalisierte Nieren-Funktionen haben, sondern noch auffällige Werte. Die sind nicht kritisch, aber zeigen noch messbar eine eingeschränkte Nierenfunktion an."

Winfried Kern, Infektiologe und Leiter der Corona-Nachsorgeambulanz in Freiburg

Eine schwere Covid-19-Erkrankung kann zu akutem Nierenversagen führen. Das ist problematisch, aber im Gegensatz zum chronischen Nierenversagen erholt sich das Organ in der Regel wieder, wenn die Covid-19-Erkrankung überstanden ist. Experten raten, nach einer Coronainfektion zur Nachsorge zu gehen, da noch nicht klar ist, welche Spätfolgen das Virus SARS-CoV-2 verursachen kann.


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