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Fast jeder vierte Deutsche laut Studie fettleibig | BR24

© dpa/Frank May/Bearbeitung BR

Zucker und bestimmte Fette können zu Übergewicht führen.

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    Fast jeder vierte Deutsche laut Studie fettleibig

    Fettleibigkeit senkt die Lebenserwartung: 2,6 Jahre leben die Deutschen deshalb kürzer. Auch die Wirtschaftsleistung sinkt. In Deutschland verringert krankhaftes Übergewicht laut einer aktuellen Studie das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent.

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    Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) verdeutlicht in ihrer aktuellen Studie, welche gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Belastungen das Problem Übergewicht mit sich bringt.

    90 Millionen Menschen werden an den Folgen des Übergewichts sterben

    Die düstere Prognose der OECD-Experten: Übergewicht wird in den nächsten drei Jahrzehnten in den Industrie- und Schwellenländern mehr als 90 Millionen Menschen das Leben kosten. Die OECD vereint die meisten hoch entwickelten Wirtschaftsnationen und Schwellenländer wie Mexiko oder die Türkei und hat 36 Mitgliedsstaaten.

    Fast 11 Prozent der Gesundheitsausgaben in Deutschland für Übergewichtige

    Übergewicht wird weltweit zu einer immer größeren Belastung. Für den Einzelnen, aber auch für die gesamte Gesellschaft. In Deutschland fließen 10,7 Prozent der Ausgaben im Bereich Gesundheit in die Behandlung von Übergewichtigen und den damit verstärkt auftretenden Folgekrankheiten. Nur die Niederlande und die USA geben in diesem Bereich noch mehr Geld aus.

    Fettleibigkeit führt meist zu gesundheitlichen Problemen

    Wer einen Body-Mass-Index über 25 hat, gilt als übergewichtig - wer einen Wert über 30 hat, als fettleibig. Adipositas verursacht in den OECD-Ländern statistisch gesehen 70 Prozent der Diabetes-Behandlungskosten, 23 Prozent der Behandlungskosten für Herzkreislauferkrankungen und neun Prozent der Krebs-Behandlungskosten.

    Vor allem Menschen mit geringem Einkommen von Adipositas betroffen

    Es zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zum Einkommen: Wer wenig verdient, hat mehr Probleme mit krankhaftem Übergewicht. Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit um 90 Prozent erhöht, bei Männern um 50 Prozent höher im Vergleich zu Frauen und Männern der höchsten Einkommensklasse.

    Fettleibige haben es bei der Jobsuche schwer

    Wenn jemand schon eine Krankheit entwickelt hat, die mit Übergewicht im Zusammenhang steht, hat diese Person eine acht Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, im Lauf des Folgejahres eine Anstellung zu finden. Selbst wer eine Stelle hat und adipös ist, fehlt mit 3,4 Prozent erhöhter Wahrscheinlichkeit häufiger bei der Arbeit und ist insgesamt weniger produktiv.

    Übergewichtige Kinder haben oft Probleme in der Schule

    Vor allem Kinder leiden unter den Folgen ihres Übergewichts. Die OECD hat ermittelt, dass sich dicke Kinder in der Schule schwerer tun und schlechtere Noten bekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie gute Schulleistungen erzielen, sei um 13 Prozent geringer als bei anderen. Außerdem würden Kinder mit Übergewicht länger in der Schule fehlen und häufiger von ihren Klassenkameraden gemobbt, so die Experten.

    Ein investierter Euro bringt am Ende sechs Euro wirtschaftlichen Nutzen

    Die OECD-Daten zeigen auch, dass sich Prävention lohnt. Dazu gehört beispielsweise eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln. Außerdem helfen strengere Regeln, um Werbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder einzuschränken. Jeder Euro, so die OECD-Experten, der in präventive Maßnahmen gesteckt wird, zahlt sich mit sechs Euro an Einsparungen oder wirtschaftlichen Vorteilen wieder aus.

    "Die Studienergebnisse zeigen, wie sehr wir eine Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik brauchen, die das Leben der Menschen verbessert. Mit echter Präventionspolitik können wir verhindern, dass sich der Trend zu krankhaftem Übergewicht in den kommenden Generationen fortsetzt. Davon wird auch die Wirtschaft profitieren. Für Untätigkeit gibt es keine Entschuldigung mehr." OECD-Generalsekretär Angel Gurría

    Herzkrankheiten lassen sich durch gesunde Ernährung reduzieren

    Wenn der Kaloriengehalt von energiereichen Nahrungsmitteln wie Chips und Süßwaren um 20 Prozent reduziert würde, könnten über eine Million chronische Erkrankungen jedes Jahr vermieden werden - darunter insbesondere Herzkrankheiten.

    "Es gibt ganz klare ökonomische und gesellschaftliche Gründe dafür, dem Trend zu krankhaftem Übergewicht eine Politik entgegenzusetzen, die eine gesündere Lebensweise fördert." OECD-Generalsekretär Angel Gurría

    Zu viel Zucker und bestimmte Fette sollte man meiden

    Dick machende Lebensmittel und kalorienreiche Getränke sollte in Zukunft ebenso verpönt sein wie Nikotin. Dieser gesellschaftliche Wandel müsse sich in sämtlichen Bereichen vollziehen, so die OECD-Experten. Hilfreich wären groß angelegte Informationskampagnen in Bildungseinrichtungen und Medien, noch mehr Warnhinweise auf Lebensmitteln, Bewegungsrichtlinien und gesetzliche Beschränkungen für Zucker und bestimmte Fette.