Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


17

Übergewicht Wann wird es medizinisch bedenklich?

Während sich einerseits viele Mädchen und Jungen die Pfunde systematisch so herunterhungern, dass sie krank werden, schrumpft andererseits laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes (1999-2009) die Anzahl der Personen mit Normalgewicht. Eindeutig zugenommen hat im Gegenzug der Anteil der Bevölkerung mit Adipositas (schweres Übergewicht). Weitgehend konstant geblieben ist dagegen der Anteil der Personen mit Übergewicht.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 10.04.2017

Koerpergewichts-Kontrolle mit einer roten Waage | Bild: Koerpergewichts-Kontrolle mit einer roten Waage

Auch wenn nicht bei jedem Patienten der Body Mass Index (BMI) als Richtschnur herangezogen werden kann, weil beispielsweise muskulöse Menschen, die viel Krafttraining machen, durch ihre Muskelmasse auch entsprechend Gewicht auf die Waage bringen können, entscheiden mittlerweile doch die meisten Mediziner an Hand des BMIs, ob jemand Übergewicht hat oder nicht. Der BMI berechnet sich nach Körpergewicht (Kilogramm) dividiert durch Körpergröße (Meter) im Quadrat.

Beispiel:

BMI-Berechnung:
83 kg : 1,88 x 1,88m = 23,48 kg/m² (d.h. ca. 23,5)

Die Leitlinie der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAAG) unterteilt:

Personen mit Normalgewicht: BMI zwischen 18,5 und 24,9

Übergewichtige: BMI zwischen 25 und 29,9

Adipositas: BMI ≥ 30

"Wer übergewichtig ist und gleichzeitig eine Erkrankung hat, die dadurch bedingt ist, wie z.B. Diabetes mellitus oder Bluthochdruck, sollte aus medizinischer Sicht abnehmen. Wer dagegen adipös ist, auch wenn er scheinbar gesund ist, muss abnehmen."

Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Internistin und Ernährungsmedizinerin, Universitätsklinik Erlangen.

Bauchfett

Wichtig aus medizinischer Sicht ist auch die Fettverteilung, denn besonders nachteilig wirkt sich das Fett im Oberbauchraum und an den inneren Organen (viszerales Fett) aus, denn das kann den Stoffwechsel von Fetten und Kohlenhydraten beeinflussen, so dass z.B. Diabetes entsteht. Außerdem kann sich dieses viszerale Fett negativ auf das Immunsystem auswirken, was zu chronischen Entzündungsreaktionen führen kann, die Tumorerkrankungen begünstigen.

Tipp:

Ein deutlich erhöhtes Risiko haben Frauen mit einem Taillenumfang über 88 cm und Männer über 102 cm.

Folgekrankheiten

Wer Adipositas hat, belastet sein Organe und Organsysteme. Darüber hinaus haben Betroffene ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen. Sie riskieren, ausgeprägte Rückenprobleme zu bekommen, Gelenkstörungen und eine Fettleber. Das gilt auch für adipöse Kinder und Jugendliche, deren Anzahl in den letzten zwanzig Jahren gestiegen ist.

Metabolisches Syndrom

Weltweit gibt es dafür verschiedene Definitionen, als wichtigster Faktor jedoch gilt das Übergewicht bzw. Adipositas. International gebräuchlich sind vor allem folgende Risikofaktoren:

Taillenumfang: Männer ≥ 94 bzw. > 102 cm, Frauen ≥ 80 bzw. > 88 cm

Triglyceride (Blutfette): ≥ 150 mg/dl

HDL-Cholesterin: Männer < 40 mg/dl, Frauen < 50 mg/dl

Blutdruck: ≥ 130/85 mmHg

Nüchternblutzucker: ≥ 100 mg/dL

"Für den Begriff Fettleibigkeit gibt es keine eigene medizinische Definition. Der Begriff ist vielmehr ein Synonym für Adipositas und umschreibt, dass eine überhöhte Fettmasse im Körper vorliegt, die zu Gesundheitsrisiken führt."

Prof. Dr. Yurdagül Zopf.

Gesellschaftliche Kosten

Laut Deutscher Adipositas Gesellschaft sind Übergewicht und Adipositas mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden, die jährlichen Ausgaben für die Behandlung von Folgeerkrankungen liegen in einer Höhe von ca. 15 Mrd. €. Dazu kommen Kosten für die Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit bzw. vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit.


17