Bayern 2


0

Psychokardiologie Wechselwirkung zwischen Herz und Seele

Herz und Seele beeinflussen sich gegenseitig: Niedergeschlagenheit, Ängste, Ärger und Stress können das Herz-Kreislauf-System beeinflussen und dadurch Krankheiten langfristig auslösen oder verschlechtern. Aber Herzkrankheiten können wiederum auch zu Depressionen führen.

Von: Uli Hesse

Stand: 27.03.2019

Frau spendet verzweifeltem Mann Trost | Bild: John Foxx Images

Das Fach Psychokardiologie kombiniert Wissen aus der Psychosomatik, Psychologie, Soziologie, Arbeitsmedizin und Kardiologie um herauszufinden, inwieweit die Seele den Verlauf und die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst.

Psychokardiologie: Historie

Die Amerikanerin H. Flanders Dunbar gilt als Pionierin; sie untersuchte die Zusammenhänge zwischen Herz und Psyche bereits in den 40er Jahren an einer New Yorker Klinik. Den größten Einfluss hatten allerdings große internationale Studien, bei denen - eigentlich nur nebenbei – seelische Befindlichkeiten abgefragt wurden. Die wichtigste ist die Framingham-Herz-Studie, eine Langzeitstudie, die seit 1948 die Zusammenhänge zwischen Herzkrankheiten und unterschiedlichsten Risikofaktoren untersucht.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die koronare Herzkrankheit entsteht, wenn fett- und kalkhaltige Ablagerungen die Herzkranzgefäße verengen und der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Koronare Herzkrankheiten sind die häufigste Todesursache in Deutschland; etwa ein Fünftel aller Menschen sterben daran. Studien haben ergeben, dass Depressive ein erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Bein- und Beckenarterien zu erleiden.

Risikofaktoren

Die körperlichen Risikofaktoren für die Entstehung einer Herzkrankheit sind seit langem bekannt. Wer raucht, zu viel wiegt und sich nicht bewegt, riskiert langfristig eine Herz-Kreislauf-Erkrankung; dazu kommen nichtbehandelte Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes.

"Mehrere Studien seit 1984 am Helmholtz Zentrum ergaben ein ähnlich hohes Herzrisiko für Depressionen wie für die klassischen Risiken Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht und hoher Cholesterinspiegel."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Einfluss auf den Verlauf

Aber die Seele kann auch den Verlauf dieser Herz- und Kreislaufkrankheiten beeinflussen. Depressive Patienten haben häufig eher einen ungesunden Lebensstil, und ihre Herzerkrankungen verlaufen daher im Allgemeinen schwerer. Nach der Diagnose haben sie größere Schwierigkeiten als seelisch weniger stark beanspruchte Menschen, ungesunde Gewohnheiten aufzugeben und die Behandlung wie vorgesehen durchzuhalten.

Krankheit macht depressiv

Aber eine Herz-Kreislauf-Erkrankung kann natürlich auch umgekehrt aufs Gemüt schlagen: Niedergeschlagenheit, Zukunftsängste um Familie und Beruf, die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit, bevorstehende Operationen, Medikamente mit starken Nebenwirkungen sowie chronische Schmerzen – all das kann zu einer Depression führen, die wiederum die Behandlung erschwert. Ein Teufelskreis, dem Patienten nur entkommen, wenn Seele und Körper ganzheitlich behandelt werden.


0