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Der Kampf gegen Krebs geht jeden einzelnen an | BR24

© dpa / picture-alliance

Auf dieser MRT-Aufnahme ist ein Tumor im Lungenflügel zu erkennen.

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    Der Kampf gegen Krebs geht jeden einzelnen an

    Am 4. Februar ist Weltkrebstag, in diesem Jahr zum 20. Mal. In Deutschland lautet das Motto "Ich bin und ich werde". Die Stiftung Deutsche Krebshilfe will damit zum Nachdenken aufrufen, was jeder einzelne zur Bekämpfung von Krebs tun kann.

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    In Deutschland sind Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache. Doch Krebs folgt bereits an zweiter Stelle. Im Jahr 2016 starben 231.000 Menschen daran. Etwa 492.000 Menschen erkrankten 2016 in Deutschland neu an Krebs. Das geht aus den aktuellen Daten des deutschen Krebsregisters hervor. Für das Jahr 2020 sagen Fachleute einen Anstieg auf über 500.000 Krebsneuerkrankungen voraus. Diese Zahlen könnten niedriger sein. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sind sich sicher: Mindestens 37 Prozent der Krebsneuerkrankungen gehen auf das Konto eigentlich vermeidbarer Risikofaktoren. Würden zusätzlich Früherkennungsmaßnahmen in Anspruch genommen, könne man sogar die Hälfte aller Krebserkrankungen verhindern.

    Gesunde Lebensweise kann Krebs vorbeugen

    Den Krebsforschern zufolge ist Rauchen der wichtigste Krebsrisikofaktor in Deutschland. Der Tabakkonsum sei für mehr als 85.000 Krebserkrankungen pro Jahr verantwortlich. Ungesunde Ernährung, Übergewicht, mangelnde Bewegung und ein hoher Alkoholkonsum sind weitere Risikofaktoren. Ein hoher Körperfettanteil erhöhe das Risiko für mindestens elf Krebsarten, etwa für Krebs des Dick- und Enddarms, der Leber und der Niere. Generell sollten auf dem Speiseplan häufig Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst stehen. Wenig essen sollte man von kalorienreichen Lebensmitteln, die viel Zucker und Fett enthalten, von verarbeitetem und rotem Fleisch sowie von stark salzhaltigen Speisen. Experten empfehlen zudem, sich 30 Minuten täglich zu bewegen. Sonnenschutz und der Verzicht auf das Solarium schützen vor Hautkrebs. Doch selbst der vorbildlichste Lebensstil kann keinen absoluten Schutz vor Krebs bieten, betonen Wissenschaftler.

    Krebs-Risikofaktoren Viren, Veranlagung, Zufall und Zeit

    Chronische Entzündungen können ebenfalls zu Krebs führen, ebenso Bakterien und Viren. Humane Papillomaviren (HPV) können zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs auslösen. Dagegen gibt es mittlerweile eine Impfung. Krebsforscher weisen darauf hin, dass schätzungsweise fünf bis zehn von hundert Krebserkrankungen auf Veranlagung zurückgehen und dass auch Zufall und Zeit beim Entstehen von Krebs eine Rolle spielen. Bei jeder Zellteilung wird die Erbsubstanz verdoppelt und auf Tochterzellen verteilt. Dabei kann es zu Fehlern kommen. Solche Schäden an der Erbsubstanz sammeln sich im Laufe des Lebens an. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, dass einige davon zu Krebs führen.

    Das Gefährliche am Krebs sind die Metastasen

    Schon bei kleinen, noch gar nicht entdeckten Tumoren können Krebszellen im Körper auf Wanderschaft gehen. "90 Prozent der jährlich rund 230.000 Krebstodesfälle gehen auf Metastasen zurück", sagte Andreas Fischer vom DKFZ vor dem Weltkrebstag 2019. Der Primärtumor lasse sich durch Operation, Bestrahlung und Chemotherapie meist relativ gut behandeln. Doch aus einigen wenigen, besonders robusten Zellen können sich Metastasen entwickeln, so Fischer: "Zwar sterben die vom ursprünglichen Tumor gestreuten Zellen zu 99,9 Prozent ab, aber einige wenige versinken auf irgendeinem Organ quasi in Tiefschlaf - was sie dann weckt, ist noch unklar." Diese "Schläfer" zu identifizieren und sie am Überleben und Wachsen zu hindern, sei die große Herausforderung für die Wissenschaft.

    Noch haben Krebstherapien oft Langzeitfolgen

    Doch selbst, wenn sie nach einer Erkrankung als krebsfrei gelten - nach Chemotherapie, Immuntherapie und Bestrahlung berichten viele Menschen von Spätfolgen. Sie seien weniger leistungsfähig und litten unter Schwindel, Erschöpfung und Empfindungsstörungen in Armen und Beinen, schildert Caroline Mohr, die Sprecherin der Organisation "Frauenselbsthilfe nach Krebs". Diese Symptome kennt auch die Onkologin Georgia Schilling von der Asklepios Klinik Altona in Hamburg. Die Fortschritte in der Krebstherapie stimmten sie optimistisch, seien aber trotzdem noch ein zweischneidiges Schwert: "Wir erkaufen uns den Erfolg mit Nebenwirkungen."

    Am 4. Februar ist Weltkrebstag

    Um auf die Bedeutung der Vorbeugung, Früherkennung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen aufmerksam zu machen, wurde 2006 der Weltkrebstag ins Leben gerufen, unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation. Er findet jedes Jahr am 4. Februar statt.

    Initiative "Nationale Dekade gegen Krebs"

    Die Bundesregierung will die Krebsforschung in Deutschland vorantreiben und so die Vorbeugung verbessern und die Umstände für Betroffene erleichtern: Am 29. Januar 2019 wurde die Initiative "Nationale Dekade gegen Krebs" in Berlin gestartet. Studien zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen sollen vom Bundesforschungsministerium mit bis zu 62 Millionen Euro gefördert werden.

    "Wir wollen Krebs besser verstehen, wir wollen Krebs verhindern und wir wollen Krebs heilen." Anja Karliczek, Bundesforschungsminsterin

    "Forschungserkenntnisse sollen den Erkrankten zügiger zur Verfügung stehen", erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek eines der Ziele. Bislang dauere es oft mehrere Jahre, bis vielversprechende Therapien bei den Betroffenen ankommen. Im Laufe der Dekade sollen außerdem bis zu acht weitere nationale Tumorzentren aufgebaut werden, um die Zusammenarbeit von Forschung und Ärzten zu verstärken.

    Experten rechnen mit mehr Krebserkrankungen

    Experten gehen davon aus, dass bis 2030 etwa 600.000 Menschen jährlich in Deutschland an Krebs erkranken, was sie vor allem auf die älter werdende Bevölkerung zurückführen. "Wir wollen diesem Schicksal die Stirn bieten", betont Karliczek. Neben dem Forschungs- und Gesundheitsministerium beteiligen sich an der "Nationalen Dekade gegen Krebs" auch das Deutsche Krebsforschungszentrum, die Deutsche Krebshilfe, medizinische Fachgesellschaften, Ärzteverbände, Stiftungen und Krankenkassen.