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Darmkrebs Immer mehr jüngere Menschen erkranken

Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Während die Patientenzahlen bei Über-50-Jährigen gleich bleiben, steigen sie bei jungen Menschen an. Woran liegt das? Und wie kann man sich schützen?

Von: Kathrin Wiewe

Stand: 16.09.2019

Wie Darmkrebs entsteht

Darmkrebs entsteht immer aus einem Polyp, einem Stück Schleimhaut, das anfängt zu wachsen. Oft bleibt ein Polyp lange harmlos, bis zu 10 Jahre, doch er kann sich verändern. Beginnt der Polyp bösartig zu werden, entstehen Krebszellen. Dann wächst er auch in die Darmwand. Wenn der Darmkrebs durchbricht, sind die Lymphbahnen ganz nah. Über sie verteilen sich Krebszellen im ganzen Körper.

Warum ein Polyp entsteht oder sich verändert, kann an zwei Ursachen liegen: An erblichen Faktoren oder an der eigenen Lebensweise. 20 bis 30 Prozent aller Darmkrebspatienten haben ein vererbtes familiäres Risiko. Ihre Gefahr zu erkranken ist höher als normal. Etwa fünf Prozent aller Darmkrebserkrankten haben Gendefekte geerbt. Sie bekommen Darmkrebs mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 bis 100 Prozent.

Betroffene mit erblichem Risiko erkranken in der Regel früher als Betroffene, deren Lebensweise schlechten Einfluss auf den Darm hatte. Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung von Darmkrebs: Übergewicht, zu wenig Bewegung, einseitige Ernährung mit viel rotem Fleisch und vielen Fertigprodukten, hoher Alkoholkonsum und Rauchen.

Warum mehr Jüngere erkranken

Eine Studie der US-amerikanischen Krebsgesellschaft aus dem Herbst 2019 bestätigt, dass mehr Darmkrebspatienten weltweit unter 50 Jahre alt sind. Von den untersuchten 43 Ländern erkranken in Indien die wenigsten Menschen unter 50 an Darmkrebs, nämlich 3,5 pro hunderttausend Einwohner. Deutschland liegt mit 7,7 Erkrankten im Mittelfeld. Südkorea hat mit 12,9 Fällen die meisten jungen Patienten. Die Forscher vermuten einen Zusammenhang mit schlechter Ernährung und Übergewicht in Industrieländern. Auch die häufigere Antibiotikagabe bei Kindern könnte Auswirkungen haben.

Dr. Michael Quante betreut als Arzt und Wissenschaftler Patienten am Darmzentrum des Klinikums rechts der Isar in München. Er hat Vermutungen, warum mehr junge Menschen in Industrieländern erkranken:

"Man kann natürlich sagen, das ist eine Häufung von genetischen Faktoren. Man kann aber auch sagen, es ist eine Häufung von epidemiologischen Risikofaktoren, von der Lebensweise her."

Dr. med. Michael Quante, Internist und Gastroenterologe, Klinikum rechts der Isar München

Vorsorgemöglichkeiten

Darmkrebs wird oft erst spät entdeckt, denn er verursacht lange keine Schmerzen, Betroffene haben kaum Symptome. Ein Arzt sollte aufgesucht werden bei sichtbarem Blut im Stuhl, auffälligen Veränderungen der Stuhlgewohnheiten, wie Durchfall und Verstopfung im Wechsel oder anhaltenden Schmerzen im Bauchbereich.

Darmspiegelung

Bei einer Darmspiegelung kann der Arzt Polypen während der Untersuchung entfernen – mithilfe einer Drahtschlinge am Endoskop. Anschließend wird der Polyp zur Untersuchung ins Labor geschickt. Dort wird analysiert, ob Krebszellen vorhanden waren und ob der Polyp vollständig entfernt werden konnte.

Die Darmkrebsvorsorge übernehmen die Krankenkassen ab 50 Jahren. Dazu zählt ein immunologischer Stuhltest, sowie eine Darmspiegelung. Diese wird für Frauen erst ab 55 Jahren übernommen. Die Maßnahmen zeigen Erfolge: Die Erkrankungen bei älteren Menschen steigen nicht an.

In Bayern bietet das Projekt “Farkor” Menschen im Alter von 25 bis 50 mit erblichem Risiko die Möglichkeit, sich früher untersuchen zu lassen. Ein familiäres Risiko besteht für diejenigen, die einen oder mehrere Verwandte in der Familie haben, die bereits an Darmkrebs erkrankt sind. Eine Untersuchung sollte zehn Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit der verwandten Person erfolgen. Planmäßig bis Frühjahr 2021 sind Untersuchungen bei teilnehmenden Ärzten möglich.

"'Farkor' steht jedem Versicherten in Bayern offen. Sie können zu einem sogenannten “Farkor”-Arzt gehen, der Sie berät, der eine Familien-Anamnese erhebt und der dann die Entscheidung mit Ihnen trifft, ob eine Maßnahme zur Darmkrebsfrüherkennung - sei es ein Stuhltest oder eine Darmspiegelung - notwendig ist."

Dr. med. Berndt Birkner, Internist und Gastroenterologe, Mitglied im „Farkor“-Kuratorium


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