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Audio: Zwei verschiedene Corona-Impfstoffe regen die Immunabwehr offenbar stärker an als die Impfung mit nur einem Vakzin. Das ist das vorläufige Ergebnis einer spanischen Studie zu Astrazeneca und Biontech.

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Kreuzimpfung: Kombi von Astrazeneca und Biontech hat Vorteil

Einmalig mit Astrazeneca Geimpfte können aufatmen: Die Kombination des Impfstoffs mit Biontech für die zweite Impfung verstärkt die Wirkung der Impfung insgesamt. Bei einem Impfabstand von 28 Tagen zeigten sich kurzzeitig stärkere Impfreaktionen.

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Von
  • Tanja Fieber

Eine Studie aus Spanien kommt zu dem Ergebnis, dass die Wirkung der Corona-Impfung noch besser ist, wenn die Impfstoffe von Astrazeneca (Vaxzevria) und Biontech (Comirnaty) kombiniert werden. Das eine ist ein Vektorimpfstoff, das andere ein mRNA-Impfstoff. Beide regen die Immunreaktion gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 im Körper an, doch auf unterschiedlichem Wege. Durch die Kombination beider entstehen mehr Antikörper, die einen besonders guten Schutz vor der Infektion bieten. Der Immunologe Carsten Watzl von der Technischen Universität Dortmund erklärt, wie das funktioniert:

"Der Impfstoff von Astrazeneca macht mehr T-Zellen, der von Biontech mehr Antikörper und gerade in der Kombination ist das sehr wichtig. T-Zellen sind auch Helferzellen, das heißt, sie unterstützen eine Antikörperproduktion. Und wenn ich mir durch die Astrazeneca-Impfung zuerst einmal diese Zellen induziere, dann kann das der zweiten Impfung deutlich helfen, sodass dann noch besser und noch mehr Antikörper produziert werden."

Kreuzimpfung - Impfabstand von zehn bis zwölf Wochen günstig

Auch eine kleine Studie der Charité mit 340 Probanden (noch nicht peer reviewed, veröffentlicht und nicht randomisiert) weist darauf hin, dass eine Kreuzimpfung mit Astrazeneca und Biontech/Pfizer "keine Nachteile bei Wirksamkeit und Verträglichkeit" hat: Eine Kombination der Präparate in einem Abstand von zehn bis zwölf Wochen sei gut verträglich und rufe vergleichbare Immunantworten wie eine Impfserie mit zweimal Biontech hervor, schreibt der Charité-Wissenschaftler Leif Erik Sander auch auf Twitter (am 2. Juni 2021 auf Englisch). Der Abstand zwischen beiden Impfungen scheint entscheidend zu sein, denn eine Studie der Universität Oxford, die Sie weiter unten finden, kommt zu dem Ergebnis, dass ein Abstand von 28 Tagen die Rate der Impfreaktionen erhöht. Die Symptome waren aber nur mild bis moderat.

Das Charité-Team um Sander analysierte Daten von rund 340 Mitarbeitern des Gesundheitswesen, die zwischen Ende 2020 und Ende Mai 2021 geimpft wurden. Eine Gruppe davon zweimal mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer und im Abstand von drei Wochen. Eine weitere Gruppe mit Astrazeneca bei der Erst- und Biontech bei der Zweitimpfung.

Impfstoffkombination besser als zweimal Impfung mit Astrazeneca

Auch das Universitätsklinikums des Saarlandes hat eine noch nicht veröffentlichte Studie mit 250 Probanden durchgeführt. Sie zeigt ebenfalls ein günstiges Ergebnis für Kreuzimpfungen. In der Studie ergab die Analyse der Antikörper-Bildung, dass eine kombinierte Astra-Biontech-Impfung ebenso wie eine zweifache Biontech-Impfung wesentlich wirksamer war als eine zweifache Astrazeneca-Impfung. So konnten bei den beiden erstgenannten Varianten etwa zehnmal mehr Antikörper im Blut nachgewiesen werden. „Bei den neutralisierenden Antikörpern zeigte die kombinierte Impfstrategie sogar noch leicht bessere Ergebnisse als eine zweifache Biontech-Impfung“, sagt Studienautorin und Immunologie-Professorin Martina Sester.

Das bedeute aber nicht, dass viele der zwei Mal mit Astrazeneca geimpften Personen keinen ausreichenden Impfschutz aufwiesen, denn die Zulassungsstudie und der Erfolg der Impfkampagnen in vielen Ländern zeigen eine hohe Effektivität der Astrazeneca-Vakzine, fügt Sester hinzu. Mit einer zweiten Dosis könne jedoch nicht mehr das volle Potenzial ausgeschöpft werden, das eigentlich in diesem Impfstoff liege.

Kämen noch weitere Forscherteams zu ähnlichen Ergebnissen, sollte man laut Sester intensiv über eine Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoffen nachdenken. Bei Menschen mit Vorerkrankungen, deren Immunabwehr zum Beispiel durch Medikamente geschwächt ist, wäre es wichtig zu überprüfen, ob diese nicht spätestens als dritte Impfung eine kombinierte Version bekommen sollten, um ein möglichst breite Immunreaktion des Körpers zu erzeugen.

Kreuzimpfung/Impfstoffkombination und Altersgruppen

Die Com-Cov-Studie der Universität Oxford zeigt, dass bei der Kreuzimpfung allerdings mehr Impfreaktionen auftraten - wenn in einem Abstand von 28 Tagen geimpft wurde und die Probanden 50 plus alt waren. Die Impfreaktionen fielen aber nur mild bis moderat aus, hielten kurzzeitig an und verschwanden wieder ohne Komplikationen. Insgesamt wurden bei der Studie der Universität Oxford 830 Personen getestet. Die Impfreaktionen zeigten sich in einer Gruppe von 463 Probanden, die die Impfstoffe in einem Abstand von 28 Tagen bekamen. Sie waren 50 bis 69 alt. 46 Prozent der Testpersonen in dieser Gruppe waren Frauen.

Bei Menschen unter 50 Jahren könnten die Reaktionen laut der Studienautoren häufiger auftreten. Derzeit wird getestet, ob eine frühzeitige und regelmäßige Einnahme des Arzneimittels Paracetamol die Häufigkeit der Impfreaktionen reduzieren könnte.

Kreuzimpfung - Astrazeneca- und Biontech-Kombi im Test

Wurden die Impfstoffe von Astrazeneca und Biontech in einem Abstand von vier Wochen bei einer Testperson verimpft, zeigte sich ein erhöhtes Risiko für Impfreaktionen. Beschrieben wurden Symptome wie Fiebrigkeit, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Die Reihenfolge der Impfstoffe, also erst der von Astrazeneca, dann der von Biontech oder umgekehrt, spielte keine Rolle.

Impfstoffkombination von Moderna und Novavax

Auch bei den Impfstoffen von Moderna und Novavax wird seit April getestet, ob sie in Kombination mit einem anderen Impfstoff zu stärkeren Impfreaktionen führen (Com-Cov2-Studie). Noch liegen keine Ergebnisse vor. Die Com-Cov-Studie mit Ergebnissen zu Kreuzimpfungen von Astrazeneca und Biontech-Impfstoffen wurden am 12. Mai 2021 in einem Forschungsbrief (peer-reviewed) im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht.

© Bayerischer Rundfunk / IQ - Wissenschaft und Forschung
Bildrechte: argum, Klinikum rechts der Isar

Eine Podcast-Reihe des Bayerischen Rundfunks mit Dr. Christoph Spinner vom Münchner Klinikum Rechts der Isar: Am 18.05.2021 geht es u.a. um Impfreaktionen bei der Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoff.

Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.

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