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Die Priorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca ist aufgehoben. Und auch beim zeitlichen Abstand zwischen beiden Impfungen will Gesundheitsminister Spahn mehr Flexibilität. Macht das Astrazeneca nun insgesamt attraktiver?

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Astrazeneca-Impfstoff: Darum sind zwölf Wochen Abstand besser

In Deutschland ist seit gestern die Priorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff aufgehoben. Darüber hinaus kann auch das Intervall zwischen den zwei Dosen auf bis zu vier Wochen verkürzt werden. Doch das scheint keine gute Idee zu sein.

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Von
  • Yvonne Maier

Nicht nach zwölf Wochen den vollen Impfschutz, sondern schon nach vier. Das ist das verlockende Angebot, das Gesundheitsminister Jens Spahn den Bundesbürgern macht, vor allem, weil für vollständig Geimpfte bundesweit die Corona-Regeln gelockert werden.

Seit dem 6. Mai ist bundesweit die Priorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff aufgehoben und man kann die zweite Dosis - in Absprache mit seiner Ärztin oder seinem Arzt - auch schon nach vier Wochen bekommen statt wie bisher nach sechs bis zwölf. Das wäre noch früher als bei einer Impfung mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer oder Moderna.

Zweite Dosis Astrazeneca nach zwölf Wochen

Die zweite Impfdosis mit Astrazeneca nach vier Wochen bietet aber nur eine fragwürdige Sicherheit. Das zeigen mehrere Studien, unter anderem aus Großbritannien. Dort wurde schon Anfang des Jahres konsequent damit begonnen, die zweite Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs erst nach zwölf Wochen zu geben.

Zunächst ging es auch darum, möglichst viele Menschen in kurzer Zeit erstzuimpfen, um schnell einen teilweisen Impfschutz in der Bevölkerung aufzubauen. Dabei zeigten sich aber auch deutliche Hinweise darauf, dass der Effekt der zweiten Impfdosis nach 12 Wochen viel stärker war als nach vier oder sechs Wochen. Im Februar 2021 wurden die Ergebnisse von drei begleitenden Studien im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht.

Kürzerer Impf-Abstand: Schutzwirkung sinkt um knapp 30 Prozent

Die Schutzwirkung nach Gabe der zweiten Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs betrug nach 12 oder mehr Wochen etwa 81 Prozent (im Vergleich zur Kontrollgruppe). War der Abstand kürzer als sechs Wochen, sank die Wirkung auf etwa 55 Prozent.

"Das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Daher muss man den Menschen klar sagen: Wenn Sie Ihren Impfabstand bei Astrazeneca verkürzen, um damit schneller in den Genuss von Lockerungen zu kommen, machen Sie das auf Kosten Ihres Immunschutzes!" Prof. Carsten Watzl, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, TU Dortmund

Mehr Erstimpfungen möglich bei längerem Abstand

Ein weiterer Vorteil eines zwölfwöchigen Abstands, den die Ständige Impfkommission auch weiterhin empfiehlt, sei, dass mehr Erstimpfungen möglich seien, erklärt Carsten Watzl. Bei kürzeren Abständen zwischen Erst- und Zweitimpfung bekämen weniger Personen einen frühen Immunschutz durch die erste Impfung.

Und gerade jetzt müssten noch viele Personen mit Vorerkrankungen durch eine Impfung geschützt werden, um die Folgen der dritten Welle abzumildern, so Watzl. "Im Sommer haben wir genügend Zeit, uns um die Zweitimpfungen zu kümmern, die natürlich absolut notwendig sind. Dann sind hoffentlich die Inzidenzen wieder so niedrig, dass alle in den Genuss von Lockerungen kommen und nicht nur die 15 bis 20 Prozent, die wir jetzt mit einer Verkürzung des Impfabstandes schnell vollständig impfen würden."

Impfschutz bei Astrazeneca schon nach erster Dosis relativ hoch

Darüber hinaus sei der Impfschutz mit dem Wirkstoff von Astrazeneca schon nach der ersten Dosis relativ hoch, die Verkürzung sei also nicht notwendig, so Impfstoffforscherin Anke Huckriede von der Universität Groningen: "Ich erwarte (...) keinen Effekt auf die Eindämmung der Pandemie, da der Impfschutz schon nach einer Impfung sehr gut ist, zumindest für den untersuchten Zeitraum von zwölf Wochen."

Fazit: Wenn die zweite Impfdosis Astrazeneca erst nach zwölf Wochen gegeben wird, scheint die Impfwirkung am besten zu sein. Es lohnt sich also, knapp drei Monate abzuwarten, statt nach vier Wochen "durchgeimpft" zu sein, aber dafür einen schwächeren Schutz gegen Covid-19 zu haben.

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Nächste Woche werden eine Million Astrazeneca-Dosen an Arztpraxen geliefert. Die können ohne Priorisierung verabreicht werden. Die Politik erhofft sich mehr Schwung für die Impfkampagne, auch in Bayern, wo es für Astrazeneca keine Priorisierung gibt.

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