5

Krötenwanderung Immer weniger Kröten und Frösche in Bayern

Gerade sind Kröten und Frösche unterwegs zu ihren Laichgewässern. Die Krötenwanderung findet wohl noch bis Ende April statt. In Bayern unternehmen jedoch immer weniger Amphibien diese Reise. So können Sie ihnen helfen.

Stand: 09.04.2021

Von März bis Ende April findet die Krötenwanderung statt. Hier ist ein Grasfrosch-Pärchen auf dem Weg zum Laichgewässer. | Bild: picture-alliance/dpa/blickwinkel/A. Hartl

Der Lurch ist los! Gerade findet in Bayern wieder die Krötenwanderung statt: Zigtausende Amphibien sind auf dem Weg zu ihren Laichplätzen. Von freiwilligen Helfern werden sie nicht nur über die Straßen getragen, sondern auch gezählt. In den vergangenen Frühjahren wurden immer weniger Lurche beobachtet. Der Bund Naturschutz in Bayern kommt zu dem Ergebnis, dass an manchen Orten rund 80 Prozent weniger Amphibien anzutreffen sind. Mehr als die Hälfte der Amphibienarten in Bayern sind mittlerweile gefährdet.

Zwölf von 19 Amphibienarten sind in Bayern gefährdet

19 verschiedene Amphibienarten gibt es in Bayern. Zu den Amphibien oder Lurchen zählen Frösche, Kröten, Molche, Salamander und Unken. Davon sind jedoch mehr als die Hälfte bedroht: Zwölf Arten stehen auf der Roten Liste der Lurche in Bayern (Stand 2019). Die Geburtshelferkröte, der Moorfrosch und die Wechselkröte sind vom Aussterben bedroht. Stark gefährdet sind die Gelbbauchunke, der Kammolch, die Knoblauchkröte, die Kreuzkröte und der Laubfrosch. Als gefährdet gelten Feuersalamander, Fadenmolch und Kleiner Wasserfrosch. Auf der Vorwarnliste stehen Grasfrosch, Teichmolch und Springfrosch. Für die Rotbauchunke sind seit 1926 keine Nachweise mehr bekannt, sie gilt als verschollen oder ausgestorben. Als ungefährdet sind gelistet: Erdkröte, Bergmolch, Teichfrosch, Seefrosch und Alpensalamander.

Laut der Zoologischen Gesellschaft in London könnte bis Mitte dieses Jahrhunderts die Hälfte der europäischen Frosch-, Kröten- und Molcharten ausgerottet sein. (Quelle: Bund Naturschutz)

Amphibien = Lurche = Frösche + Kröten + Unken + Molche + Salamander

Alle Amphibien sind Lurche, das ist die geläufige deutsche Bezeichnung für sie. Frösche, Kröten und Unken gehören zu den Froschlurchen, Molche und Salamander zu den Schwanzlurchen. In Deutschland sind 20 Arten von Lurchen nachgewiesen. Bis auf die Rotbauchunke, die in Bayern bereits ausgestorben ist und heute hauptsächlich in Ostdeutschland vorkommt, sind alle Arten auch in Bayern zu finden - mehr oder weniger: Zwölf von 19 Arten gelten in Bayern laut der Roten Liste der Lurche in Bayern (Stand 2019) als gefährdet.

Spezialfall Alpen-Kammmolch: die 21. Amphibienart in Deutschland

Manchmal wird zu den Amphibien in Deutschland auch der Alpen-Kammmolch gezählt - dann kommt man sogar auf 21 statt 20 Amphibienarten in Deutschland und auf 20 statt 19 Amphibienarten in Bayern. Allerdings wurde der Alpen-Kammmolch vom Menschen nach Bayern eingeschleppt, er gilt in Deutschland (noch) nicht als heimisch. Auch von der Roten Liste wurde er deshalb nicht bewertet.

Blick durch beim Lurch: Die Welt der Amphibien in Deutschland in Bildern

Immer weniger Frösche und Kröten in den Eimern der Amphibienretter

Dass die Amphibienzahlen bayernweit rückläufig sind, erleben die freiwilligen Helfer, die den Amphibien bei ihrer alljährlichen Wanderung in die Laichgebiete helfen, gerade wieder hautnah: Sie tragen immer weniger Tiere in ihren Eimern über die Straße.

Entlang der Wanderstrecken werden zum Schutz der Amphibien niedrige mobilie Zäune aufgestellt - und entlang dieser wiederum sind Fangeimer eingegraben. Mindestens einmal am Tag kontrollieren die Freiwilligen diese Eimer, zählen die Tiere und lassen sie auf der anderen Seite wieder frei.

Helfer retten mehr als eine halbe Million Amphibien

Wenn sich die Tiere auf Wanderschaft begeben, sind allein in Bayern rund 6.000 Helfer des Bund Naturschutz ehrenamtlich unterwegs, um die Amphibien so vor dem Überfahrenwerden zu schützen. Bis zum Ende der Amphibienwanderung - meist Ende April - betreuen sie bayernweit mehr als 400 Straßenabschnitte. Laut Bund Naturschutz werden dadurch jedes Jahr 500.000 bis 700.000 Amphibien gerettet.

Amphibien wird die Kombination von Lebensräumen zum Verhängnis

Amphibien leben an Land und im Wasser und pendeln zwischen diesen beiden unterschiedlichen Lebensräumen hin und her. Das wird ihnen zunehmend zum Verhängnis. Lurche sind überwiegend in eher feuchteren Lebensräumen zu finden, zum Beispiel in Auen und Mooren, und wechselwarm: Sie können ihre Körpertemperatur nicht selbstständig konstant halten. Obwohl sie ein körpereigenes Frostschutzmittel besitzen, müssen sie sich vor Kälte schützen. Den Winter verbringen sie deshalb geschützt in Verstecken wie Baumstümpfen, Steinhaufen, Höhlen oder Erdlöchern.

Krötenwanderung - die Völkerwanderung der Amphibien

Ab einer nächtlichen Temperatur von circa 5 Grad Celsius - und dann besonders gern bei Regen - geht's los und die Amphibien begeben sich auf eine bis zu fünf Kilometer lange Wanderschaft: Die fortpflanzungsbereiten Tiere machen sich meistens mit Beginn der Dämmerung bis in die frühen Morgenstunden in Massen auf zu ihren Laichgewässern. Dort finden Balz, Paarung und Eiablage statt. Eine Erdkröte zum Beispiel schafft rund 600 Meter pro Nacht.

Rhythmus der Krötenwanderungen verschiebt sich

Die Helfer vom Bund Naturschutz haben auch beobachtet, dass sich der Rhythmus der Amphibienwanderungen geändert hat: Früher seien die einzelnen Arten "in Schüben" gewandert - zum Beispiel die Grasfrösche vor den Erdkröten. Und die Wanderung der erwachsenen Tiere zu den Laichgewässern habe sich klarer von der Rückwanderung der Jungtiere trennen lassen. Heute würden sich die Arten sowie die Hin- und Rückwanderungen mehr vermischen. Das würde die Rettung der immer weniger werdenden Amphibien noch erschweren.

Von den Laichplätzen ziehen die Frösche und Kröten wieder weiter

Amphibien geben ihren Paarungs- und Geburtsort zugunsten des Sommerdomizils wieder auf: Manche Arten bevorzugen die Nähe eines Flusses oder zumindest Baches, andere einen Teich, ein Moor oder eine feuchte Wiese, wieder andere Laub- oder zumindest Mischwald.

Amphibien brauchen Feuchtgebiete

Amphibien fühlen sich genau in solchen Ecken wohl, die der Mensch so gerne ausmerzt: In feuchten und unordentlichen Gebieten samt Fahrspuren, Pfützen, Hecken und wucherndem Gras. Für Lurche sind solche feuchten und geschützten Lebensräume lebenswichtig: Sie können Sauerstoff und Wasser über die Haut aufnehmen. Weil sie so auch atmen und trinken, darf ihre Haut nicht zu trocken werden. Auch zum Laichen brauchen Lurche ein Gewässer.

Flächen werden jedoch trockengelegt, Baugebiete ausgeweitet und die Landwirtschaft wird intensiviert. Den Amphibien brechen die Landlebensräume entweder ganz weg oder werden durch für sie lebensbedrohliche Straßen zerklüftet.

Intensive Forstwirtschaft setzt Amphibien zu

Viele Amphibien überwintern im Wald. Werden Bäume dann großflächig mithilfe schwerer Maschinen gefällt und abtransportiert, können die Tiere in ihren Winterquartieren erdrückt werden. Der Bund Naturschutz fordert deshalb, den Rückgang von feuchten Wiesen und Weiden in Bayern zu stoppen sowie eine naturverträgliche und bodenschonende Forstwirtschaft.

Autos sind tödliche Gefahren für Frösche und Kröten

Doch dadurch, dass auch Laichgewässer vernichtet oder zunehmend verschmutzt werden, fallen auch immer mehr Wasserlebensräume weg. Für die Tiere wird dann nicht nur der Weg zum Laichgewässer, sondern die Suche nach einem passenden Lebensraum überhaupt zur tödlichen Gefahr: Lurche brauchen mindestens mehrere Minuten, um eine Straße zu überqueren. Kommt ein Auto oder LKW, verharren sie und werden überfahren. Doch die Tiere sterben nicht nur durch direktes Überfahren, sondern auch wenn Fahrzeuge sehr schnell unterwegs sind. "Große Geschwindigkeit erzeugt einen so hohen Luftdruck, dass die inneren Organe von Fröschen, Kröten und Molchen platzen oder durch den Mund nach außen gestülpt werden. Die Tiere verenden qualvoll", sagt Sascha Schleich, NABU-Amphibienexperte. Schneller als 30 Stundenkilometer sollten Autofahrer an Amphibienwanderstrecken deshalb nicht fahren.

Einsatz von Chemie macht Amphibien zu schaffen

Eine große Bedrohung für Amphibien sind auch chemische Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel. Sie können für die Tiere bereits in geringen Konzentrationen tödlich wirken und schmälern außerdem ihr Nahrungsangebot: Amphibien fressen Insekten, aber auch Spinnen, Schnecken, Würmer und kleinere Artgenossen.

Chytridpilz tötet Amphibien

Seit Ende der 1990er-Jahre ist noch eine ganz andere Gefahr aufgetaucht: der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobaditis. Er gefährdet die Amphibienarten weltweit. Laut dem Landesamt für Umwelt in Bayern sind auch in Bayern bereits Amphibien an Chytridiomykose gestorben. Der Chytridpilz Batrachochytrium salamandrivorans dezimiert speziell den Feuersalamander-Bestand. Sollten Sie irgendwo auffallend viele tote Feuersalamander entdecken, bittet der Bund Naturschutz um eine Info und ein Foto.

Andere Tiere sind auf Amphibien angewiesen

Lurche fressen Spinnen, Käfer und Würmer. Sie selbst wiederum sind wichtige Beutetiere für Fische, Vögel, Reptilien und Säugetiere. Gibt es weniger Amphibien, leiden darunter auch die nächsten in der Nahrungskette - und am Ende ganze Ökosysteme.

So können Sie den Amphibien helfen

  • Hier finden Sie eine Karte mit bekannten Amphibien-Wanderwegen in Bayern.
  • Hier können Sie Amphibien-Retter werden.
  • Rechnen Sie als Autofahrer je nach Witterung von circa Mitte Februar bis circa Ende April mit Fröschen, Kröten und Molchen auf der Straße.
  • Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Amphibienzäunen.
  • Achten Sie in der Nähe von Amphibienzäunen auch auf Helfer am Straßenrand.
  • Fahren Sie in der Nähe von Teichen und Feuchtgebieten langsamer - auch dann, wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.
  • Falls Sie eine Stelle ohne Schutzzaun entdeckt haben, an der viele Amphibien überfahren werden: Melden Sie sie dem Bund Naturschutz.
  • Lassen Sie Ihren Garten ruhig ein wenig verwildern - das gefällt auch anderen Tieren wie dem Igel.
  • Verzichten Sie auf Chemie im Garten.
  • Wie wäre es mit einem Gartenteich?
  • Sichern Sie Keller- und Lichtschächte, damit keine Amphibien, Igel oder andere kleine Tiere hineinfallen.
  • Weitere Tipps, wie Sie Amphibien helfen können, finden Sie hier.
  • Im Reich des Froschkönigs: Abenteuer Wildnis, ARD-alpha, 7.4.2021, 14.45 Uhr
  • Unterwegs mit Amphibienrettern: Unkraut, BR Fernsehen, 29.3.2021, 19 Uhr

5