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Amphibien und Reptilien Glatt, glitschig und genial vielseitig

Die einen haben eine glatte, glitschige Haut, die anderen sind schuppig. Die einen leben im oder am Wasser, die anderen bevorzugen trockene, heiße Regionen. So unterschiedlich Amphibien und Reptilien in ihrer Lebensweise sind, eines eint sie: ihre Vielseitigkeit.

Stand: 31.08.2017

Ein Madagaskar-Engmaul-Frosch, der wegen seiner Färbung auch Tomaten-Frosch genannt wird. | Bild: picture-alliance/dpa

Der Riesensalamander ist mit einer stattlichen Körperlänge von bis zu 1,50 Metern die größte Amphibie der Welt. Die kleinste dagegen wurde gerade erst entdeckt und ist halb so groß wie eine 1-Cent-Münze: Der Zwergfrosch "Paedophryne amauensis" misst nur 7,7 Millimeter Länge und ist damit momentan sogar der Rekordhalter unter allen Wirbeltieren. Das kann sich allerdings täglich ändern.

An der freien Luft kann er nicht überleben: Wenn man ihn aus dem feuchten Laub des Regenwaldes auf Papua-Neuguinea heraushebt, vertrocknet er sofort. Je kleiner ein Wesen ist, umso mehr droht ihm der Wassermangel, da die Oberfläche kleiner Körper im Verhältnis zum Volumen größer ist.

Amphibien - Blick durch beim Lurch!

Aus dem Meer in die Wüste - Abstammung

Was sich beim Zwergfrosch besonders drastisch auswirkt, gilt für alle Amphibien: Sie sind auf Feuchtigkeit angewiesen - und das schon immer. Entwicklungsgeschichtlich gesehen sind Lurche, wie Amphibien auch genannt werden, die ältesten Landwirbeltiere. Vor etwa 400 Millionen Jahren eroberten die Vorfahren der heutigen Amphibien vom Ozean aus als erste das Land. Ihrem Element sind sie aber immer verbunden geblieben. So wachsen viele Arten als Larve im Wasser heran und atmen dort mithilfe von Kiemen. Als erwachsene Tiere können sie auch an Land leben.

Merkmale von Amphibien

Atmung

Die Haut von Amphibien, die von zahlreichen Schleimdrüsen übersät ist, ist nicht nur durchlässig für Wasser. Manche lungenlose Arten nehmen über die Haut auch Sauerstoff auf.

Häutung

Lurche entledigen sich von Zeit zu Zeit ihrer alten Hülle - einem dünnen, schleimigen Film.

Fortpflanzung

Bei der Paarung wird das Männchen quasi huckepack getragen: Es klammert sich am Rücken des Weibchens fest. So können beide an einem geeigneten Laichplatz im Wasser nacheinander Eier und Spermien ablegen.

Arten

Zu den Amphibien zählen drei Gruppen: Die Blindwühlen, die ähnlich wie Regenwürmer aussehen und in feuchten Waldböden leben. Die Schwanzlurche, die meist vier Beine und einen längeren Schwanz haben. Die Froschlurche schließlich stellen mit mehreren tausend Arten die vielfältigste Gruppe.

Wenn Schlangen wachsen und ihre Hornschicht zu eng wird, dann häuten sie sich.

Im Laufe der Erdgeschichte entwickelten sich aus den Amphibien die Reptilien: verschiedene Wirbeltierarten, die zur Fortpflanzung nicht auf Gewässer angewiesen sind. Sie haben sich an trockene Lebensräume und sogar an Wüsten angepasst.

Reptilien - Meister der Tarnung

Merkmale von Reptilien

Atmung

Reptilien sind bei der Atmung ganz auf ihre Lungen angewiesen.

Häutung

Ihre Haut ist trocken und undurchlässig, robust und von Schuppen oder Hornplatten bedeckt. Wenn Echsen und Schlangen wachsen, und ihre Hornschicht zu eng wird, streifen sie sie ab: Sie häuten sich.

Fortplanzung

Anders als die Amphibien legen Reptilien Eier mit einer festen Schale und pflanzen  sich an Land fort.

Arten

Ihre Hochphase erlebten Reptilien zur Zeit der Dinosaurier im Erdmittelalter. Vor 65 Millionen Jahren kamen die Dinosaurier und die Mehrzahl aller Tierarten durch eine Katastrophe ums Leben. Aber nicht alle Reptilienarten fielen ihr zum Opfer. Die Vorfahren der Echsen und Schlangen überlebten, ebenso wie Schildkröten und Krokodile.

Ständig auf der Lauer - Fressverhalten

Hier verschlingt eine Schlange einen Frosch - und zwar im Ganzen.

Viele Reptilien haben ein Gebiss aus relativ gleichen Zähnen, um ihre Beute festzuhalten. Damit reißen beispielsweise Krokodile ganze Stücke aus ihrer Beute heraus und verschlucken sie. Deswegen brauchen sie lange zum Verdauen - wie alle Reptilien. Auch Schlangen liegen meist im Verborgenen und warten, bis Beute vorbeikommt. Diese müssen sie dann im Ganzen verschlucken, was ihnen ihr extrem dehnbarer Kiefer erlaubt.

Beutejagd

Im Dunkeln

Das Jagdverhalten von Mississippi-Alligatoren war bislang nur schlecht untersucht. Wissenschaftler der University of Florida in Gainesville schnallten deshalb Videokameras auf den Rücken von 15 Krokodilen. Die Kameras lösten sich nach ein bis zwei Tagen und trieben dann auf dem Wasser. Die Forscher sammelten sie wieder ein und werteten die Aufnahmen anschließend aus. Sie stellten fest, dass die Angriffe der Alligatoren in den Morgenstunden am erfolgreichsten waren. Wenn sie vor dem Angriff ganz untergetaucht waren, machten sie doppelt so viel Beute, wie wenn sie die Attacke von der Wasseroberfläche aus starteten.

Mit der Zunge riechen

Beim Aufspüren der Beute geht es bei den meisten Reptilienarten vor allem der Nase oder vielmehr der Zunge nach. Mit dieser nimmt die Schlange Duftstoffe aus der Luft auf, die im Oberkiefer des Reptils ausgewertet werden. Das Chamäleon hat eine besonders leistungsstarke "Schleuderzunge" entwickelt. Sie kann die eineinhalbfache Länge des gesamten Reptils erreichen.

Klebrige Schleuderzunge

Die Zunge spielt auch bei Amphibien eine große Rolle. So verfügen manche Salamander und die meisten Frösche über ausklappbare Zungen, die sie blitzschnell auf Insekten, Schnecken, Spinnen und Würmer schleudern können. Die Beute bleibt dann an der Zunge kleben und wird ins Maul gezogen.

Giftspritze mit Biss

Andere Reptilien gehen aktiv auf Beute-Jagd: Warane zum Beispiel. Die riesigen Echsen haben einen massiven Körper mit spitz zulaufendem Kopf und langem Schwanz und erreichen eine Körperlänge von bis zu drei Metern. Sie verfügen - wie viele Schlangen - über Giftdrüsen, die dem Opfer beim Biss zum Verhängnis werden.

Rund um den Nachwuchs - Paarungsverhalten

Bei Erdkröten trägt die Frau den Mann huckepack zum Laichplatz.

Die Paarungszeit ist bei Amphibien meist nicht zu überhören. Mit speziellen Rufen locken die Männchen die paarungsbereiten Weibchen an, die sie dann auf dem Rücken zum Laichplatz tragen. Allerdings passiert es bei Erdkröten auch des Öfteren, dass sich zu viele Männchen auf ein Weibchen stürzen und es regelrecht erdrücken.

Bei der Geburtshelferkröte schleppt der Papa die Eier bis zur Schlupfreife mit sich.

Nicht immer reifen die Eier freischwebend im Wasser heran. Bei der Geburtshelferkröte wickeln sich die Männchen bei der Paarung die Eier des Weibchens um die Beine und schleppen sie ungefähr vier Wochen mit sich herum. Die Kaulquappen entwickeln sich bis zur Schlupfreife, die die Männchen dann im Wasser abstreifen.

Ein farbenprächtiges Chamäleon auf Brautschau

Reptilien ist die Brutpflege eher fremd. Schlangen begnügen sich damit, einen Platz zur Eiablage zu suchen. Nur Python-Weibchen schützen aktiv das Gelege. Ihren Partner finden Schlangen mithilfe ihres Geruchssinns. Männliche Eidechsen setzen in der Paarungszeit eher auf optische Signale und präsentieren sich in leuchtenden, auffälligen Farben.

Tarnen und tricksen - Feindabwehr

Das Muster der Krustenechse warnt die Feinde: Achtung Giftspritze unterwegs!

Schlangen können zischen, fauchen oder sogar klappern, um den Gegner abzuschrecken. Verschiedene Farben und Muster dienen Reptilien nicht nur zur Tarnung, sondern auch zur Abschreckung. So warnt etwa eine schwarz-gelb gemusterte Haut bei der Krustenechse vor dem Gift des Tieres. Das gleiche Farbmuster hat der Feuersalamander, der Vögel mithilfe seiner Giftspritzen abwehren kann.

Ein Frosch wehrt den Feind mit seiner durchdringenden Stimme ab.

Um Feinde zu verwirren und gezielt von sich abzulenken, haben Eidechsen die Fähigkeit entwickelt, ihren Schwanz abzuwerfen. Frösche dagegen verlassen sich auf ihre markerschütternden Schreckrufe, um mit dem Leben davonzukommen.

  • Amphibien und Reptilien - Glatt, glitschig und genial vielseitig. radioWissen, 01.09.2017, 9.05 Uhr, Bayern 2

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