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In München lag zuletzt im Jahr 2010 so richtig viel Schnee an den Feiertagen.

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    BR24-Datenanalyse: Wo in Bayern gibt es noch weiße Weihnachten?

    Früher war jedes Weihnachten weiß, heutzutage kommt der Schnee erst im März – was ist dran an diesen Allgemeinplätzen? Eine BR24-Datenanalyse zeigt, wie oft es in Ihrem Ort weiße Weihnachten gibt und wie sich der Winter in Bayern entwickelt.

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    Von
    • Claudia Kohler

    Wer hat sich bei wehmütiger Erinnerung an die Kindheit nicht schon einmal sagen hören: Früher, da gab es an Weihnachten wenigstens noch Schnee. Weißgepuderte Tannen, glänzende Schneeflocken und Pferdeschlitten gehören fest zu unserem Bild der "staden Zeit". Einigen macht das Winterwetter der vergangenen Wochen Hoffnung auf so eine Weihnacht 2020 – doch eine seriöse Vorhersage ist laut BR-Meteorologe Michael Sachweh frühestens sieben bis zehn Tage vorher möglich.

    Wo in Bayern gab es in den letzten 29 Jahren oft weiße Weihnachten?

    Aber ein Rückblick ist möglich: Dafür hat BR24 die langjährige Statistik des Deutschen Wetterdienstes (DWD) analysiert. Auf der folgenden Karte ist zu sehen, wie oft es an 377 Orten in Bayern in den vergangenen 29 Jahren "weiße Weihnachten" gab.

    Damit ist gemeint, dass an der entsprechenden Wetterstation an mindestens einem der drei Weihnachtstage eine geschlossene Schneedecke von mindestens einem Zentimeter gemessen wurde. Je heller der Punkt ist, desto mehr Jahre, in denen das ging – wählen Sie einen Punkt aus, um genaues zu erfahren:

    Gut erkennbar: Bei der Verteilung kommt es, neben der Topographie, vor allem auf die Höhenlage an. An allen Stationen, die höher als 600 Meter über dem Meeresspiegel liegen, waren im Schnitt mehr als ein Drittel der Weihnachtsfeste weiß. In Oberammergau, auf einer Höhe von mehr als 800 Metern, gab es etwa an zwei von drei Weihnachtsfesten Schnee.

    Bayernweit weiße Weihnachten: Zuletzt im Ausnahmewinter 2010

    Dass es an fast allen Wetterstationen an Weihnachten schneite, ist zuletzt 2001 und 2010 passiert. Nahezu bayernweit schneelose Weihnachten gab es in den Jahren 2015 und 2002. Ausgenommen davon und der einzige Ort mit "Schneegarantie" ist die Zugspitze. In Kreuth und Balderschwang kann man mit einer Quote von 27 aus 29 auch zuversichtlich auf Weihnachten schauen.

    Besonders viele grüne Feiertage gab es dagegen in Unterfranken. Aschaffenburg, Karlstadt und Kitzingen hatten von 1991 bis 2019 nur in drei Jahren Schnee an einem oder mehreren Weihnachtstagen.

    Schnee an den Feiertagen ist weniger wahrscheinlich als früher

    Laut BR-Meteorologe Michael Sachweh liegen 90 Prozent der bayerischen Gemeinden im sogenannten Tiefland – das beginnt in Bayern unterhalb einer Höhenlage von 500-600 Metern. Da ist es klar, dass die Mehrzahl der Punkte auf der Karte eher grün als weiß sind.

    November und Dezember seien in Bayern noch nie so schneereich gewesen, wie viele glauben, erklärt der Klimaexperte Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten habe früher bei etwa 30-40 Prozent gelegen – heute, schätzt der Fachmann, dürften es nur noch 20-25 Prozent sein.

    "Der weiße Dezember, vor allem die weiße Weihnacht, ist eine romantische Vorstellung, die wir - wie so vieles - aus den USA übernommen haben. Die USA haben aber ein ganz anderes Winterklima als wir, besonders für die Nordstaaten sind weiße Weihnachten nichts Ungewöhnliches." Michael Sachweh, BR-Meteorolge

    Weiße Weihnachten: Importierte Wunschvorstellung aus den USA

    "Nachdem Postkartenmotive mit Santa Claus und seinen Rentieren im Schnee auch bei uns beliebt wurden, schlich sich die Vorstellung ein, das sei das richtige Wetter für den Dezember", sagt Sachweh. "Die Neigung zu grünen Weihnachten hat es bei uns aber schon immer gegeben, im Fachjargon spricht man vom sogenannten Weihnachtstauwetter."

    Die Wunschvorstellung war also für Bayern noch nie korrekt – aber der Meteorologe sieht trotzdem auch eine langfristige Entwicklung. Um diese genauer zu betrachten, hilft der Vergleich mit der sogenannten Klimatologischen Referenzperiode. Das ist aktuell der Zeitraum von 1961-1990. In Bayern können für diesen Vergleich 101 Wetterstationen verlässliche Daten zur Schneehöhe liefern.

    Anhand von 7 Orten in unterschiedlichen Höhenlagen zeigt die folgende Grafik beispielhaft, wie die weiße Weihnacht in den vergangenen 59 Jahren verteilt war:

    Man sieht wieder, wie sich grün und weiß je nach Station unterschiedlich verteilten. Allerdings sind gerade die letzten Jahre doch auffällig. Der meteorologische Winter (Dezember, Januar, Februar) in Bayern ist in den vergangenen 29 Jahren im Vergleich zur klimatologischen Referenzperiode im Schnitt ein Grad wärmer geworden.

    BR-Meteorologe: Klimawandel lässt sich nicht leugnen

    BR-Meteorologe Michael Sachweh macht klar: Obwohl es einige Ausreißer, wie etwa den kalten und schneereichen Winter 2010 gibt, ist der Trend nicht zu leugnen: "Schließlich gilt: Wetter ist nie gleich Klima. Die Realität des langfristigen Klimawandels kann man nicht abtun, auch wenn manche Winter oder Sommer aus der Reihe fallen." Die gestiegene Temperatur habe gerade in den Tieflagen Konsequenzen. "Hier reichen schon kleine Temperaturveränderungen aus, um über die Frage 'Schnee oder Regen' zu entscheiden."

    Die folgende Grafik zeigt, wie sich die durchschnittliche Wintertemperatur in Bayern seit Beginn der DWD-Aufzeichnungen verändert hat - wieder fallen die letzten Jahre besonders auf:

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    Der Winter in Bayern war in den vergangenen 29 Jahren im Mittel 1 Grad wärmer, als in der Klimareferenzperiode 1961-1990.

    Bedeutet diese Veränderung in den Wintermonaten dann auch tatsächlich, dass wir das typische Winterwetter künftig immer im März und April erleben? Auch hier geben die Daten eine klare Antwort: Nein. Der Winter in Bayern verschiebt sich nicht – er wird einfach weniger.

    Seit 1991 fiel der erste Schnee an den Wetterstationen unter 600 Metern im Durchschnitt vier Tage später als in den 30 Jahren zuvor. Die Schneetage haben im Mittel um 30 Prozent abgenommen und auch in hochgelegenen Wintersportgebieten ist die gemessene Schneedecke im Jahresverlauf oft nur noch halb so hoch. Ganz im Gegensatz zur gefühlten Wahrheit hört der Schneefall auch früher auf. Diese Entwicklung betrifft höher und tiefer gelegene Orte in ähnlichem Maß. Im bayernweiten Mittel fiel der letzte Schnee in den vergangenen 30 Jahren am 25. März – 11 Tage früher, als in der Referenzperiode.

    Winter verschiebt sich nicht - Wetterextreme sorgen für selektive Wahrnehmung

    Wie entsteht dann der Eindruck, März und April seien die neuen Wintermonate? Wie bei der weißen Weihnacht kommt es auf unsere Wahrnehmung an. Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst weist darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren zum Frühling hin mehrere extreme Wetterphänomene gab. Neben dem Winter 2010, mit Minusgraden und Schnee bis in den April hinein, nennt die Expertin etwa die schweren Ernteausfälle im Jahr 2017. "Aufgrund der Temperaturentwicklung treiben viele Pflanzen eher aus, da es eher wärmer ist, was leider die Gefahr von Nachtfrösten nicht verringert – diese können immer noch auftreten."

    Auch das Schneechaos Anfang 2019 sei ein Beispiel: "In dem Jahr hatten wir Mitte Januar eine Nordwest-Wetterlage, die sich für eine außergewöhnlich lange Zeit stationär eingestellt hat“, erklärt Mühlbacher. "Daher hatten wir diese massiven Stauniederschläge an den Alpen." Solche besonderen Wetterereignisse blieben im Gedächtnis, während ein mauer Winter wie 2019/2020 schnell vergessen sei. Durch diese selektive Erinnerung könne das Gefühl entstehen, Winterphänomene treten später im Jahr auf.

    Über die Daten

    Alle untersuchten Daten werden vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zur Verfügung gestellt. Basis für die historische Einordnung ist die von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) festgelegte und noch bis 2021 gültige Klimatologische Referenzperiode 1961-1990.

    Der DWD stellt die langjährigen Gebietsmittelwerte für die Temperatur mithilfe eines Rasters mit einer Auflösung von 1 km dar. Das Raster entsteht, indem die Daten der einzelnen Wetterstationen flächendeckend umgerechnet werden. Anhand dieser Daten werden Aussagen zur Temperaturveränderung in Bayern gemacht. Das Streifendiagramm der mittleren Wintertemperatur ist inspiriert von den "Warming Stripes" des britischen Wissenschaftlers Ed Hawkins.

    Der DWD verzeichnet für Bayern insgesamt 419 Wetterstationen, die für den Zeitraum 1961-2020 Messungen der täglichen Schneehöhe vorgenommen haben. Um möglichst präzise Analysen zu erhalten, wurden diese Daten weiter gefiltert. Grundlage für die Karte sind die Daten von 377 Wetterstationen, denen zwischen 1991 und 2019 in nicht mehr als 4 Jahren die Daten für den 24., 25. Und 26. Dezember fehlen.

    Grundlage für die Vergleiche mit der Referenzperiode, für die Auswertung der Schneetage, des ersten und letzten Schneefalls und der Schneemenge sind 101 DWD-Stationen, die seit dem Winter 1961 durchgehend Werte verzeichnen – sie weisen jeweils nicht mehr als insgesamt 5 Fehljahre und pro Monat nicht mehr als 10 Fehltage auf.