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Von wegen weiße Weihnachten Es grünt so grün zur Weihnacht

Nah, das wird nichts mehr mit weißen Weihnachten dieses Jahr. Schon wieder! Die Statistik hat aber auch wenig Anlass zur Hoffnung gegeben: Weiße Weihnachten sind die Ausnahme. Typisch ist in Deutschland und Bayern die grüne Weihnacht.

Stand: 22.12.2020

Grüne Weihnachten sind auch in Bayern die Regel nicht die Ausnahme. Weihnachtsstimmung holt sich manch einer dann mit Weihnachtsschmuck in den Garten. | Bild: picture alliance/M.i.S./Sportpressefoto

Regen, Matsch, trüber Himmel, Windböen und in Bayern Föhn in der Weihnachtsnacht, grüne Wiesen und Berghänge zwischen den Jahren: Daran sollten wir uns längst gewöhnt haben. In Deutschland konnten wir in den vergangenen rund 100 Jahren nur sechs Mal - mehr oder weniger - Schnee an Weihnachten genießen. Diese Statistik ist eindeutig: Nicht "Leise rieselt der Schnee" ist der passende Soundtrack für Weihnachten, sondern "Es grünt so grün".

Flächendeckend weiße Weihnacht - ein seltenes Ereignis

Meteorologische Definition für weiße Weihnachten

Wird an einer Wetterstation am 24., 25. und 26. Dezember jeweils ein Zentimeter Schnee oder mehr gemessen, spricht man meteorologisch von weißen Weihnachten.

Laut der meteorologischen Definition von "weißer Weihnacht" gab es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland nur sechs Mal mehr oder weniger flächendeckend weiße Weihnachten über drei Tage hinweg: Und zwar in den Jahren 1906, 1917, 1962, 1969, 1981 und 2010. Zuletzt konnten wir uns also vor zehn Jahren über Schnee an Weihnachten freuen. Legt man die meteorologische Definition etwas großzügiger aus und besteht nicht auf die Drei-Tage-Formel, kann man auf mehr verschneite Weihnachten zurückblicken.

Weiße Weihnacht: Es kommt auf die Lage an

Bei der Frage, ob es weiße Weihnachten gibt, spielen auch regionale Unterschiede eine Rolle. Wichtige Faktoren: die Höhenlage und an manchen Orten auch der Abstand zum Meer. Im Flachland ist Schnee an Weihnachten die Ausnahme, selbst in Bayern: Nürnberg etwa war zuletzt im Jahr 2010 zur Weihnacht verschneit. Düsseldorf oder Frankfurt erleben weiße Weihnachten nur etwa alle zehn Jahre. Die Münchner können da schon fast frohlocken: viermal so häufig pudert hier Schnee den Asphalt fürs Christkind. Aber selbst in München ist Weihnachten damit häufiger grün als weiß.

Weiße Weihnachten in Bayern

Weiße Weihnachten - bei uns die Ausnahme statt die Regel

Seit 1961 fiel in München neunzehnmal Schnee an Heiligabend. 1962 war die weiße Pracht sogar 28 Zentimeter hoch und damit überdurchschnittlich üppig. Für ganz Bayern sieht die Bilanz anders aus: Schnee an Weihnachten gab es in den vergangenen 50 Jahren nur fünfmal: In den Jahren 1969, 1981, 1986, 2001 und 2010. Jammern auf hohem Niveau, denkt mancher auf Helgoland, wo es durchschnittlich nur zwei Mal im Jahrhundert weiße Weihnachten gibt. Nur an einem einzigen Ort in Deutschland und Bayern kann man jedes Jahr mit weißen Weihnachten rechnen: der Zugspitze! Gemessen wird seit 1880.

Weihnachtstauwetter und verfrühte Weihnachten

Schuld an der grünen Misere ist eine regelmäßige Ausnahme: das sogenannte Weihnachtstauwetter. Weihnachten liegt terminlich einfach etwas ungünstig: Drei Tage vor der Heiligen Nacht beginnt der Winter überhaupt erst, denn der Tag der Wintersonnwende ist astronomischer Winteranfang. Dass die Meteorologen immer den 1. Dezember als Winteranfang sehen, hat vor allem statistische Gründe: Es rechnet sich einfacher, wenn auch der Winter an einem Monatsersten beginnt.

Doch der Tiefststand der Sonne über der Nordhalbkugel der Erde ist erst drei Wochen später erreicht, kurz vor Weihnachten. Flachere Sonneneinstrahlung über weniger Stunden am Tag lässt unsere Planetenhälfte abkühlen - die Ozeane recht langsam, die Kontinente etwas schneller. Die großen Landmassen Sibiriens kühlen am schnellsten ab, dort beginnt der Winter meist schon im November.

Ein Hoch im Norden beschert uns weiße Weihnachten

Die besten Aussichten für weiße Weihnachten gibt es für uns, wenn den Russen die Sonne lacht: Ein Hochdruckgebiet über Sibirien, um das sich die Luftmassen im Uhrzeigersinn drehen, saugt die kalte Luft des Nordpols an und bläst sie zu uns, als eisige Ostwinde. Auch ein Hoch über den Rentieren Lapplands bringt die Polarluft zu uns.

Wo Winterluft auf Sommerwärme trifft

So entsteht das Weihnachtstauwetter

Auch bei frostiger Vorweihnachtszeit ist die weiße Weihnacht in Bayern eher die Ausnahme. Selbst ein kühles Hoch über Sibirien bringt uns nicht immer Schnee. Denn wehe, die Winde zweigen vorher ab: Ziehen sie nördlich an England vorbei, dann ist es aus mit dem Wintertraum bei uns. Über dem Atlantik treffen die kalten Luftmassen auf den Sommer.

Nicht nur auf den Rest von Sommerwärme, der im Ozean länger gespeichert bleibt, sondern auf ganz frischen Sommer aus weiter Ferne: Wintersonnwende bei uns ist zugleich Sommersonnwende auf der Südhalbkugel. Dort scheint jetzt die Sonne hoch und heiß viele Stunden am Tag herab und wärmt ordentlich. Und die große, globale Warmwasserleitung, der Golfstrom, bringt diese Wärme schnurstracks in unsere Nähe.

Das Islandtief ist schuld

Polare Kaltluft von Osten trifft auf subtropische Warmluft aus Südwesten und schon ist es da, das leidige Islandtief. Gegen den Uhrzeigersinn dreht sich das Tiefdruckgebiet, schaufelt die Kaltluft weiter nach Norden und saugt die feuchtwarme Atlantikluft zu uns heran - mit regenreichen Westwinden. Und das ist es dann, unser typisches Weihnachtswetter.

Vorteil von grünen Weihnachten? Der Christbaum-Kauf per Fahrrad ist viel leichter.

Vor allem den Südwesten Deutschlands erwischt die feuchtwarme Witterung, während der Nordosten Deutschlands noch eher Chancen auf die polare Kaltluft hat. Manchmal verläuft dann eine scharfe Trennlinie quer durchs Land. Dort, wo die kalten und warmen Luftmassen aufeinanderstoßen, wird es turbulent: Starke Schneefälle, Eisregen und Blitzeis treten dort auf - ein Graus für alle, die zum familiären Weihnachtsfest das Land durchqueren.

Typisch, Weihnachtstauwetter!

Singularität

Als Singularität bezeichnen Meteorologen eine vom normalen Wetterverlauf abweichende Wetterlage, die aber zu bestimmten Jahreszeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit auftritt. Alleine ist die Singularität des Weihnachtstauwetters nicht - es gibt noch andere:

Nicht die globale Erwärmung ist die Ursache für die grünen Weihnachten bei uns, sondern das typisch deutsche nicht-winterliche Wetter. Es hat sogar einen eigenen Namen: Weihnachtstauwetter. Es herrscht meist vom 24. Dezember bis Silvester. Weil dieses Witterungsverhalten bei uns so typisch und regelhaft ist, bezeichnen Meteorologen es als Singularität. So wie die Eisheiligen im Mai oder die Schafskälte im Juni. Angeblich sind schon im Mittelalter Menschen zur Weihnachtszeit im südlichen Rhein schwimmen gegangen.

Weihnachtswetter-Stichprobe

1953

Kein Schnee in der Adventszeit? Da ist Hamburg 1953 keine Besonderheit. Auch an Weihnachten bleibt es in den meisten Orten grün und mild. Selbst in Oberstdorf sind es durchschnittlich 1,8 Grad. Nur 1 Zentimeter Schnee misst die Station des Deutschen Wetterdienstes. Neuer Schnee kommt bei der Wärme nicht dazu. Auch sonst fällt nur wenig Schnee, später Regen.

1962

Dieser Winter hat es sich. Auch an Heiligabend: In Erfurt-Weimar sinken die Temperaturen auf bis zu minus 16 Grad. In Nürnberg hat es durchschnittlich nur minus 10 Grad. Und selbst auf Helgoland zeigt das Thermometer nicht mal eine Null an. Neuen Schnee gibt es nicht oft. Zu kalt. Aber Altschnee: Wie hier zum Beispiel im Schwarzwald. In Nürnberg misst die DWD-Station immerhin 9 Zentimeter. Fast sibirisch ist Oberstdorf mit um die minus 20 Grad und 1 Meter Schnee.

1981

Nicht nur der inzwischen verstorbene Costa Cordalis geht damals zum Langlaufen. Ganz Deutschland liegt an den Weihnachtstagen unter einer Schneedecke. Sogar auf der milden Insel Helgoland ist es am 24. ein bisschen weiß: 3 Zentimeter Schnee. In Berlin sind es 20 Zentimeter, in Oberstdorf 77. Und es schneit weiter. Die Temperaturen knapp unter null Grad sorgen weiter dafür, dass nichts auftaut. Auf ein Comeback dieser gesamtdeutschen Winterlandschaft muss man allerdings bis 2010 warten.

1990

Einfach nur mild, dieses Weihnachtswetter. Die Rostocker tummeln sich bei 6,7 Grad auf dem Weihnachtsmarkt. Auch an den Messstationen in Köln-Bonn, Nürnberg, Helgoland, Hannover und Berlin steigen die Temperaturen auf ein paar Grad über Null. Schnee? Fehlanzeige. Natürlich mal wieder abgesehen von Oberstdorf und den höher gelegenen Gebieten. In Berlin ist statt Schnee ein bisschen Sprühregen angesagt.

2012

Nur 1977 und 1983 war es in Deutschland ähnlich warm. Obwohl Anfang Dezember noch Schnee liegt, taut es pünktlich zum Fest gewaltig. Im Chiemsee kann man nicht nur als Eisschwimmer baden, in München steigt das Thermometer auf rekordverdächtige über 20 Grad. Während man sich im Süden sonnen kann, ist es im Norden eher bewölkt. 13,4 misst dort die Station in Köln-Bonn, in Hannover sind es maximal rund 13 Grad.

Vorweihnachtszeit immer milder

Doch in den vergangenen Jahren konnte man oft nicht einmal von dieser Singularität sprechen, denn dazu hätte es zuvor kälter sein müssen. Die milden Temperaturen in der Vorweihnachtszeit häufen sich:

"Früher hatten wir in der Vorweihnachtszeit oft unseren ersten längeren Wintereinbruch mit Eis und Schnee bis ins Flachland. Aber gerade zu den Weihnachtsfeiertagen hin verspürte die Atmosphäre dann einen großen 'Drang' zu milden Westwetterlagen mit Atlantikluft: das Weihnachtstauwetter. Seit Mitte der 1980er-Jahre häufen sich milde Winter und damit die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine eis- und schneearme vorweihnachtliche Witterung nahtlos in die Weihnachtstauwetter-Phase übergeht. Da kann man von 'Weihnachtstauwetter' eigentlich gar nicht mehr sprechen."

Dr. Michael Sachweh, BR-Meteorologe

Die Singularität des Weihnachtstauwetters scheint also dank Klimawandel auszusterben - die grünen Weihnachten in Bayern werden bleiben und wahrscheinlich sogar zunehmen: Sollte die Klimaerwärmung weiter wie aktuell fortschreiten, könne die Wahrscheinlichkeiten für weiße Weihnachten in vielen Teilen Deutschlands in den nächsten Jahrzehnten noch deutlich geringer werden, sagt Andreas Friedrich, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes.

Weiße Weihnacht sind (nur) ein schöner Traum

Müssen wir unser Bild vom Weihnachtsmann geraderücken?

Warum ist Weihnachten in unseren Köpfen überhaupt mit Schnee verknüpft? Der größte Teil der christlichen Welt feiert grüne Weihnachten. Auch die Ur-Weihnacht in Bethlehem war sicher schneefrei. Also trösten Sie sich: Weiße Weihnacht ist (meistens) nur ein Traum.

  • Mythos Weiße Weihnacht. Gut zu wissen, 15.12.2018 um 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Wie oft gab es in ganz Bayern weiße Weihnachten? 12.12.2017, 5.05 Uhr, Bayern 1
  • Grüne Weihnachten. Abendschau - Der Süden. 22.12.2016, 17.30 Uhr, BR Fernsehen
  • Unkraut: Wetter extrem - Wo bleibt der Weiße Rausch? 03.01.2016, 03:35 Uhr, ARD-alpha
  • Faszination Wissen: Weiße Weihnachten - ein Klimamärchen? 21.12.2006, 19.30 Uhr, BR Fernsehen

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