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Tier-Bestände in Seen und Flüssen weltweit stark zurückgegangen | BR24

© BR/Bernd-Uwe Gutknecht

In Luxus-Restaurants wird für den teuersten Kaviar ein Kilopreis von 40.000 Euro bezahlt. Weil seine Eier so begehrt sind, ist der Stör vom Aussterben bedroht.

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Tier-Bestände in Seen und Flüssen weltweit stark zurückgegangen

Die Bestände an großen Süßwassertierarten weltweit sind im Zeitraum von 1970 bis 2012 um 88 Prozent zurückgegangen. Ein Verlust, der doppelt so hoch ist wie bei Wirbeltieren im Meer und an Land.

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Zu diesem Ergebnis kommt das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), das mit internationalen Forschern erstmals die Bestände der größten Wirbeltierarten in Binnengewässern weltweit anhand von Daten ausgewertet hat. Zu den großen Wirbeltieren im Süßwasser zählen Tiere, die 30 Kilogramm und mehr wiegen, wie zum Beispiel Biber, Störe, Flussdelfine, Krokodile und Riesenschildkröten. Vom Bestandsschwund sind vor allem große Fische betroffen. Seen und Flüsse nehmen laut IGB nur etwa ein Prozent der Erdoberfläche ein, sind aber Heimat von einem Drittel aller Wirbeltierarten weltweit.

Süßwassertierarten - Daten zeigen erschreckende globale Entwicklung

Für die Studie, die am 8. August 2019 in der Fachzeitschrift Global Change Biology veröffentlicht wurde, sammelten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Bestandsdaten von 126 sogenannten Süßwasser-Megafauna-Arten weltweit sowie historische und aktuelle geographische Verbreitungsdaten von 44 Arten in Europa und den USA. Die Auswertung der Daten zeigt eine erschreckende Entwicklung, die bislang weitgehend unter dem Radar abgelaufen ist: In einem Untersuchungszeitraum von 42 Jahren sind die Bestände vor allem in Süd- und Südostasien sowie dem südlichen China, als Region Orientalis genannt, um 99 Prozent zurückgegangen, in Europa, Nordafrika und dem größten Teil Asiens, Paläarktis genannt, um 97 Prozent.

Vor allem große Fische in Gefahr

Die größten Veränderungen sind bei großen Fischarten wie Stören, Lachsfischen und Riesenwelsen zu verzeichnen. Ihre Bestände sind um 94 Prozent zurückgegangen. Gefolgt von den Reptilien, deren Bestände sich weltweit um 72 Prozent reduziert haben. Die Hälfte der bewerteten Süßwassertierarten wird auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht geführt.

Bestandsrückgänge durch Überfischung und Lebensraumverlust

Was lässt die Bestände der Süßwasser-Megafauna dahinschwinden? Das internationale Forscher-Team nennt folgende Gründe:

  • Überfischung, um den Fleisch- und Kaviar-Konsum zu decken
  • Verwendung von Stör- und Reptilienhaut für Luxusartikel und für Medizinprodukte
  • Zerstörung des Lebensraums durch Verbauung von Fließgewässern und besonders durch große Staudammprojekte. Störe beispielsweise kommen nicht mehr an ihre Laich- und Futtergründe.

Kritik an Staudammprojekten

Der Erstautor der Studie, Fengzhi He vom IGB, weist darauf hin, dass weltweit etwa 3.700 große Staudammprojekte geplant oder bereits im Bau sind, obwohl die Verbauung von Fließgewässern ein Grund für die Bestandsrückgänge von Süßwassertierarten ist. 800 der geplanten Staudämme sollen zudem in Gebieten mit der größten Artenvielfalt an Süßwassertierarten gebaut werden, wie etwa an Amazonas, Kongo, Mekong und Ganges.

Erfolgsmeldungen bei Grünem Stör, Biber, Irawadidelfin

Dass sich Schutzmaßnahmen lohnen, zeigen in den USA der Grüne Stör und der Amerikanische Biber sowie in Asien der Irawadidelfin. Die Bestände sind stabil oder sogar gewachsen. In Europa konnte sich der Europäische Biber wieder ansiedeln, obwohl hier laut IGB politische Grenzen und länderspezifische Unterschiede im Umweltbewusstsein den Schutz von Tieren erschweren. Das IGB will mit internationalen Partnern den Europäischen und den Atlantischen Stör wieder in Deutschland und Europa ansiedeln.

© BR

Beim Thema Artenschutz geht es nicht nur um Bienen oder selten gewordene Pflanzen, auch manch heimische Fischart ist betroffen. Eine davon ist die Äsche, die früher weit verbreitet war. Ein spezielles Programm will die Population wieder erhöhen.