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Biber in Bayern Der Dammbauer kehrt zurück

Der bei uns lange ausgerottete Biber ist wieder in Bayern heimisch. Mit seinen großen Dammbauten macht er sich allerdings nicht nur Freunde.

Von: Anne-Kathrin Gebert

Stand: 11.09.2019

1867 kam das Aus für einen bayerischen Ureinwohner, der letzte Biber wurde erlegt, nur wenige Jahre nachdem in Deutschland auch schon der Luchs ausgerottet worden war. Jahrhunderte lang war dem Biber nachgestellt worden: Wegen seines warmen weichen Fells, das der Mensch zu Mänteln und Mützen verarbeitete. Wegen seines Drüsensekretes, dem Bibergeil, das der Mensch für ein Wunderheilmittel hielt. Und wegen seines Fleisches, das der Mensch als kirchliche Fastenspeise propagierte. Die Verfolger hatten gründliche Arbeit geleistet: Die nächsten hundert Jahre sollte es keinen Biber mehr in Bayern geben.

Das Comeback der Biber in Bayern

1966 kam die glückliche Wende für den possierlichen Riesennager: In einer Transportbox des Bund Naturschutz Bayern e.V. kehrten die Biber nach Bayern zurück, zunächst an die Donau bei Ingolstadt. Damit war der Startschuss für das bis heute erfolgreichste deutsche Wiedereinbürgerungsprojekt gefallen. Bis 1980 wurden etwa 120 Biber in Bayern angesiedelt. Damit hatte das größte Nagetier Europas eine gute Ausgangssituation, um eine stabile Population aufzubauen.

Wiedereinbürgerung des Bibers - eine Erfolgsgeschichte

Der anpassungsfähige Biber hat sich seinen Lebensraum gründlich zurückerobert: Er ist heute wieder in fast ganz Bayern heimisch - selbst auf der Museumsinsel mitten in München. Der Bund Naturschutz schätzt, dass es rund 22.000 bayerische Biber in rund 6.000 Revieren gibt.

Der Biber hat alle Naturräume und nahezu alle Landkreise in Bayern besiedelt. Der Bestand wächst dort, wo er zu Beginn seiner Wiedereinbürgerung Fuß gefasst hat, nicht mehr. Nur in Ober- und Unterfranken sowie am Alpenrand nimmt seine Zahl noch zu.

Biberschutz ist Landschaftsschutz

Der Biber ist zurück in seiner alten Heimat

Der Pflanzenfresser mit den riesigen Schneidezähnen ist bekannt für sein eifriges Bäumefällen und seine Künste als Staudammbauer. Dieses Verhalten ist von ökologischer Bedeutung: Der Biber bringt begradigte Flussläufe wieder dazu, sich in Mäandern zu schlängeln. Damit gestaltet der Biber die Flussauen, die auch ein wichtiger Lebensraum für Fischotter, Schwarzstorch und zahlreiche Amphibien- und Libellenarten sind.

Der Biber - nicht von allen geliebt

Seine rege Bautätigkeit bringt das Kerlchen aber auch vielerorts in Misskredit. Denn oft verriegelt der schwimmende Nager mit seinen Dämmen Zu- und Abflüsse und leitet Bäche kurzerhand um. Durch den Bau seiner Höhle, die Biberburg, unterhöhlt er teilweise die Felder der Landwirte an den Gewässern. Auch können Felder überflutet werden. So gerät der Biber in Konflikt mit Land- und Fischteichbesitzern. Um diese Probleme zu lösen, haben der Bayerische Naturschutzfonds und das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen ein landesweites Projekt "Biberberatung" für betroffene Landbesitzer gegründet.

Steckbrief des Bibers (Castor fiber)

Lebensraum

Lebensraum

- fließende und stehende Gewässer mit Bäumen am Ufer, auch in Nähe von Straßen und Ortschaften
- Reviergrößen: ein bis drei Kilometer eines Bach- oder Flusslaufs

Verbreitung

- Europa: vor allem Osteuropa und Skandinavien, außerdem Tschechien, Österreich, Frankreich, Deutschland; mittlerweile zwischen 500.000 und 700.000 Tiere (Stand 2017)
- Deutschland: an der Elbe, in Spessart, Rhön, Eifel, Saarland, Bayern; mittlerweile rund 30.000 Tiere (Stand 2017)
- Bayern: inzwischen wieder weit verbreitet, vor allem in Oberbayern, Schwaben, Oberpfalz, Mittelfranken; mittlerweile rund 20.000 Tiere (Stand 2017)

Merkmale

Die wichtigsten Merkmale des Bibers:

Der abgeflachte Schwanz dient dem Biber als Steuer und Antriebsruder

- abgeflachter Schwanz als Steuer und Antriebsruder
- Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterfüße
- Größe: bis 130 Zentimeter lang (davon 30 Zentimeter Schwanz), zweitgrößtes Nagetier nach dem Südamerikanischen Wasserschwein, größtes Nagetier Europas
- Gewicht: bis zu 30 Kilogramm

Nahrung

Der Biber ist ein Pflanzenfresser. Er frisst:
-
im Sommer: Gräser, Kräuter, Mais, Rüben, Getreide
- im Winter: Rinde, Zweige und Knospen der von ihm gefällten Bäume

Lebensweise

Biberburg


- Er baut Staudämme aus Ästen und Baumstämmen und aufwändige Biberburgen teils unter, teils über Wasser.
- Er hält keinen Winterschlaf.
- Er betreibt intensive Fellpflege. Öliges Sekret hält sein Fell wasserdicht.
- Er ist ein hervorragender Schwimmer, kann bis zu 20 Minuten tauchen.
- Er lebt im Familienverband und ist partnertreu.

Infos über Schutz und Gefährdung der Biber:

Bund Naturschutz e.V., Naturschutzbund (NABU) und die Biberberater Gerhard Schwab (Südbayern) und Horst Schwemmer (Nordbayern) geben nützliche Hintergrundinformationen über den Biber in Bayern. Auch das Bayerische Landesamt für Umweltschutz hat nützliche Infos und Tipps zusammengefasst:

  • "Der Biber als Landschaftsarchitekt": am 2. April 2019 um 17.45 Uhr in "nano", ARD-alpha.
  • "Der Biber und seine Burg": am 14. August 2017 um 7.00 Uhr in "Paula und die wilden Tiere", ARD-alpha.
  • "Tiere und ihr Lebensraum": am 1. Juni 2017 um 15.05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2.
  • "Der Biber - nervig oder nützlich": am 9. Mai 2017 um 22.00 Uhr in "Faszination Wissen", BR Fernsehen.
  • "Biber im Englischen Garten": am 26. März 2017 um 17.45 Uhr in "Schwaben & Altbayern", BR Fernsehen.
  • "Geht es dem Biber bald wieder an den Kragen?": am 23.11.2017 um 10:05 Uhr in "Notibuch", Bayern 2.

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