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Neuer Mini-Mond ist Weltraumschrott | BR24

© NASA

Der Astronaut Charles Conrad besucht die Surveyor 3 Sonde auf dem Mond

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    Neuer Mini-Mond ist Weltraumschrott

    Die Erde hat einen neuen Mini-Mond. Wahrscheinlich ist er aber gar nicht so neu. Es soll sich dabei um ein altes Stück Weltraumschrott handeln.

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    Ein zweiter Mond umkreist die Erde, einen Mini-Mond, um genau zu sein. Aber um noch genauer zu sein, handelt es sich dabei eigentlich gar nicht um einen Mond. Denn die Voraussetzung, um als "Mond" oder "Trabant" durchzugehen ist, ein Himmelskörper natürlichen Ursprungs zu sein. Und das ist der neue Mini-Mond der Erde ganz und gar nicht.

    Stattdessen ist er wahrscheinlich Müll. Weltraumschrott, um genauer zu sein, eine alte Raketenstufe.

    Das unbekannte Objekt 2020 SO

    Aufgefallen war das Objekt zunächst Astronomen der PAN-STARRS Himmelsdurchmusterung auf Hawaii. Sie dachten, dass es sich dabei um einen Asteroiden auf einer Umlaufbahn um die Sonne handelte und gaben ihm einen entsprechenden Namen: 2020 SO.

    Die Umlaufbahn des Mini-Monds um die Sonne ähnelt derjenigen der Erde

    Dann aber fiel Wissenschaftlern der US-Weltraumbehörde NASA auf, dass etwas an der Umlaufbahn von 2020 SO nicht so ganz passte.

    Denn dessen Umlaufbahn um die Sonne sah so gar nicht nach der eines Asteroiden aus und ähnelt stattdessen eher der der Erde: ungefähr gleiche Entfernung, gleiche Ebene, so ganz und gar nicht verlängert und gegenüber der Ekliptik gekippt, wie es bei normalen Asteroiden der Fall ist. Außerdem ist das Objekt zu langsam für einen Asteroiden.

    Der Mini-Mond dürfte innen hohl sein

    Inzwischen war das Objekt auch noch weiteren Astronomen aufgefallen, weitere Beobachtungsdaten kamen zusammen. Diese zeigten, dass das Objekt offensichtlich vom Strahlungsdruck der Sonne beeinflusst wurde.

    Da der Strahlungsdruck unseres Zentralgestirns nicht gerade riesig ist, deutet das darauf hin, dass das Objekt hohl sein sollte. Und das spricht ganz und gar nicht für einen Asteroiden, da Asteroiden im Grunde genommen dichte Gesteinsklumpen sind, sondern deutete eher auf etwas Menschengemachtes hin.

    Die Bahnanalyse verrät: Der Mini-Mond kommt wahrscheinlich von der Erde selbst

    Einen weiteren Schritt stellte die Bahnanalyse von 2020 SO dar. NASA-Wissenschaftler konnten anhand der jetzigen Bahn des Objekts seine Umlaufbahn im Sonnensystem quasi "zurückspulen". Es kam heraus, dass 2020 SO der Erde über die letzten paar Jahrzehnte bereits mehrmals nahegekommen war. Und Ende September 1966 kam das Objekt der Erde so nahe, dass eigentlich nur der Schluss bleibt, dass es von der Erde stammt.

    Der Mini-Mond ist wahrscheinlich der Überrest der fehlgeschlagenen Surveyor 2 Mission

    Umlaufbahn, Beschaffenheit, Ursprung: Alles deutet darauf hin, dass der jetzige Mini-Mond der Überrest einer fehlgeschlagenen NASA-Mission aus dem Jahre 1966 ist. Es soll sich um die Raketenoberstufe der Surveyor 2-Mission handeln. Die Surveyor-Missionen sollten die bemannten Mondlandungen vorbereiten und dazu die Oberfläche des Mondes genauer erkundeten. Surveyor 2 startete am 20. September 1966 an Bord einer Atlas-Centaur-Rakete gen Mond. Allerdings schlug wenige Tage später eine Kurskorrektur fehl, die Sonde zerschellte am 23. September 1966 auf dem Mond.

    Von der Centaur-Raketenoberstufe war die Sonde aber zu diesem Zeitpunkt schon wie geplant getrennt. Nach der Trennung machte sich diese Oberstufe auf einer unbekannten Umlaufbahn um die Sonne auf und davon ins Weltall.

    Das Wiedersehen mit der Raketenoberstufe

    Das mit dem geplanten Nimmerwiedersehen wurde nichts, denn jetzt ist die Sonde zumindest für kurze Zeit wieder da. Am 8. November 2020 geriet sie unter den Einfluss der irdischen Schwerkraft. Nun wird SO 2020 eine Runde um die Erde drehen, daher die Bezeichnung "Mond" oder "Trabant".

    Am 1. Dezember wird sie der Erde dabei am nächsten sein, ihre Entfernung wird nur etwa dreizehn Prozent der Entfernung zwischen Mond und Erde betragen. Das sind rund 50.000 Kilometer.

    Der Mini-Mond als Weltraumschrott

    Dann können auch Astronomen besser überprüfen, ob es sich dabei wirklich um die Ex-Centaur-Raktenoberstufe handelt. In diesem Fall würde dem Mini-Mond sein Name SO 2020 gleich wieder aberkannt werden, da eine derartige Bezeichnung Asteroiden natürlichen Ursprungs vorenthalten ist.

    Die Raketenstufe hingegen ist himmlischer Müll, ein großes Stück Weltraumschrott, das durch das Sonnensystem driftet.

    Keine Gefahr und fast nichts zu sehen vom temporären Trabanten

    Für die Erde stellt der Pseudo-Mini-Mond keine Gefahr dar. Leider wird er auch nicht gut zu beobachten sein. Er ist so klein und so dunkel, dass das bloße Auge keine Chance hat. Man wird schon ein Teleskop brauchen, um ihn zu inspizieren.

    Bahnberechnungen zeigen, dass das Objekt danach noch eine weitere Runde um die Erde drehen wird, bevor es wieder von der Schwerkraft der Sonne in Richtung Zentralgestirn gelenkt wird. Dann ist die Frage, ob das dann eine Reise ohne Wiederkehr wird - oder ob uns unser Weltraum-Müll in ein paar Jahrzehnten einen weiteren Besuch abstattet.

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