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Essbare Insekten - die Ernährung der Zukunft? | BR24

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Am Insektenburger scheiden sich die Geister. Trotzdem haben sich zwei Studenten auf den steinigen Weg gemacht und ein Produkt auf den Markt gebracht. Gut zu wissen testet den Burger und vergleichet ihn mit anderen Fleischalternativen.

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Essbare Insekten - die Ernährung der Zukunft?

Seit Anfang 2018 ist der Verkauf von essbaren Insekten in der Europäischen Union geregelt. Auch in Deutschland verkaufen inzwischen eine Supermarkt- und eine Burgerkette Insekten-Produkte. Der für viele eklige Trend hat einen ernsten Hintergrund.

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Was in Deutschland noch ungewöhnlich ist, ist weltweit schon gang und gäbe: Etwa zwei Milliarden Menschen essen Insekten, sagt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Es gibt rund 2.000 essbare Arten wie zum Beispiel Käfer, Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen, Buffalo- und Mehlwürmer. Nur mit alternativen Eiweißquellen wie essbaren Insekten wird es langfristig möglich sein, den stetig steigenden Fleischbedarf weltweit zu decken.

Essbare Insekten stammen aus Zuchtanlagen

In Europa sind vor allem Produkte aus Mehl- und Buffalowürmern sowie Heuschrecken erhältlich. Die Tiere stammen aus professionellen Zuchtanlagen in den Niederlanden, in Frankreich, in Kanada oder in Thailand. Die Ställe der Tiere sehen ein bisschen so aus wie alte Medikamentenschränke in Apotheken, nur mit Luftschlitzen zwischen den Schubladen.

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Insektenzuchtanlage in den Niederlanden

Warum Insekten als Nahrungsmittel interessant sind

Die Insektenzucht hat gegenüber der Fleischproduktion klare Vorteile: Die Tiere brauchen kaum Platz, sind anspruchslos in der Haltung, vermehren sich explosionsartig, brauchen wenig Wasser und erzeugen keine Treibhausgas-Emissionen wie zum Beispiel Rinder. Ein paar Zahlen zum Vergleich: Um ein Kilogramm essbares Gewicht zu produzieren, braucht ein Rind mehr als 15.000 Liter Wasser und 16 Kilogramm Futter, Buffalowürmer dagegen nur einen Liter Wasser und 2 Kilogramm Futter. Bei der Zucht verursacht ein Rind pro Kilogramm Körpermasse 100 Gramm Treibhausgas-Emissionen, Buffalowürmer dagegen nur ein Gramm.

Insekten - lieber knackig oder gemahlen?

Kein Nutztier verwertet Futter so effizient wie Insekten und ist dabei so anspruchslos, was Futter und Platzbedarf betrifft. Zu den idealen Zuchtbedingungen kommt hinzu, dass Insektenfleisch eine genauso hochwertige Eiweißquelle ist wie Fleisch vom Rind oder Schwein. Wer das Gefühl von Insekten im Mund und krachenden Chitinkörpern eklig findet, kann es mit gemahlenen Insekten probieren. Ohne harten Chitinkörper und gefriergetrocknet sollen die Krabbeltiere am nährstoffreichsten sein.

Was man beim Verkosten beachten sollte

Züchter in Europa geben an, dass sie Insekten bisher ohne den Einsatz von Antibiotika, Hormonen oder anderen Chemikalien züchten. Allerdings gibt es noch keine neutralen Kontrollergebnisse dazu, sagt der Verband der Verbraucherzentralen. Über die Zuchtbedingungen ist auch noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die EU hat gerade erst begonnen, sich ernsthaft mit Insekten als Nahrungsquelle zu beschäftigen.

Insekten nicht aus dem Garten nehmen!

Was man schon sicher weiß ist: Insekten sollten nicht einfach aus dem Garten gepflückt oder in einer Zoohandlung gekauft werden. Denn dabei handelt es sich nicht um Speise-Insekten, die mit für den Menschen ungefährlichem Futter gefüttert wurden, sondern Wildtiere. Sie können Müll gefressen haben oder von Parasiten befallen sein. Wer Insekten aus freier Wildbahn entnimmt, fördert zudem das Insektensterben. Insekten sollten auch niemals roh gegessen werden!

Achtung, Kreuzallergie!

Allergiker sollten bei neuartigen Lebensmitteln wie immer wachsam sein: Das Risiko für Insektenallergien ist gering und Insekten oder ihre Bestandteile müssen in Zutatenlisten aufgeführt werden, trotzdem sind Kreuzallergien möglich, wenn man allergisch auf Hausstaubmilben oder Schalen- und Krustentiere reagiert. Das sollte man sicherheitshalber im Hinterkopf behalten, solange wir hierzulande noch mit spitzen Zähnen an den ersten Würmern und Heuschrecken nagen.