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Unser Essen der Zukunft Was wird aus Pasta, Pommes und Pfeffersteak?

Essen wir in Zukunft Pillen und Pasten wie Astronauten oder gibt es noch etwas Richtiges zu beißen? Werden wir weiterhin Eiweiß und Kohlehydrate zu uns nehmen oder setzen wir auf andere Nährstoffe? Ein Blick auf die Teller der Zukunft.

Stand: 16.06.2015

Ein Film von Doris Tromballa

Werden wir später mal essen wie Astronauten?

Wir werden wohl auch in Zukunft keine Pillen und Pasten wie Astronauten essen. Auch die Nährstoffe, die wir brauchen, werden gleich bleiben. Der Unterschied wird sein, in welchen Lebensmitteln diese Nährstoffe stecken, wo wir diese Lebensmittel herbekommen und wie sie angebaut werden.

Drei Beispiele:

Wo kommt das Eiweiß zukünftig her?

Fleisch aus Insekten

Mehlwürmer

Unsere Eiweißration könnte zukünftig Fleisch aus Insekten, aus dem Labor oder aus Pflanzen decken. In Asien, Südamerika und Afrika essen Menschen bereits regelmäßig Insekten.

  • Vorteil bei Insektenfleisch: Insekten sind anspruchslos in der Haltung und erzeugen keine Treibhausgase. Aus zehn Kilogramm Futter könnte man acht Kilogramm Insektenfleisch gewinnen und das Fleisch ist genauso hochwertig wie Fleisch vom Rind oder Schwein.
  • Nachteil: Eklig! Wird Insektenfleisch zu Mehl verarbeitet, fällt der Ekel-Faktor aber weg.

Fleisch aus dem Labor

Um Fleisch im Labor herzustellen, braucht man entweder einen 3-D-Drucker und eine Lebensmittel-Paste aus tierischen Stammzellen. So wurde beispielsweise aus Stammzellen von Rindermuskelfleisch mit wachstumsfördernden Chemikalien reiskorngroße Fasern erzeugt und zu einem Burger verarbeitet.

  • Vorteil: Es gibt schon Investoren, die die Forschung unterstützen.
  • Nachteil: Fleisch aus dem Labor ist noch sehr teuer.

Fleisch aus Pflanzen

Der bekannteste Fleischersatz aus Pflanzen besteht aus Tofu (Sojabohnen), Seitan (Weizeneiweiß) und Lupinen (Pflanze, eine Verwandte der Erbse).

  • Vorteil: Mit allen Alternativen wird bereits erfolgreich experimentiert. Sie lassen sich einfach herstellen und liefern hochwertiges Eiweiß.
  • Nachteil: Dreiviertel der weltweiten Sojaernte besteht aus gentechnisch veränderten Sorten. Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie, Sprue) können Seitan nicht essen. Bei Lupinen lässt der Geschmack noch etwas zu wünschen übrig.

Wo kommen die Kohlehydrate her?

Gentechnik

Sojabohne

Kohlehydrate wie Mais, Soja und Weizen könnte in Zukunft von gentechnisch veränderten Pflanzen kommen, durch Züchtungen aus Saatgutbanken oder durch "Smart Breeding".

  • Vorteil in Sachen Gentechnik: Ihr Einsatz soll in der Landwirtschaft für mehr Ertrag und widerstandsfähigere Pflanzen sorgen.
  • Nachteil: Das hat bislang nur teilweise bis gar nicht funktioniert und viele Menschen weltweit lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab.

Züchtung

  • Die klassische Züchtung und Kreuzung mithilfe von Saatgutbanken dagegen entspricht dem Trend zur Tradition bei der Lebensmittelherstellung (Vorteil).
  • Nachteil: Es kann lange dauern bis eine widerstandsfähige und ertragreiche Pflanze gezüchtet werden kann.

Smart Breeding

Beim "Smart Breeding" werden gentechnische Methoden mit klassischer Züchtung kombiniert.

  • Vorteil: Durch "Smart Breeding" kann gezielt gezüchtet und schnell verbessert werden.
  • Nachteil: Die Methode werden sich wohl eher reiche Länder leisten können.

Wie wird in Zukunft Gemüse angebaut werden?

Stadtfarmen / Urban Farming

Stadtfarm im US-amerikanischen Detroit

Gemüse könnte später einmal in Stadtfarmen angebaut werden, durch "Vertical Farming" oder in Algenfarmen. Stadtfarmen gibt es zum Beispiel im US-amerikanischen Detroit, wo auf Dachterrassen, Balkonen und in Vorgärten großflächig Gemüse angebaut wird.

Vertical Farming

"Vertical Farming" setzt dagegen auf Turmgewächshäuser, bei dem Gemüse im großen Stil in Hochhäusern angebaut wird. In Singapur ist 2014 eine kommerzielle "Vertikalfarm" in Betrieb genommen worden.

  • Vorteil: Durch den geschlossenen Kreislauf beim Anbau wird deutlich weniger Wasser verbraucht und weniger Dünger eingesetzt. Die Entwicklung der LED-Lampe könnte die Beleuchtung in den Turmgewächshäusern revolutionieren und viel Energie sparen.
  • Nachteil: Der Anbau ist meist noch recht teuer.

Algen

  • Während Algen bei uns einen leichten Ekel-Faktor haben wie etwa Insekten (Nachteil), sind sie in Asien ein beliebtes, traditionelles Lebensmittel.
  • Vorteil: Das Gemüse steckt voller Eiweiß und Vitaminen und kann leicht im Meer angebaut werden.

Was Forscher glauben

Die Ernährung der Zukunft interessiert auch Wissenschaftler brennend. Seit Juni 2015 beschäftigt sich an der Technischen Universität in München eine internationale Arbeitsgruppe damit, was zukünftig auf unseren Tellern landen wird. Unterstützt wird das Projekt, das auf fünf Jahre angelegt ist, von 40 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Wir haben einen Wissenschaftler des Teams gebeten, seine Einschätzung abzugeben, welche der oben genannten Lebensmittel und Methoden sich wohl durchsetzen werden.

Die Lupine könnte in Zukunft vielleicht einmal Fleisch ersetzen.

Professor Dr. Hans Hauner, Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München, denkt zum Beispiel, dass sich beim Thema Eiweiß wahrscheinlich Pflanzenproteine durchsetzen werden, weil sie einfach herzustellen und hochwertig sind und dazu vielseitig nutzbar. Bei den Kohlehydraten könnte es sehr davon abhängen, in welcher Region Menschen leben, glaubt Professor Hauner. In ärmeren Ländern wird wohl die Gentechnik dominieren, weil dort möglichst billig und effektiv produziert werden muss. In reicheren Ländern wird sich wahrscheinlich das "Smart Breeding" für die Massenproduktion durchsetzen und der Bio-Anbau für seltene alte Sorten. Welche Lebensmittel man wählt, wird wohl vom Geldbeutel und der Überzeugung eines Menschen abhängen.

Was wird aus dem Pfeffersteak?

Beim Gemüse-Anbau sieht Professor Hauner vor allem in Asien ein großes Wachstumspotenzial für Algen. Bei uns und in großen Ballungsräumen werden Stadtfarmen ("Urban Farming") an Bedeutung gewinnen. Die Entwicklung von "Vertical Farming" ist dagegen schwer vorherzusehen, weil die Methode noch sehr teuer ist, meint der Ernährungsmediziner. Eins ist für die Forscher aber schon jetzt klar: Das Essen der Zukunft soll gesünder und fettärmer werden. Für Pommes und das klassische Pfeffersteak könnte es eng werden ...


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