BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

So kam es zur Versammlung der Corona-Gegner in Nürnberg | BR24

© BR/Jonas Miller

"Querdenken"-Anhänger am vergangenen Sonntag bei der Kundgebung in Nürnberg

52
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

So kam es zur Versammlung der Corona-Gegner in Nürnberg

Die Kundgebung von Gegnern der Corona-Maßnahmen in Nürnberg sorgte bundesweit für Aufregung. BR-Recherchen zeigen nun, wie es zu dieser Versammlung kommen konnte und warum die Bilder von hunderten Menschen ohne Abstand und Maske vorhersehbar waren.

52
Per Mail sharen
Von
  • Jonas Miller

Eigentlich sollte es am Sonntagmittag eine "bundesweite Großdemonstration" von der Gruppe "Querdenken Nürnberg" geben. Weil diese aber zuvor von den Behörden untersagt und das Verbot gerichtlich bestätigt wurde, zeigten etliche Polizeikräfte in der Nürnberger Innenstadt wahrnehmbar Präsenz, um das Verbot durchzusetzen.

Zwar waren immer wieder Anhänger der Querdenken-Szene in der Stadt unterwegs, diese hatten allerdings von vornherein ein anderes Ziel. BR-Recherchen zeigen, dass Aktivisten aus der Szene schon Tage vor der Versammlung am Sonntag auf die bereits Tage zuvor genehmigte Kundgebung am Sonntagnachmittag am Nürnberger Hauptmarkt mobilisierten, da die bundesweite "Großdemo" untersagt wurde.

Die Querdenker selbst schreiben dagegen in einer Stellungnahme auf Twitter: "#querdenken911 hat zu keinem Zeitpunkt für die Veranstaltung am Hauptmarkt geworben."

Querdenker mobilisierten von Beginn an nach Nürnberg

In einer verbreiteten Mitteilung von "Querdenken Nürnberg" hieß es nach dem bestätigten Verbot der Großdemonstration, dass es in Wirklichkeit darum ginge, "regierungskritischen Protest" zu unterbinden. Gleichzeitig wiesen die Organisatoren aber darauf hin, dass "für Personen, die sich die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt Nürnberg ansehen", das Bewegen an der "frischen Luft und die Teilnahme an Versammlungen triftige Gründe zum Verlassen des Hauses nach dem Infektionsschutzgesetz sind".

Führende Aktivisten der Nürnberger Querdenker-Szene und Organisatoren der verbotenen "Großdemonstration" riefen daher schon Tage vorher zur Kundgebung auf den Hauptmarkt auf. Einer dieser Aufrufe wurde nach BR-Recherchen bereits am 1. Januar von rund 45.000 Menschen gesehen und etliche Male weiterverbreitet. Dass also hunderte Anhänger der Szene nach Nürnberg kommen würden, war vorhersehbar. Auch in der Vergangenheit wurden Auflagen bei Versammlungen von Maßnahmen-Kritikern in Bayern nicht eingehalten.

Versammlung mit bundesweiten Größen aus der Querdenker-Szene

BR-Recherchen zufolge waren führende Aktivisten der "Querdenken"-Szene fest in die Organisation der Kundgebung am Sonntagnachmittag eingebunden. In sämtlichen Chatgruppen der Querdenken-Szene wurde zuvor mit bundesweit bekannten Querdenker-Rednern geworben, darunter einem Polizeibeamten im Ruhestand, einem Querdenken-Anwalt und dem Moderator, der deutschlandweit Querdenken-Veranstaltungen moderiert.

Szene feiert Kundgebung als "tollen Erfolg"

Die Querdenken-Szene feiert die Versammlungen am vergangenen Sonntag nun als "tollen Erfolg". In Chatgruppen heißt es: "Wir fahren wieder nach Nürnberg. 3. Januar war ein toller Tag. Söder wir kommen wieder". Mittlerweile wird bundesweit zu zwei weiteren Versammlungen in Nürnberg mobilisiert, mehr als 60.000 Menschen hat der Aufruf bereits erreicht. Zudem wird seit Beginn der Pandemie in verschiedenen Chats der Szene die Nürnberger Privatadresse von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verbreitet – mit der Aufforderung: "Söder wir kommen".

Reichsbürger freut sich über "Start ins Kampfjahr"

Auch ein bundesweit bekannter und verurteilter Reichsbürger, der an der am Sonntag vor Ort war, freute sich in einer internen Mitteilung über einen "fulminanten Start in das Kampfjahr 2021". Nach BR-Recherchen nehmen immer wieder Personen aus der rechtsextremen Szene an Versammlungen der Querdenker teil. Auch der bayerische Verfassungsschutz beobachtet einzelne Personen, die bei Querdenken-Veranstaltungen als Anmelder, Sprecher oder Redner fungieren. Diese würden aufgrund ihrer politischen Aktivitäten in der rechten Szene aber ohnehin beobachtet, so ein Sprecher des Geheimdienstes.

© Screenshot/Verpixelung/Bearbeitung: BR/Jonas Miller

Mobilisierungsaufruf eines "Querdenkers" für die Kundgebung am Sonntag in einem Telegram-Chat

© BR

Am Sonntag haben hunderte Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen in Nürnberg demonstriert - oft ohne Abstand und Maske. Kritiker sagen: Die Nürnberger Polizei hätte durchgreifen müssen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!