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Bildrechte: dpa/Armin Weigel

Es wurde hitzig diskutiert: Bayerns Umweltminister Glauber (FW) hat bei einer Veranstaltung im Kloster Weltenburg bei Kelheim für die geplanten Flutpolder geworben. Dabei stieß er auf teils heftige Gegenwehr.

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Flutpolder: Glauber führt hitzige Diskussion mit Betroffenen

Es wurde hitzig diskutiert: Bayerns Umweltminister Glauber (FW) hat bei einer Veranstaltung im Kloster Weltenburg bei Kelheim für die geplanten Flutpolder geworben. Dabei stieß er auf teils heftige Gegenwehr.

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  • Andreas Wenleder
  • BR24 Redaktion

Bei einer Dialogveranstaltung im Kloster Weltenburg bei Kelheim hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) für die geplanten Flutpolder an der Donau geworben. Überzeugen konnten er und seine Experten die Kritiker aber nicht.

Emotionale Diskussion

Eingeladen waren wegen der Corona-Beschränkungen nur rund 50 Lokalpolitiker und Interessensvertreter aus den betroffenen Regionen. Emotional und teilweise hitzig diskutierten sie mit den Ministeriumsvertretern und machten ihre Ablehnung gegen die Pläne der Staatsregierung deutlich. Zu Beginn wurden die Ergebnisse der letzte Woche vorgestellten Polder-Studie erneut präsentiert. Sie bescheinigt den geplanten Poldern eine hohe Wirkung bei extremen Hochwassern. So könne durch die Polder die Pegelspitze des Hochwasserscheitels bei Straubing um rund 40 Zentimeter und bei Deggendorf um 24 Zentimeter verringert werden.

Polder weniger hilfreich als andere Maßnahmen?

Die Anwohner befürchten dagegen bei einer Flutung der Polder die Zerstörung landwirtschaftlicher Flächen, steigendes Grundwasser und einen Rückstau der Zuflüsse an der Rückseite der Polder. Sie fordern als Alternative überall an der Donau bessere Dämme und dezentrale Rückhaltebecken an den Zuflüssen. Auch die Ereignisse der letzten Tage haben an der Kritik nichts geändert. "Eigentlich hat uns das in unserer Einschätzung bestärkt, dass der dezentrale Hochwasserschutz wesentlich wichtiger ist. Hier kann man Starkregenereignisse einfach besser abmildern. Keine einzige Katastrophe, wie wir sie die letzten Wochen gehabt haben, hätte man mit einem großen Polder verhindern können", sagte Josef Schütz, Bürgermeister der betroffenen Stadt Wörth an der Donau im Landkreis Regensburg.

Experten wehren sich gegen Vorwürfe

Teilweise zogen die Kritiker bei der Diskussion auch die Studienergebnisse in Zweifel und warfen den Ministeriumsvertretern vor, die Polder durchdrücken zu wollen. Dagegen wehrten sich die Experten aus dem Ministerium. Die Studien seien nach wissenschaftlichen Standards sorgfältig durchgeführt worden, sagte Martin Grambow vom Umweltministerium. "Ich kann nur um ihr Vertrauen bitten, weil uns jedes Motiv fehlt, ihnen etwas anderes zu erzählen als wir wissen." Andere dezentrale Maßnahmen könnten die Polder nicht gleich wirksam ersetzen.

Nicht nur die Donau relevant

Auch die eingeladenen Vertreter der Bewohner donauabwärts meldeten sich in der Diskussion zu Wort. Sie wehrten sich gegen den Vorwurf, vor Ort selbst nicht genug für den Hochwasserschutz zu tun. Die Summe aller Maßnahmen, inklusive Polder, könne den Hochwasserscheitel in Passau deutlich senken, sagte Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD). "Zwanzig Zentimeter können bei uns entscheidend sein. Bleibt das Wasser im Erdgeschoss, oder steigt es in die erste Etage." Die Diskussion über Rückhaltemöglichkeiten müsse aber nicht nur an der Donau, sondern auch für den Inn geführt werden, so Dupper.

Kritik an Veranstaltungsform

Am Dienstagabend soll der Polder-Dialog mit einer Online-Veranstaltung für alle Betroffenen fortgesetzt werden. Viele der Betroffenen äußerten aber Kritik am Dialogformat des Ministeriums. Statt der kleinen Veranstaltung am Abend und dem Online-Dialog hätten sich die Betroffenen auch Veranstaltungen vor Ort in den betroffenen Gemeinden gewünscht.

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