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Symbolbild: Wildcamper

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    Corona-Boom: Wildcamper am Walchensee

    Camping-Urlaub ist beliebt, gerade in Pandemiezeiten. Doch auch die Zahl der illegalen Wildcamper steigt rasant. Reporter vom BR-Politikmagazin Kontrovers haben Ranger begleitet, die bei ihren nächtlichen Patrouillen auf viele Wildcamper stoßen.

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    Von
    • Andreas Neukam
    • Stefanie Heiß

    Zahlreiche Schilder weisen darauf hin: Der Walchensee liegt mitten in einem Landschaftsschutzgebiet. Das bedeutet: Übernachten und Feuermachen ist hier verboten. Von 22 bis 6 Uhr gilt ein Nachtparkverbot, etwa am Seeufer. Die Tiere sollen nachts nicht gestört werden.

    Trotzdem zieht es immer mehr illegale Wildcamper an den idyllischen See in Oberbayern. Im Jahr vor Pandemiebeginn gab es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen rund 400 Fälle, in denen unerlaubt in den Schutzgebieten übernachtet wurde. Im vergangenen Jahr hat sich diese Zahl vervierfacht: 1.600 Verstöße waren es 2020. Ein rasanter Anstieg. Der Grund: Mehr Kontrollen, aber auch viel mehr Wildcamper.

    Ranger kontrollieren und verhängen Bußgelder

    An Pfingsten begleiten Reporter vom BR-Politikmagazin Kontrovers die zwei Ranger Hans Adlwarth und Sabine Gerg auf ihrer Patrouille. Die beiden sind regelmäßig am Walchensee im Einsatz, am Pfingstsamstag haben sie Nachtschicht. Um 20 Uhr beginnt der Dienst: Sie starten ihren Rundgang am Nachtparkplatz. Dort dürfen Camper ganz legal übernachten, allerdings nicht grillen. Wer trotzdem auf sein Feuer nicht verzichten will, für den wird es teuer: 100 Euro pro Person. Bei schweren Verstößen können bis zu 1.500 Euro fällig werden.

    Und tatsächlich: Ein Camper grillt gerade Würstchen auf einem Einweggrill. "Für die Tiere ist das Grillen in der Natur besonders schlimm", sagt Hans Adlwarth: "Die Tiere riechen das und die können nicht unterscheiden: Wird hier gekocht oder brennt es im Wald?" Der Rauchgeruch versetzt die Tiere in Panik, sie fliehen vor dem vermeintlichen Feuer.

    Die Ranger sprechen den Camper an, seine Reaktion sei typisch: Dass er hier nicht grillen darf, will er nicht gewusst haben. "Schauen Sie mal!", sagt Ranger Adlwarth, "da vorne wäre gleich ein Schild, auf dem steht, dass Grillen verboten ist. Sie parken eigentlich direkt daneben. Haben Sie das nicht gesehen?" Immerhin, der Camper zeigt sich einsichtig und löscht den Grill. Das Bußgeld wird er trotzdem bezahlen müssen.

    Ranger werden von Wildcampern bedroht

    Für die Ranger ein entspannter Auftakt, doch so ruhig wird die Nachtschicht nicht bleiben. Die Gespräche mit den illegalen Grillern und Campern begönnen meist harmlos, sagt Rangerin Sabine Gerg. Aber: "Es kippt dann oft, wenn die Personalien von uns verlangt werden. Dann wird es anstrengend: verbal ausfällig, nicht mehr einsichtig, Drohungen." Einmal seien die Ranger sogar mit einem Messer bedroht worden.

    In ruhigen Nächten bis zu 70 Prozent weniger Müll

    Dabei zahlt sich der Einsatz der Ranger wirklich aus: "Wir sehen, was das für eine Wirkung hat, wenn in der Nacht einfach Ruhe ist. 70 Prozent weniger Müll, 70 Prozent weniger Feuerstellen. Die Tiere kommen raus, die Natur kann sich erholen", sagt Hans Adlwarth.

    An diesem Abend stoßen die Ranger auf einen verlassenen Partyplatz: Eine leere Bierkiste, Plastikbecher, Verpackungen. Gegrillt wurde wohl auch, die Glut glimmt noch. Das ärgert Rangerin Sabine Gerg besonders: "Das ist das Fatalste überhaupt. Auch wenn es heute regnet, man weiß einfach nie. Richtig krass!" Und der Müll wird oft zur Gefahr für die Wildtiere, zum Beispiel, wenn sie liegengelassene Essensreste samt Plastikverpackungen fressen.

    Betrunkene Wildcamper zahlen doppelt

    Um 22 Uhr beginnt die Parksperrstunde. Wer jetzt noch am See oder auf einem Parkplatz steht, muss in der Regel 100 Euro Bußgeld bezahlen. Doch auch hier gilt: Bei schweren Verstößen können bis zu 1.500 Euro fällig werden.

    Die Ranger stoßen wie so oft auch in dieser Nacht auf zahlreiche Wildcamper. Ein weiteres Problem: Manche haben Alkohol getrunken und können den illegalen Schlafplatz gar nicht räumen, weil sie nicht mehr fahrtüchtig sind. Ihnen erteilen die Ranger eine Frist bis zum nächsten Morgen. Dafür, dass sie nicht wegfahren können, müssen sie das doppelte Bußgeld bezahlen. Die Ranger der Frühschicht kontrollieren dann, ob das Nachtlager auch wirklich geräumt wurde. Um 4 Uhr endet schließlich die Nachtschicht von Hans Adlwarth und Sabine Gerg. Die Bilanz: Allein in dieser verregneten Nacht haben sie 20 Verstöße geahndet. Bei schönem Wetter wird es ein Vielfaches sein.

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