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Wandern nach Feierabend Bergsport für Berufstätige: gesund und entspannend

Statt ins Fitnessstudio gehen immer mehr Menschen nach der Arbeit in die Berge. Feierabend auf der Alm, das bedeutet Entspannung für Körper und Geist. Gesundheit! Reporter Fero Andersen hat eine After-Work-Wanderung begleitet.

Von: Annette Hammerschmidt

Stand: 01.07.2019

Gesundheit! Reporter Fero Andersen unternimmt eine Wanderung, genauer gesagt eine Feierabend-Wanderung auf den Riederstein mit einer After-Work-Wandergruppe. Bis Sonnenuntergang wollen sie die kleine Kapelle erreichen. Der Rundweg soll in etwa zweieinhalb Stunden zu schaffen sein. Aber bevor es los geht, holt er Nicole Thiel im Büro ab. Die Wanderschuhe stehen parat und Marketingfachfrau Nicole freut sich, nach dem Bürotag ihrem schmerzenden Rücken etwas Gutes tun zu können. Organisatorin der Feierabendtour ist Dana Eichinger. Heute wandern 15 Teilnehmer mit.

"Wandern ist einfach was für Leib und Seele, Wandern tut Körper und Geist gut. Deswegen wollen wir ganz viele Menschen dazu aktivieren raus zu gehen."

Dana Eichinger, organisiert After-Work-Wanderungen

After-Work-Wandern: Rucksack packen und Aufwärmen

Doch bevor es losgeht, muss der Rucksack gepackt werden. Und das gehört hinein: Wanderkarte, erste-Hilfe-Set, Proviant sowie ausreichend Getränke und, falls der Abstieg im Dunkeln erfolgt, ist eine Stirnlampe hilfreich.

Danach werden die Muskeln aufgewärmt: Das ist wichtig, um Verletzungen vorzubeugen. Personaltrainer Christian Dries erklärt, warum man sich vor dem Loslaufen aufwärmen sollte.

"Es bereitet auf bevorstehende Belastungen vor. Wir machen uns warm, damit der Körper an sich warm wird, dass die Gelenke vorbereitet werden, die Sehnen und Bänder. Das ist wichtige Verletzungsprophylaxe, gerade in unserer Situation: Wir kommen eben aus dem Büro und gehen direkt auf den Berg. Die meisten saßen vielleicht noch eine Stunde im Auto, der Körper ist einfach kalt. Und auch die mentale Seite ist wichtig: Ich komme auch vom Kopf her ein bisschen runter und stelle mich körperlich und geistig darauf ein, dass ich jetzt entspannen kann."

Christian Dries, Personaltrainer

Trendsport Wandern: Fit bleiben oder fit werden

Während Wandern früher eher ein Rentnerhobby war, ist es mittlerweile zum Trendsport aufgestiegen, für den sich auch junge Leute interessieren. Fürs Wandern begeistern sich mittlerweile etwa die Hälfte der Deutschen, vor allem, weil sie die Natur erleben wollen. Denn sich an der frischen Luft zu bewegen, ist schöner, als im Fitnessstudio auf dem Laufband zu trainieren. Zudem hilft Wandern nicht nur fit zu beleiben, sondern auch, wieder fit zu werden – wie zum Beispiel Wolfgang:

"Ich muss vielleicht vorweg schicken, ich habe mein Leben lang immer sehr gern Sport gemacht, ich gehe gern in die Berge – bis mich Ende Dezember leider Gottes ein sehr schwerer Herzinfarkt ereilt hat. Ich war lange auf Reha, immer die Bergwelt vor mir. Das war sehr schwer für mich. Sobald mir mein Arzt gesagt hat, ich kann wieder langsam anfangen, war ich sofort wieder glücklich und bin jetzt hier dabei. Es gibt leichte Touren, es gibt schöne Touren und dann geht’s einem gut und am Abend, wenn man nach Hause kommt, sagt man sich: Das war doch superschön!"

Wolfgang

Rita geht fast jedes Wochenende mit ihrer Wandergruppe in die Berge, warum hat sie sich heute der Gruppe angeschlossen?

"Den Riederstein kenne ich ja, aber es ist einfach mal schön, mit anderen Leuten unterwegs zu sein, das auch mal am Abend oder am Nachmittag zu machen. Da ist das Licht anders und es sind auch nicht so viele Leute unterwegs. Also das ist schon nicht schlecht!"

Rita

Wandern: Gewinn für die Gesundheit

Beim Wandern wirken sich schon kürzere Distanzen und moderate Strecken positiv auf die Gesundheit aus. Nach einer knappen Stunde erreicht die Gruppe die Hütte auf 1.060 Meter. Nicole holt sich, bevor es weiter zum Gipfel geht, Tipps von Personaltrainier Christian für ihren schmerzenden Rücken. Warum wird gerade beim Laufen der Rücken so entlastet?

"Beim Rücken gibt es eine große Besonderheit: Gerade die Bandscheiben werden nicht durchblutet, wie alles andere im Körper.
Die Bandscheiben kann man sich vorstellen wie einen Schwamm. Und der braucht entweder Be- oder Entlastung und durch diesen Wechsel versorgt sich eigentlich der Rücken. Das heißt, ein gesunder, starker Rücken, der wird ständig be- und entlastet. Das haben wir im Alltag eben nicht und gerade beim Wandern, beim Laufen geschieht das ständig, mit jedem Schritt. Und dazu kommt diese Aussicht: Die Psyche sollte man auch nicht vergessen. Stressabbau ist auch eine super Sache, um die Muskeln ein bisschen zu lockern!"

Christian Dries, Personaltrainer

Wandern steigert das Wohlbefinden und kann sich positiv auf den Heilungsprozess auswirken: Das hat Petra Thaller am eigenen Leib erfahren. Sie gründete nach ihrer Krebserkrankung die Initiative „Outdoor against cancer“. Wie gelingt es ihr, Krebspatienten zu motivieren?

"Wenn jemand ein bisschen Lunte gerochen hat, wie schön es ist, dass er sich draußen bewegt und wenn er dann merkt, dass er nach fünf Trainings schon viel stärker geworden ist in der Therapie, dass die Nebenwirkungen deutlich schwächer werden, dann kapiert irgendwann mal jeder: Das mit dem Sport da draußen, das ist echt ne coole Sache!"

Petra Thaller

Tatjana ist bereits das dritte Mal an Krebs erkrankt. Warum macht sie mit?

"Naja, ich will ja nicht elend sterben, sondern ich will fit sein. Und nach einem halben Jahr merkst du einfach, ich bin nicht mehr die Jüngste, aber ich habe noch Kraft und da geht noch was vorwärts. Und jetzt freue ich mich schon auf den Gipfel!"

Tatjana

Den wollen alle vor Anbruch der Dunkelheit erreichen, doch die letzten Höhenmeter haben es ganz schön in sich. Aber der Ausblick war die ganze Anstrengung wert. Ehe es wieder zurückgeht, genießen alle den traumhaften Blick.


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