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Akne und unreine Haut Was hilft gegen Pickel und Mitesser?

Pickel in der Jugend, das ist ärgerlich, aber fast normal. Viel schlimmer ist es, wenn Akne auch im reiferen Alter das Gesicht verunstaltet. Vielfach sinkt das Selbstwertgefühl und manche trauen sich kaum noch aus dem Haus. Dabei hat Akne nichts mit mangelnder Körperpflege zu tun. Was hilft gegen Pickel und Pusteln?

Von: Andrea Lauterbach

Stand: 22.01.2013 | Archiv

Junge mit Pickeln | Bild: Digital Vision

Akne ist die häufigste Hauterkrankung überhaupt. Pickel und Pustel zeigen sich in der Regel erstmals in der Pubertät und verschwinden in den meisten Fällen spätestens im dritten Lebensjahrzehnt. Manchmal können Hautunreinheiten aber auch dann noch bestehen bleiben. Jeder vierte Erwachsene hat Akne weit über die Pubertät hinaus. Egal ob jung oder alt - die meisten Betroffenen geben an, stark unter den lästigen Pickeln zu leiden. Trotzdem zögern sie den Besuch beim Hautarzt aus Scham hinaus. Ohne Grund: Denn Akne ist eine Hauterkrankung und kann behandelt werden. Je früher die Betroffenen etwas dagegen unternehmen, desto weniger leiden sie unter Spätfolgen wie Narben.  

Wie Pickel entstehen

Bei Akne ist die Talgproduktion der Hautdrüsen krankhaft gesteigert.

Bei Akne ist die Talgproduktion der Hautdrüsen in Gesicht, Dekolleté und Rücken krankhaft gesteigert. Schuld ist meist eine Hormonumstellung. Diese ist typisch für die Pubertät, bei Frauen an den Tagen vor der Menstruation oder in der Schwangerschaft.

Hinzu kommt in der Regel eine Verhornungsstörung des Follikelausführganges. Dabei bildet sich zu viel Hornhaut in oder auf der Pore, durch die der Talg eigentlich nach außen gelangen soll. Die Folge: Der Talg kann nicht mehr abfließen. Es entsteht ein Mitesser.

Dieser gestaute Talg ist ein gefundenes Fressen für eine Gruppe von Bakterien, die sogenannten Propionibakterien. Sie kommen ganz natürlich auf der Haut vor und werden in der Regel durch den Säureschutzmantel der Haut in Schach gehalten. Siedeln sich diese Bakterien jedoch in der Talgdrüse an, kommt es zu einer unschönen Entzündung – ein Pickel entsteht.   

Weitere Ursachen von Akne

Genetische Faktoren spielen übrigens eine große Rolle bei Akne. Das bedeutet: Wenn die Eltern bereits unter Pickeln gelitten haben, ist das Risiko erhöht, dass auch die Kinder an Akne erkranken.

Bekannt ist außerdem, dass sich Aknesymptome durch Stress, Schlafmangel, Zigarettenkonsum und ein geschwächtes Immunsystem verstärken. Auch Sonne, einige Kosmetika und Arzneimittel können bei Menschen, die zu Akne neigen, Pickel hervorrufen. Hartnäckig hält sich das Ammenmärchen, dass mangelnde Hygiene für Akne verantwortlich ist. Das stimmt keinesfalls.

"Akne ist kein Hygiene-Problem oder Folge mangelnder Körperpflege. Es hat mit fettiger Haut zu tun. Wenn ich dann noch fettige Cremes schmiere, kann ich Akne richtig anzüchten. Leute mit trockener Haut haben weniger Akne, es gibt auch eine genetische Komponente, ob jemand starke oder weniger starke Akne hat. Jeder hat irgendwann mal ein bisschen Akne. Es gibt den Satz ‚Nur Eunuchen haben keine Pickel‘"

. Prof. Dr. Dr. med. Johannes Ring, Haut- und Allergiezentrum Biederstein, TU München

Denn: Männliche Hormone regen die Talgproduktion an. Männliche Hormone, sogenannte Androgene, kommen bei Männern UND bei Frauen vor. Gebildet werden diese hauptsächlich von den Hoden (bei Männern), den Eierstöcken (bei Frauen) und von der Nebennierenrinde. Allerdings produzieren beide Geschlechter unterschiedliche Mengen des Hormons. Ist das natürliche Mengenverhältnis der Hormone im Körper gestört, kann Akne eine der unangenehmen Folgen sein. 

Bei ständig wiederkehrenden Pickeln frühzeitig zum Arzt

Hier und da mal einen Pickel zu haben, ist fast normal. Doch wenn die lästigen Rötungen immer wiederkehren oder sich sogar bereits unter der Haut ausbreiten, ist es Zeit zu handeln, und einen Termin beim Hautarzt auszumachen. Niemandem muss die Erkrankung peinlich sein. Im Gegenteil: Je früher der Betroffene zum Hautarzt geht, desto eher kann dieser mit einer individuellen Therapie beginnen.

Eine rasche und gezielte Akne-Therapie hat häufig noch einen weiteren Vorteil. Denn eine reine Haut zählt auch bei uns als Zeichen von Attraktivität und Gesundheit. Jeder Akne-Patient hat meist auch eine seelische Betroffenheit. Man will sich verstecken, zweifelt, das Selbstwertgefühl leidet. Eine gesunde Haut trägt zweifelsohne zu seelischer Ausgeglichenheit bei.

Wie die Hautkrankheit behandelt wird

Je nach Schwere der Akne hat der Dermatologe unterschiedliche Möglichkeiten für die Therapie:

Behandlung

Salicylsäure

Der Wirkstoff in Cremeform wird bei leichten Akneformen empfohlen. Salicylsäure weiche verhornte Stellen auf und erleichtert so den Talgabfluss. Salicylsäure tötet keine Bakterien ab.

Benzoxylperoxid

Benzoxylperoxid (BPO) wirkt der Verhornungsstörung der Haut entgegen. Es wirkt schälend auf die Haut und tötet zudem Bakterien ab. Der erhöhte Talgfluss wird von dem Wirkstoff jedoch nicht beeinflusst. Benzoxylperoxid ist meist als Creme oder auch als Waschlotion erhältlich und wird in der Regel gut vertragen. Nebenwirkungen können trockene, schuppige, brennende Haut mit geröteten Stellen sein. 

Vorsicht bei Kleidung, Bettwäsche und bunten Handtüchern – Benzoxylperoxid hat auf Textilien einen stark bleichenden Effekt. Um unschöne Flecken zu vermeiden, benutzen Sie am besten weiße Handtücher und Bettwäsche.

Antibiotika

Gute Ergebnisse erzielen Betroffene auch mit Antibiotika. Sie sollen jene Bakterien bekämpfen, die in der Haut für die Entzündungen verantwortlich sind. Bei leichten Akne-Formen wird der Wirkstoff (z.B. Erythromycin) mit Cremes oder Salben auf die Haut aufgetragen. Bei schweren Akneformen kann unter Umständen auch eine zeitlich begrenzte, innerliche Antibiotika-Therapie (z.B. mit Minocyclin) sinnvoll sein.

Fruchtsäure

Die gängigste Behandlungsmethode mit Fruchtsäure ist das Peeling. Dieses wird in der Regel bei einer Kosmetikerin durchgeführt. Das Peeling mit Fruchtsäure bewirkt eine oberflächliche Schälung der Haut, bei der die abgestorbenen Hautzellen entfernt werden. Verstopfte Poren werden geöffnet, der Talg kann frei abfließen. Fruchtsäure hat allerdings keinen Einfluss auf den erhöhten Talgfluss bei Akne-Patienten. 

Nach der Behandlung mit Fruchtsäure kann eine Rötung oder ein Brennen auftreten. Nach dem Peeling wird von Sonnenbädern abgeraten, da es sein kann, dass die Haut dann besonders lichtempfindlich ist.

Vitamin-A-Säure-Präparate

Vitamin-A-Säure-Präparate (Retinoide) wirken der Verhornung der Talgdrüsen entgegen und reduzieren so die Bildung von Pickeln und Mitessern. Bei leichten Formen verordnet der Arzt in der Regel Vitamin-A-Säure-Präparate, die äußerlich anzuwenden sind. Bei schweren Akneformen können innerlich angewandte Vitamin-A-Säure-Präparate helfen. Allerdings gibt es eine Reihe von Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Austrocknen der Haut und der Schleimhäute, sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Außerdem muss während der Therapie bei weiblichen Patientinnen eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden, da es sonst zu Missbildungen beim Neugeborenen kommen kann.

Hausmittel gegen Pickel und Pustel

Hände aus dem Gesicht!

Achten Sie einmal darauf, wie oft Sie sich am Tag ins Gesicht fassen. Meist lässt es sich vermeiden. Denn mit jeder Berührung gelangen Schmutzpartikel, Schweiß und Bakterien auf die empfindliche Gesichtshaut, die erneut Pickel auslösen können. Um die Übertragung zu minimieren, hilft es auch, sich mehrmals täglich die Hände zu waschen. Außerdem sollten Sie nicht selbst an jedem Mitesser oder Pickel herumdrücken. Das gehört in die Hände einer Kosmetikerin.

Heilerde

Heilerde aus dem Reformhaus ist ein natürliches und gut verträgliches Mittel gegen Akne und fettige Haut. Es handelt sich um hochfein gemahlenen und gesiebten Löß. Zur Anwendung rühren Sie das Pulver mit etwas lauwarmen Wasser zu einer dickflüssigen Paste an und tragen diese auf die Haut auf. Anschließend lassen Sie die Heilerde auf der Haut trocken. Während dieser Zeit nimmt die Heilerde den überschüssigen Talg auf. Die Maske ist umso wirksamer, je länger sie auf der Haut trocknet. Danach mit lauwarmen Wasser abspülen. Auch wenn die Haut nach der Behandlung mit Heilerde etwas spannt und sich trocken anfühlt, sollten Sie die Haut jetzt nicht nachfetten, sondern sie maximal mit einer leichten Feuchtigkeitscreme pflegen.

Grüner Tee

Setzen Sie am Morgen eine Tasse grünen Tee auf, den Sie lange ziehen lassen. Am besten eignen sich unparfümierte Tees. Tagsüber können Sie die Haut immer wieder damit betupfen. Die darin enthaltene Gerbsäure wirkt entzündungshemmend. Antioxidantien und Mineralstoffe schützen und nähren die Haut.

Teebaumöl

Teebaumöl wird immer wieder bei unreiner Haut empfohlen, denn es wirkt desinfizierend und austrocknend. Doch hier gibt es einiges zu beachten, denn Teebaumöl ist stark konzentriert und kann Haut- und Schleimhautreizungen auslösen.

Teelbaumöl ist in unterschiedlichen Qualitäten zu erhalten. Achten Sie darauf, dass Sie zu 100 Prozent naturreines Öl mit weniger als 15 Prozent Cineolgehalt kaufen und der Terpin-4-ol-Gehalt mindestens 30 Prozent beträgt. Doch Vorsicht: Wegen der Gefahr durch Hautreizungen sollten Sie Teebaumöl nur verdünnt anwenden.

Die Hautpflege

Experte im Beitrag:

Prof. Dr. med. Dr. phil. Johannes Ring
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München
Biedersteiner Str. 29
80802 München

Die Krankheitsschübe können wiederkehren – vor allem im Herbst und Winter und wenn wieder zu viel gecremt und geschminkt wird. Daher sollten Betroffene auch nach überstandener Erkrankung mit ihrem Arzt klären, welche Hautpflege für sie optimal ist und welche Produkte sie verwenden dürfen. Grundsätzlich sollte man auf den pH-Wert seiner Pflegeprodukte achten. Die Oberfläche der Haut hat einen pH-Wert von etwa 5 (leicht sauer), dem sollten auch die Pflegeprodukte entsprechen. Außerdem sollten sie keine reizenden Stoffe enthalten. Zur Gesichtsreinigung von empfindlicher Haut empfehlen Hautärzte sogenannte Syndets, also synthetische seifenfreie Waschstücke, oder seifenfreien Reinigungsschaum.

Es lohnt sich, häufig das Handtuch zu wechseln. So haben Bakterien keine Chance. Die Haut damit nicht abrubbeln. Viel besser: sanftes Abtupfen.

Die Tagespflege sollte möglichst öl- und fettfrei sein, um die Poren nicht erneut zu verstopfen.

Wer Make-up und Puder benutzt, sollte Schwämmchen und Pinsel häufig reinigen. Hier wachsen sonst wahre Bakterienkolonien.

Ernährung und Pickel – gibt es einen Zusammenhang?

Milch

Verschiedene Studien konnten einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Akne herstellen. Das Aknerisiko war bereits auf das doppelte erhöht, wenn die Studienteilnehmer mehr als drei Portionen Milch, vor allem Magermilch, in der Woche tranken.

B-Vitamine

Auch B-Vitamine stehen unter Verdacht, die Entstehung der Akne zu begünstigen. B-Vitamine finden sich in hohen Dosen vor allem in Nahrungsergänzungsmitteln und in den sogenannten Energy-Drinks. Wer unter Akne leidet, sollte den Konsum dieser Erfrischungsgetränke minimieren oder im besten Fall ganz darauf verzichten. 

Süßigkeiten

Ob Süßigkeiten wie Kuchen oder Schokolade Akne verstärken oder gar verursachen, darüber streiten sich die Wissenschaftler. Einige Studien deuten darauf hin, dass Weißmehl und Zucker, die den Insulinspiegel rasch nach oben treiben, einen Einfluss auf Akne haben. Andere Studien dagegen finden keinen Zusammenhang. Grundsätzlich ist aber nichts gegen das ein oder andere Stück Schokolade einzuwenden, wenn die Ernährung im Allgemeinen ausgewogen und gesund ist.  


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